38.Tag: Von Drobeta-Turnu-Severin nach Negotin
Das war ein ganz besonderer Tag. Ich merke schon beim Aufstehen, etwas ist heute anders. Beim Frühstück, im Innenhof, schaue ich hoch in das blaue Quadrat über mir und staune. Die Wolken schießen nur so durch das Quadrat.
Dann auf der Straße, beim Packen, ist er zu spüren. DER WIND.
Beim Rausfahren aus Drobeta packt er mich und bläst mich aus der Stadt. Wort wörtlich, ich muss höllisch aufpassen, nicht zu schnell zu werden. Die 5 km die ich noch einmal auf die E 70 muss - ein Klacks, auch als ich auf die kleinere Straße Richtung Hinova abbiege, läuft es wie geschmiert. Der Form halber, um die Windgötter nicht zu verärgern, lasse ich die Beine kreisen.
So habe ich die Donau noch nicht gesehen. Wellen mit Schaumkronen, die quer zum Strom laufen.
Es ist wirklich ein besonderer Tag, besondere Stimmung, ein besonderes Licht. Fast etwas föhnig. Alles wirkt "aufgeräumt" und nahe. Auf dem offenen Land wird der Wind fast zum Sturm.
Ganz langsam ahnt mir, dass ich so nicht nach Negotin fliegen werden. Oben auf dem Bild kann man es schon erahnen, die Donau macht einen Knick um 90°, d.h. nicht mehr Rückenwind, wenn es ganz gut geht vielleicht noch Seitenwind. Ohoh!
War der Wind die letzten Kilometer von sagen wir 5:00 Uhr gekommen (12 wäre totaler Wind von vorn, 6 genau von hinten), so ändert sich die Situation ganz allmählich. 4,3, und schließlich beginne ich langsam aber sicher in den Wind hineinzufahren. Bei 2:00 Uhr kann man sich noch mit der rechten Schulter in den Wind lehnen und in Schlangenlinien ein wenig den Wind nutzen. Bei 1:00 wird es hässlich.
Bei Batoli, eine kleine Entspannung, es geht links ab.
A B E R steil nach oben. Kein Wind, aber ein etwas groß geratener Schiener Berg. Hier im Wald merkt man, da der Wind fehlt, wie heiß es heute wirklich ist. Ich komme ins Schwitzen. Oben angekommen. Ist der Wind wieder da. Eine endlos weite Hochfläche, Brachland, auf dem nur gelegentlich Schafherden zu sehen sind. Keine Bäume, die den Wind bremsen könnten.
Habe ich entlang der Donau an einen ähnlichen Tag im Rhonetal denken müssen, so ist das hier oben kein Vergleich mehr.
Selbst wenn es sanft bergab geht, komme ich nur knapp über 10 km/h. Geht es bergauf, rutsche ich in den einstelligen Bereich.
Seltsamerweise stört mich das Ganze gar nicht so sehr. Ich habe heute nichts anderes vor, als zu radeln, also eine Pedalumdrehung nach der anderen.
Die Melonenverkäufer am Straßenrand, deren Stände natürlich die wenigen Schattenplätze nutzen, sind auf die andere Straßenseite gewechselt, sitzen in der Sonne, in Daunenwesten, Kapuzenpullis, und unter Decken. Und frieren. Auch mir ist trotz der Anstrengung nicht warm.
Inzwischen hat sich die Straße voll in den Wind gestellt. 12:00 Uhr kurz vor Mittag! Ganz weit hinten, an einem Baum, oben auf dem Hügel, scheint sich eine Linkskurve anzudeuten. Doch der Baum kommt nicht näher!
Die Kurve ist eine Enttäuschung. 2:00 Uhr ist immer noch Gegenwind. Zwar geht es wieder etwas abwärts doch mehr als 11 km/h ist nicht drin.
Ich zuckle so vor mich hin. Gegen den Wind anzukämpfen macht keinen Sinn. Ich komme ja vorwärts, wenn auch langsam. Nach 1 1/2 Stunden auf der Hochfläche, endlich ein echter Schwenk nach links. Es scheint tatsächlich wieder hinunter zur Donau zu gehen!! Ich kann es fast nicht glauben. Aber tatsächlich, da ist sie wieder, immer noch "wild" aber sehr willkommen.
Da scheint auch schon die Insel zu sein, auf der ich 7 km fahren muss bis das berühmte 2. Kraftwerk Portile de Fier II kommen wird, auf dessen Staumauer ich auf die andere Seite nach Serbien, nach Negotin wechseln kann.
Jetzt macht das Radeln wieder Spaß! Halt! Nicht zu schnell, die Straße hat ihre Tücken!
Die Dörfer sind klein, arm aber sehr "malerisch".
Und alle freuen sich in der EU zu sein!
Bine Ati venit! - da muss ich immer wieder an Joan denken. Ob das Rumänische und das Katalan vielleicht sogar ein bisschen verwandt sind. Vielleicht erklärst du mir das mal!
Auch das Sträßchen wird richtig idyllisch
Dann kommt das Kraftwerk. Alles ultra geheim, man darf auf gar keinen Fall Fotos machen. Traue ich mich auch nicht. Denn in kleinen Häuschen sitzen tatsächlich Polizisten, die aufpassen.
Als Grenzstation hat der Damm ganz offensichtlich an Bedeutung verloren. Ein riesiges Abfertigungsterminal auf rumänischer Seite rottet dahin. Auf derAusfahrsseite ist niemand. Es dauert seine Zeit bis jemand von der Einreiseseite durch das große Gebäude zu mir rüber kommt. Die junge Dame legt meine ID auf den Scanner und wartet, und wartet, was sollte denn mit mir nicht stimmen? Sollten in Rumänien die polizeilichen Melderegister schon zentralisiert sein, und herausgefunden haben, dass ich eine Nacht keine Meldebögen ausgefüllt habe (in der seltsamen Pension im Eisernen Tor).
Aber dann ist alles klar. Das war auch schon bei der Einreise so. Der 1.Zöllner darf nicht sagen, "Danke schön! Gute Fahrt!" Dazu muss schon noch jemand Ranghöheres kommen! Das haben die Rumänen noch nicht ganz abgelegt. In Uniform sind sie immer noch ein bisschen - "anders"- Hackenklacken. Die Chefin kommt auch durch das Gebäude, sagt "Thank you, have a nice day!" aber die Schranke machen sie wegen eines Fahrradfahrers nicht hoch, da muss ich mich durch die Lücke quetschen.
Auf serbischer Seite 2 Container und ebenfalls viele Fahrspuren, aus denen inzwischen das Unkraut wächst.
Negotin erreiche ich ohne Problem und die "Villa de Lux" ist schon von der Grenze an ausgeschildert. Kein Problem.
Und wen treffe ich? Gundolf sitzt am Pool und erzählt, dass er auf der Fähre Christian getroffen hat und dass sie die letzten Tage zusammen geradelt sind.
Christian treffe ich später im Ort. Wir unterhalten uns und beschließen, den morgigen Tag, bis Vidin zu dritt zuradeln. Bei dem Wind vielleicht kleine schlechte Idee, dann können wir mal Tour de France spielen.
Vidin ist in Bulgarien. Ich habe vor übermorgen wieder nach Rumänien zu wechseln. Die bulgarische Seite ist sehr gebirgig. Christian hat vor auf der bulgarischen Seite zu bleiben. Gundolf weiß es noch nicht.
Natürlich haben wir uns auch über die vergangenen Tage ausgetauscht. Unterm Strich, haben beide Varianten ihr Highlights und heftige Berge.
Heute, um die Mittagszeit, zeigt der Tacho genau den Kilometerstand, mit dem ich letztes Jahr in Denia eingefahren bin. Da habe ich - wenn ich mich richtig erinnere, vollmundig erklärt, dass ich noch "ewig" so weiter radeln könne. Jetzt darf ich! Zumindest noch einige Hundert Kilometer. Mal sehen, ob ich den Mund nicht etwas voll genommen habe.
Eine Klarstellung:
Es ist mir sehr wichtig folgendes festzustellen: Ich bin in meiner radelfreien Zeit nicht permanent auf der Suche nach neuen Gartenzwerg Geschichten. Gestern war ich verzweifelt auf der Suche, ob nicht doch auf irgendeinem Sender das Leverkusenspiel im livestream zu sehen wäre. Aber der Blatter, Sepp hat das Internet anscheinend komplett unter Kontrolle. Bei dieser Suche kam ich auch auf die Homepage von ORF und dabei stieß ich wirklich zufällig auf diese neue absurde Zwergengeschichte.
Heute Abend in der Villa de Lux, bin ich noch etwas am Pool gesessen, und habe mir überlegt, ob ich vielleicht noch ein Bad wagen sollte. Auf der anderen Seite des Pools, zwei andere Pensionsgäste, Erwin und Edgar, sind sich auch im Zweifel. Wir beschließen, dass der Wind doch etwas zu kühl ist und dass wir lieber auf der trockenen Seite bleiben wollen .
Letzte Meldung:
Soeben erreicht mich eine sehr erfreuliche Nachricht. Die Kommission für die Vergabe von "OM-Punkten" hat mir für den heutigen Tag 10 Punkte zugestanden. Das kommt sehr selten vor! Aber angesichts meiner grenzenlosen Gelassenheit im Gegenwinds, finde ich das durchaus angemessen. Nun komme ich also wieder auf 19 Punkte. Fehlen also nur noch 70 Punkte, bis ich mich "Buddha aus der Vorstadt" nennen darf.
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lieber Manne, ich sollte ja täglich 2 Blogs lesen. "Hardy radelt" und "Richtungswechsel". Schaffe ich nicht immer, aber die Themen sind ähnlich: Straßen, Wind, Essen und Trinken. Weiß nicht, ob du Zeit hast, was über Hardy zu lesen. Ebenso spannend wie dein Blog. Allzeit gute Beine, Carlheinz
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