Samstag, 16. August 2014

26.Tag: Von Püspökpuszta nach Bilje

Die Therme von gestern war nicht in Dávod, sondern in Püspökpuszta, was ein viel schönerer Name ist. Heute Morgen wunderbares Frühstück. Die Wirtin vom Ponty-Lak ist eine Künstlerin. In unserer Familie gibt es eine lange Tradition des "Italienerbrotes",  Nun werden wir eine 2.Tradition begründen: Das "Hungarobrot", -dermaßen lecker! Ei mit Milch gut verquirlen, Brotscheibe reintunken, in Butter ausbacken. So was von kross. U N D ein problemloser Morgen.
Ein sehr schöner Morgen darüber hinaus. Anfangs etwas trüb und frisch, dann jedoch ein perfekter Samstag 

Nun, da wir uns, die Ungarn und ich, so schön aneinander gewöhnt haben, soll heute Abschied genommen werden. Etwa 8 km nach Dávod kommt die Grenze. Tschüss, liebe Ungarn, hallo Serbien, wenn auch nur für ein paar Kilometer.

Eine völlig unspektakuläre Grenze. Hier mache ich einen Fehler. Ich wollte einfach zu schlau sein und meine Forint, erst in Kroatien in Kuna umwechseln. Doch davon später.
Serbien fühlt sich auf den ersten Kilometern nicht viel anders als Ungarn an. Nette Dörfer in denen sich schön hergerichtete Häuser mit halbverfallenen Bauernhöfen abwechseln. Bald fällt jedoch auf,  dass von den wenigen Autos, die heute Morgen auf der Straße sind,  bestimmt 2/3 entweder, deutsche, österreichische oder Schweizer Nummernschilder haben. Serbische Arbeitsemigranten mache Urlaub in der Heimat. Auf den 2.Blick sehe ich, dass fasst immer dort, wo die Häuser richtet schön hergerichtet ist, ein Auto mit ausländischem Nummernschild davor steht.
Wenige Kilometer hinter der Grenze begegne ich meinem ersten Pferdefuhrwek auf dieser Reise, es soll auch das vorläufig einzige bleiben. 
An den ersten Ortsschildern kann ich schon mal an dem Buchstabenverwirrspiel der kyrillischen Schrift üben.
Wie war das noch mal gleich? Das umgedrehte N ist das i, das H ist das N, das P ist das R, das C ist das S das y ist das U, die 3 ist das e. Warum konnten die sich nicht vor ein paar Hundert Jahren mal zusammensetzen und sich einigen, welchen Laut die Buchstaben nun vertreten sollten. Aber das macht die Radelei auch kurzweilig, es gibt immer was zu rätseln.
Was mir an Serbien dann nicht so gefällt, ist, dass für mindestens 5 Kilometer, der Seitenstreifen gemäht, das Heu aber nicht eingesammelt worden ist. Zuerst höre ich nicht auf zu niesen, dann tränen die Augen und schließlich bekomme ich Kopfweh. 
Doch dann biege ich Richtung Kroatien ab, Flüsse, Altarme, Kanäle. Richtig schön hier.

Das Nasenkribbeln hört langsam wieder auf. Das serbische Intermezzo hat schon bald wieder sein Ende. Nach ca. 8km nähere ich mich dem Hauptarm der Donau und der Grenze zu:

Da staunt ihr, Hrvatska, das ist Kroatien. Da niemand genau weiß, woher dieser Name kommt oder was er bedeutet - man vermutet, dass es ein Wort aus dem iranischen sein könnte - muss ich mir den Namen auch nicht wirklich merken. Bleiben wir bei Kroatien.
Die Donau ist hier ein beeindruckender Strom

Dass das Verhältnis der Kroaten zu den Serben kein gutnachbarliches ist, merkt man schon an der Grenze. Es ist 11:00 und es warten vielleicht 6 Autos vor und 20 Autos hinter mehr. Aber die Grenzformalitäten brauchen ihre Zeit. Langsam verstehe ich, dass es sich bei den Autos  um Serben handelt, die ihren Pass zeigen müssen, und die einen Stempel bekommen. Das dauert. Nach einer halben Stunde bin ich dran, bei mir dauert es nicht einmal 30 sek. 
Der Plan war, in Batina meine Forint, die mir geblieben sind in Kuna umzutauschen. Aber an der Grenze gibt es keine Wechselstube, und auch nicht in Batina, auch nicht in Zmajevac und wie die folgenden Orte alle geheißen haben. Werde wohl am Montag in Vukovar auf eine Bank müssen.
Die Stimmung, hat sich seit dem Grenzübertritt deutlich geändert - meine Stimmung natürlich. Die Orte sind nicht gut in Schuss, viele Häuser verfallen. Gasthäuser, Cafes, sind geschlossen. 
Dabei sind es eigentlich ehemals wohlhabende Bauernhöfe. An den Giebeln kann man Jahreszahlen erkennen. Viele sind in der 1.Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gebaut worden oder  früher.
Die Häuser stehen mit der Giebelseite zur Straße, haben, bzw. hatten schöne Veranden und erstrecken sich sehr weit nach hinten. Erst kommt der Wohntrakt, dann die Wirtschaftsräume und Ställe und ganz hinten die Vorratshäuser
Auffallend sind die Lagerhäuser für den Kukuruz. Noch sind sie leer, aber bald werden die Kolben nach unten hängend hier trocknen.
Einige wenige Höfe sind noch gut in Schuss
Es fällt mir schwer, den Verfall zu fotografieren.

Einmal versuche ich es, und stelle fest, das im Hof hinten Wäsche aufgehängt ist. 
Da halte ich lieber an das pittoreske, das ist unverfänglicher

Auf kroatischer Seite bewege ich mich hauptsächlich auf einer der Hauptstraßen. Was kein großes Problem ist, der Verkehr ist sehr überschaubar.
Vor Bilje wird der Himmel grau! Doch ich erreiche die Pension zum Krokodil ohne Probleme. 
Nur ich habe immer noch keine Kuna.
Die nette Pensionslady gibt mir einen Tipp, am Konsum hat es einen Automaten. Uff, ich bin gerettet, ich kann die Pension zahlen und muss nicht hungern.
Sie spricht übrigens sehr gut deutsch. Hat in Pforzheim gelebt.
Jetzt habe ich jede Menge Marder (das ist die Übersetzung von Kuna,- anscheinend waren Marderfelle mal eine Art Zahlungsmittel, warum die kleinere Währungseinheit Lipa =Linde heißt, hat mir noch niemand erklären können -sollten Lindenblütenteebeutel auch mal eine Währungseinheit gewesen sein?).

Notwendiger Nachtrag und einige Korrekturen:
Wenn man so vor sich hin schreibt schleichen sich unvermeidlich Fehler ein. Hier einige Korrekturen:

1. Die "jüdische Schule" in Baja (ehemals Frankendorf), ist doch die alte Synagoge, man kann auf dem Photo sogar noch gut die Mikwe im Vordergrund erkennen. Heute ist die Synagoge eine Bibliothek.
2. Wer aufmerksam gelesen hat, wird es gemerkt haben, natürlich hat der Schulmeister in Donaudorf zum Zustand der Straße nicht "OiOiOi" gemeint, das macht keinen Sinn, natürlich musste es richtig heißen: '"OiOiOiOi!!" Leuchtet jedem ein,oder?



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