11.Tag Von Linz bis Grein
Sollte gestern der Eindruck entstanden sein, ich hätte etwas gegen Linz, so ist dieser Eindruck irrig. Im Gegenteil: Besonders die Linzer und Linzerinnen sind sehr nett, sehr freundlich und sehr gesprächig, das hat mir wirklich gefallen.
Heute Morgen, der Regen der Nacht hat sich wunderbarerweise verzogen, gehe ich zum Fahrradschuppen des Gasthofes und beginne zu packen. Ich unterhalte mich ein bisschen mit dem Chef des Hauses und der erklärt mir derart detailliert und mit einer super Skizze, die er schnell hinzaubert, wie ich bei der Rausfahrt aus Linz 6km sparen kann.
Und die Skizze stimmte bis ins letzte Detail, das war fantastisch. Außerdem bekam ich auch noch eine Seite von Linz zu sehen, die man von der Donau aus bestimmt kaum gesehen hätte, die Stahlwelt und den Chemierpark von Linz.
Der Radweg führte mitten durch die Industrieanlagen, an Hochöfen vorbei, wo Züge mit mit brennender Schlacke an mir vorbei fuhren. Das war sehr beeindruckend.
Und es stimmte wirklich. Ich habe heute Morgen 6 km gespart.
Als ich eine Stunde später durch Mauthausen fahre, habe ich keine Ausrede mehr!
Also fahre ich den Schlenker hinauf (und es ging wirklich hinauf 14% Steigung) zum Konzentrationslager Mauthausen, wo 125.000 Menschen umgebracht worden sind.
125.000 von 200,000 Internierten.
Es würgt einen noch immer, wenn man durch die Lagerstraße geht.
Es ist kurz vor 10:00 und ich bin ziemlich allein. Das macht es noch bedrückender.
Außerhalb des Lagers Dutzende von Denkmälern, die versuchen, das unfassbare Grauen in Kunst zu fassen.
Letztendlich scheitern alle Versuche angesichts des Unfassbaren.
Egal mit welchen Mitteln, ob verzweifelte Hände, die sich nach oben recken, oder abstrakte Anordnungen,
sie wirken hilflos
Als ich weiterfahre, passt das Wetter zu meiner Stimmung. Es wird immer dunkler, an den Berghängen des Donautales, in der Ferne regnet es. Es wird kühler, aber ich radle im Trocknen.
Bei der Fahrt durch den Ort, frage ich mich, wie man hier mit diesem Namen lebt.
Der Ort hat eigentlich auch einige charmante Ecken.
Z.B. das Chalet Wedel, eine herrlich skurrile Mischung aus Jugendstil, Historismus und Lüftlmalerei.
Wie ihr ja inzwischen wisst, mag ich Kitsch ganz gern.
Dann fahre ich weiter, und komme durch
"Abwinden" Gemeinde "Luftenberg" - ich habe mich ernsthaft 10 min geprüft, ob ich mir wirklich einen solchen spätpubertären oder frühsenilen Altherrenwitz verkneifen soll.
Doch mit dem übernächsten Ort bekam ich die Antwort auf mein Dilemma
In Mettensdorf sind in den 80er Jahren eine Reihe von Keltengräbern entdeckt worden, die sehr reiche Grabbeigaben enthielten. Die sind jetzt natürlich nicht mehr in Mettendorf - im zweifelsfall in Wien.
Der Fundort wurde zu einem kleinen Kelten-Erlebnispark umgemodelt, nett gemacht, aber irgendwie scheint da das gallische Dorf von Asterix und Obelix die Vorlage gewesen zu sein.
Was soll's wenn es den Kindern Spaß macht!! Der Film im Info-Zentrum über die Grabungsgeschichte und die Funde war sehr sehenswert - die 6 Euro Eintritt habe ich mir gespart. Man konnte auch über den Zaun
schauen.
Die letzten Tage hat mit zunehmend genervt, dass mein armes Rad klang als hätte sich ein Vogelschwarm auf dem Tretlager niedergelassen, es pfiff und quietschte, dass es keine Freude war.
Als ich in Grein ankomme, sehe ich, dass gleich neben dem Gasthof eine Radwerkstätte ist. Was'n Glück,- aber es ist Freitag um 3, ob man mir da noch weiterhilft?
Ich fahre rein. der Mechaniker hört sich unser Problem an - holt die Ölkanne, ölt Kette und Schaltung. Lässt
mich ne Runde fahren. . Die Vögel haben sich verzogen!
Und das ganze für ein Vergeltsgott!!
Den Radladen Grell in Grein kann man nur empfehlen - Danke!
Überhaupt, habe ich mal wieder ein Händchen bei der Wahl des Übernachtungsortes bewiesen. Ich bin ja ehrlich gesagt zu faul nachzulesen, was mich da erwartet. Hauptsache, die Entfernungen stimmen. Dass Grein aber das älteste noch vollständig erhaltene Stadttheater hat, das hätte ich nicht erwartet.
Es ist wirklich einen Besuch wert
Ein winziges Theater, aber es ist wirklich noch alles da. Von einer gruseligen Requisite, bis zum Klo, das nur durch einen Vorhang vom Zuschauerraum getrennt ist.
Was man so alles durch Zufall entdeckt.
Und noch eine schöne Attraktion hat Grein. Im Radwanderführer steht, dass Grein eines der schönsten und ursprünglichsten Cafehäuser hat und auch das stimmt
Außerdem ist der Kaffee, aus eigener Röstung hervorragend. Die österreichische Kaffeekultur hat was, nur muss ich wieder viele neue Wörter lernen. Mein Kaffee heißt Mokka oder ein doppelter Mokka oder ein "großer Schwarzer" (was anscheinend bis jetzt noch keine politischen Korrektheitszensoren auf den Plan gebracht hat)
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