25.Tag: Von Baja nach Dávod
Die Familie Kaiser war sehr nett. Sie spricht zwar nicht
mehr gut Deutsch, aber die ganze Einrichtung der Pension scheint aus
Deutschland zu sein. Der Fernseher, die Kaffeemaschine alles spricht mit mir auf Deutsch.
Das Frühstück ist üppig. Selbstgebackenes Brot!
Sauerteig,
mit Roggen.
Auweia, jetzt habe ich schon Probleme mit dem deutschen Brot. Nach
3 Wochen teigumhüllter Luft liegt mir das gute deutsche Brot wie ein Stein im
Magen.
Meine „to-do-Lise“ konnte ich in Baja bis auf 2 Punkte
abarbeiten.
Zuerst hat mein Fahrrad mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit
verdient. Es bekommt eine
Grobreinigung: Der Pension gleich
gegenüber ist ein Radladen. Also schauen
wir noch nach dem Reifendruck. Ein bisschen mehr kann nicht schaden.
Einen Poncho, als Ersatz für den, den ich irgendwo unterwegs liegen gelassen habe, ist auch gefunden.
Fast hätte ich den vorletzten Punkt auf der Liste auch geschafft: Friseur. Ich finde auch einen beim Rausfahren, aber morgens um 1/4 vor Acht sitzen schon 5 Herren drin. Dann halt nüt.
Der Morgen ist kühl. Auf dem Weg aus der Stadt komme ich
noch an der jüdischen Schule vorbei. Sie ist offensichtlich kein Museum.
Einen Fehler werde ich heute sicher nicht begehen.
Nein, auf
keinen Fall fahre ich auf einen der gestrichelten roten Strecken.
Schon gar
nicht nach dem gewaltigen Gewitter von gestern Abend.
Da wäre ich ja der erste,
der eine Spur durch den Schlamm legen müsste! Sorry, das wäre zuviel des
Gemeinsinns.
So fahre ich gemütlich auf kleinen Nebenstraßen, völlig
entspannt, der Verkehr ist minimal. Aber der Ungar liebt es zu rasen, wenn man
nicht aufpasst wird man von so einem Geschoss ganz schön ins Wackeln gebracht.
In Szeremle – der Hammer des Tages!
Man stelle sich Szeremle
etwa vor, wie Biesendorf an einem Freitagmorgen um 9:30 (obwohl ich noch nie an
einem Freitag um 9:30 in Biesendorf war, - genau genommen war ich
wahrscheinlich überhaupt noch nie in Biesendorf). Also ich biege in das Dorf ein, stutzte, was war das? Ich
bremse, da steht doch tatsächlich ein Mann mit einem Kamel am Straßenrand.
Das
Kamel grast. Der Mann schaut zu. Ich halte, versuche mit dem Mann Kontakt
aufzunehmen. Nach und nach bekomme ich heraus, dass das Kamel aus der Mongolei ist und erst 2 Jahre alt. Also noch zu jung, um es zum Reiten zu nutzen.
Ich versuche herauszubekommen, ob er es aus der Mongolei geholt hat. Das
versteht er falsch. „Nem! Ungar!“ OK, du
bist Ungar, aber wie kommt das mongolische Kamel (ob es vielleicht mal ein
Trampeltier wird) nach Szeremle?
„Kamel Austria“ Alles klar, das ist also ein
mongol-österreichisches Kamel. „Kamel Zoo Austria“. Auch recht.
In diesem Augenblick sehe ich im Augenwinkel zwei
schwerbepackte Radler vorbeifahren. Kenn ich das neckische weiße Hütchen nicht?
Sollten das die „Fünf-Jahres-Planer“ gewesen sein? Ich bin in einem ernsthaften
Konflikt. Den beiden hinterher? Oder mehr über das
Szeremler-Österreich-Mongolische Kamel erfahren? Ich entscheide mich für
das Kamel. Doch die Sprachbarriere ist erheblich. Viel mehr bekomme ich nicht heraus. Stoff zum
Nachdenken für viele Kilometer.
1.
Wie kommt man an ein Kamel aus eine Zoo/Austria?
Kann man sich eins im Internet bestellen? – Muss ich bei nächster Gelegenheit
herausfinden.
2.
Wie kommt ein mongolisch/austriakisches
Trampelkamel nach Szeremle? Und warum?
3.
Will der Herr einen Kamelhof einrichten? In
Szeremle? Würde ein Kamelhof in Biesendorf funktionieren?
4.
Oder ist der Herr ein Träumer und hat
beschlossen, wenn das Tier groß ist, dass er es zurück in seine Heimat, die
Mongolei, bringt. Vielleicht will er von Szeremle nach Ulan Bator reiten!
Wieviel Kilometer sind das wohl?
Ich fange an, mir Geschichten unter dem Titel: „Wie das
Kamel nach Ungarn kam“ auszudenken.
Ganz nebenbei fahre ich durch wirklich beeindruckende Donau-Naturparks:
Manchmal verschwinden die Bäume komplett hinter einem Vorhang von Lianen, Efeu,...
Schon bin ich in Dunafalva (was übrigens: "Donaudorf" heißt. Liebe Donauschwaben, ein bisschen mehr Phantasie hätte ich Euch schon zugetraut!!)
Da habe ich
mir eine schlaue Variante ausgedacht. Da von Dunafalva Richtung Mohacs die Strecke wieder sehr
rot unterbrochen ist, dachte ich mir, ich fahre auf einem Nebensträßchen
Richtung Dávod. Einem winzigen Ort mitten in der Puszta, aber mit mehreren
Pensionen. Was das wohl zu bedeuten hat?
In Dunafalva ist dieses Nebensträßchen natürlich nicht so leicht zu
finden.
Keinerlei Beschilderung. Da frage ich doch am Besten, den Schulmeister,
der gerade ein Ferienprogramm seiner Schule beaufsichtigt. Er spricht zwar kein
Deutsch und kein Englisch. Aber er erklärt mir sehr wortreich, dass ich auf gar
keinen Fall hier weiter fahren soll! Er zeigt nach vorne, er zeigt auf die
Straße und sagt: „OiOiOi!“ Als ich ihm sage, dass ich da gar nicht hin will,
sondern nach Dávod, sagt er mit strahlendem Gesicht „Guut!“ Das bestärkt mich sehr in meiner Entscheidung, ein paar Extrakilometer in Kauf genommen zu haben.
Ob ihr es nun wart, liebe
„5-Jahres-Planer“ oder wer auch immer, hoffentlich seid ihr nicht den Eurovelo
6 Schildern nach gefahren. „Oi,Oi,Oi!“
Die Strecke nach Püspökpuszta und weiter nach Dávod war
weiter sehr angenehm. Und dank meiner Aufgabe, zu klären, „wie das Kamel nach Ungarn kam“
– auch sehr kurzweilig.
Was man von abgeernteten Feldern bis zum Horizont nicht behaupten kann.
In Dávod angekommen verstehe ich auch schnell, warum sich in einem so kleinen Ort so
viele Pensionen befinden. Es ist ein Thermalbad! Wunderbares Freibad. Ein
halbes Dutzend Becken, Rutschen, Wasserfälle, Piratenboote, alles da.
Nur wer
geht freiwillig bei 28 ° Außentemperatur in 34° heißes Wasser? Erstaunlich
viele, mich eingeschlossen. Eigentlich was sind schon 6° Unterschied!
Na ja, so viele waren es auch wieder nicht, die so verrückt waren, sich in die Brühe zu begeben! Die, nebenbei gesagt roch, wie ein rostiger Eierbecher.
Da ich schon um die Mittagszeit angekommen bin, kann ich den
ganzen Nachmittag in der „Brühe“ genießen. Jetzt bin ich muskelmäßig ein
Wackelpudding und werde sicher nicht mehr lange durchhalten. Sehr ärgerlich ist
allerdings, dass es heute zum ersten Mal mit dem Internet nicht klappt. Was
mich beunruhigt, ist, dass andere in der Pension reinkommen. Bei mir kommt
immer, ich hätte nicht das richtige Passwort eingegeben.
Da ihr den Blog inzwischen lesen könnt, wisst Ihr, dass ich es schließlich doch geschafft habe. Ich hoffe nur, ich habe mir gemerkt, wie es funktioniert hat. Irgendwie, über die Systemsteuerung, und dann... gäähn, Gutte Nacht!!
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