Freitag, 15. August 2014

25.Tag: Von Baja nach Dávod


Die Familie Kaiser war sehr nett. Sie spricht zwar nicht mehr gut Deutsch, aber die ganze Einrichtung der Pension scheint aus Deutschland zu sein. Der Fernseher, die Kaffeemaschine alles spricht mit mir auf Deutsch.
Das Frühstück ist üppig. Selbstgebackenes Brot!
 Sauerteig, mit Roggen. 
Auweia, jetzt habe ich schon Probleme mit dem deutschen Brot. Nach 3 Wochen teigumhüllter Luft liegt mir das gute deutsche Brot wie ein Stein im Magen.
Meine „to-do-Lise“ konnte ich in Baja bis auf 2 Punkte abarbeiten. 
Zuerst hat mein Fahrrad mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient. Es bekommt  eine Grobreinigung:  Der Pension gleich gegenüber ist ein Radladen.  Also schauen wir noch nach dem Reifendruck. Ein bisschen mehr kann nicht schaden.
Einen Poncho, als Ersatz für den, den ich  irgendwo unterwegs  liegen gelassen habe, ist auch gefunden.
Fast hätte ich den vorletzten Punkt auf der Liste auch geschafft: Friseur. Ich finde auch einen beim Rausfahren, aber morgens um 1/4 vor Acht sitzen schon 5 Herren drin. Dann halt nüt.
Der Morgen ist kühl. Auf dem Weg aus der Stadt komme ich noch an der jüdischen Schule vorbei. Sie ist offensichtlich kein Museum.



Einen Fehler werde ich heute sicher nicht begehen. 
Nein, auf keinen Fall fahre ich auf einen der gestrichelten roten Strecken. 
Schon gar nicht nach dem gewaltigen Gewitter von gestern Abend. 
Da wäre ich ja der erste, der eine Spur durch den Schlamm legen müsste! Sorry, das wäre zuviel des Gemeinsinns.
So fahre ich gemütlich auf kleinen Nebenstraßen, völlig entspannt, der Verkehr ist minimal. Aber der Ungar liebt es zu rasen, wenn man nicht aufpasst wird man von so einem Geschoss ganz schön ins Wackeln gebracht.
In Szeremle – der Hammer des Tages! 
Man stelle sich Szeremle etwa vor, wie Biesendorf an einem Freitagmorgen um 9:30 (obwohl ich noch nie an einem Freitag um 9:30 in Biesendorf war, - genau genommen war ich wahrscheinlich überhaupt noch nie in Biesendorf). Also ich biege  in das Dorf ein, stutzte, was war das? Ich bremse, da steht doch tatsächlich ein Mann mit einem Kamel am Straßenrand. 

Das Kamel grast. Der Mann schaut zu. Ich halte, versuche mit dem Mann Kontakt aufzunehmen. Nach und nach bekomme ich heraus, dass das Kamel aus der Mongolei ist und erst 2 Jahre alt. Also noch zu jung,  um es zum Reiten zu nutzen. Ich versuche herauszubekommen, ob er es aus der Mongolei geholt hat. Das versteht er falsch. „Nem! Ungar!“  OK, du bist Ungar, aber wie kommt das mongolische Kamel (ob es vielleicht mal ein Trampeltier wird)  nach Szeremle?
„Kamel Austria“ Alles klar, das ist also ein mongol-österreichisches Kamel. „Kamel Zoo Austria“. Auch recht.
In diesem Augenblick sehe ich im Augenwinkel zwei schwerbepackte Radler vorbeifahren. Kenn ich das neckische weiße Hütchen nicht? Sollten das die „Fünf-Jahres-Planer“ gewesen sein? Ich bin in einem ernsthaften Konflikt. Den beiden hinterher? Oder mehr über das Szeremler-Österreich-Mongolische Kamel erfahren? Ich entscheide mich für das Kamel. Doch die Sprachbarriere ist erheblich.  Viel mehr bekomme ich nicht heraus. Stoff zum Nachdenken für viele Kilometer.
1.       Wie kommt man an ein Kamel aus eine Zoo/Austria? Kann man sich eins im Internet bestellen? – Muss ich bei nächster Gelegenheit herausfinden.
2.       Wie kommt ein mongolisch/austriakisches Trampelkamel nach Szeremle? Und warum?
3.       Will der Herr einen Kamelhof einrichten? In Szeremle? Würde ein Kamelhof in Biesendorf funktionieren?
4.       Oder ist der Herr ein Träumer und hat beschlossen, wenn das Tier groß ist, dass er es zurück in seine Heimat, die Mongolei, bringt. Vielleicht will er von Szeremle nach Ulan Bator reiten! Wieviel Kilometer sind das wohl?
Ich fange an, mir Geschichten unter dem Titel: „Wie das Kamel nach Ungarn kam“ auszudenken.
Ganz nebenbei fahre ich durch wirklich beeindruckende Donau-Naturparks:

Manchmal verschwinden die Bäume komplett hinter einem Vorhang von Lianen, Efeu,...

Schon bin ich in Dunafalva (was übrigens: "Donaudorf" heißt. Liebe Donauschwaben, ein bisschen mehr Phantasie hätte ich Euch schon zugetraut!!)
 Da habe ich mir eine schlaue Variante ausgedacht. Da von Dunafalva  Richtung Mohacs die Strecke wieder sehr rot unterbrochen ist, dachte ich mir,  ich fahre auf einem Nebensträßchen Richtung Dávod. Einem winzigen Ort mitten in der Puszta,  aber mit mehreren Pensionen. Was das wohl zu bedeuten hat? 
 In Dunafalva ist dieses Nebensträßchen natürlich nicht so leicht zu finden. 

Keinerlei Beschilderung. Da frage ich doch am Besten, den Schulmeister, der gerade ein Ferienprogramm seiner Schule beaufsichtigt. Er spricht zwar kein Deutsch und kein Englisch. Aber er erklärt mir sehr wortreich, dass ich auf gar keinen Fall hier weiter fahren soll! Er zeigt nach vorne, er zeigt auf die Straße und sagt: „OiOiOi!“ Als ich ihm sage, dass ich da gar nicht hin will, sondern nach Dávod, sagt er mit strahlendem Gesicht „Guut!“  Das bestärkt mich sehr in meiner Entscheidung,  ein paar Extrakilometer in Kauf genommen zu haben. 
Ob ihr es nun wart, liebe „5-Jahres-Planer“ oder wer auch immer, hoffentlich seid ihr nicht den Eurovelo 6 Schildern nach gefahren. „Oi,Oi,Oi!“
Die Strecke nach Püspökpuszta und weiter nach Dávod war weiter sehr angenehm. Und dank meiner Aufgabe, zu klären,  „wie das Kamel nach Ungarn kam“ – auch sehr kurzweilig.
Was man von abgeernteten Feldern bis zum Horizont nicht behaupten kann.

 In Dávod angekommen verstehe ich auch schnell, warum sich in einem so kleinen Ort so viele Pensionen befinden. Es ist ein Thermalbad! Wunderbares Freibad. Ein halbes Dutzend Becken, Rutschen, Wasserfälle, Piratenboote, alles da.

 Nur wer geht freiwillig bei 28 ° Außentemperatur in 34° heißes Wasser? Erstaunlich viele, mich eingeschlossen. Eigentlich was sind schon 6°  Unterschied!

Na ja, so viele waren es auch wieder nicht, die so verrückt waren,  sich in die Brühe zu begeben! Die, nebenbei gesagt roch, wie ein rostiger Eierbecher.


Da ich schon um die Mittagszeit angekommen bin, kann ich den ganzen Nachmittag in der „Brühe“ genießen. Jetzt bin ich muskelmäßig ein Wackelpudding und werde sicher nicht mehr lange durchhalten. Sehr ärgerlich ist allerdings, dass es heute zum ersten Mal mit dem Internet nicht klappt. Was mich beunruhigt, ist, dass andere in der Pension reinkommen. Bei mir kommt immer, ich hätte nicht das richtige Passwort eingegeben.

 Da ihr den Blog inzwischen lesen könnt, wisst Ihr, dass ich es schließlich doch geschafft habe. Ich hoffe nur, ich habe mir gemerkt, wie es funktioniert hat. Irgendwie, über die Systemsteuerung, und dann... gäähn, Gutte Nacht!! 

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