14. Tag: Von Tulln nach Wien
Vielen Dank, Christoph!
Von Tulln nach Wien, eine Halbetappe, das sollte Zeit für eine erste Stadterkundung am Nachmittag geben. Das Gewitter gestern hat nicht wirklich Abkühlung gebracht. Die Sonne scheint aber es ist drückend, das nächste Gewitter baut sich auf. Aber es strampelt sich wie in den letzten Tagen gut, im Schatten des Südufers.
Ich komme gut voran. Seit ich in Österreich bin, freue ich mich immer wieder, wie manche Vorurteile doch nicht ganz ohne Kern sind. Den grantligen Österreicher habe ich ja schon einige Male erlebt. Und auch den obrigkeitlich Fixierten trifft man aller Orten. Es reicht nicht aus, dass du nicht auf den Steg vom Motorzillen Klub Neuburg sollst, aber nein
es ist Behördlich verboten!! Da legen wir doch die Hand an die Hosennaht!!!
Vor Wien steht heute nur noch das Stift Kloster Neuburg auf dem Programm. Es gehört zu den "Pflicht"-Programmteilen. Also biege ich gehorsamst ab.
Es lohnte sich. Stift Kloster Neuburg feiert sein 900 jähriges Bestehen. Und hat auch während der Belagerung von Wien eine nicht unwichtige Rolle gespielt. Etwas befremdlich allerdings wie heute dieses Ereignisses gedacht wird:
"An die heldenmütige Verteidigung unserer Stadt in Türkennot !
Anlässlich des 900 jährigen Bestehens hat sich das Festkomitee etwas besonderes einfallen lassen. Sie hat Künstler gebeten, sich mit dem Ort auseinanderzusetzen. Das kam dabei raus:
Ein Riesenrad im Klosterhof.
Und jetzt Ihr: Wo ist die Kunst versteckt? Ein Tipp es sind gleich 2 Interpretationen des Ortes zu sehen.
Genau: der lila Kiesweg, dessen Steinchen so langsam im ganzen Gelände verteilen. Und was noch? Was keine Idee? Das geht aber nicht. Ist doch klar, die silbernen Bänder, die von Gebäude zu Gebäude gespannt sind.
Ja, völlig eurer Meinung, blutleerer geht es nicht.
Das absolut hammerharte Kontrastprogramm zur offiziell gesponsorten Kunst habe ich dann nur wenige Kilometer bewundern dürfen.
Aber Geduld. Zuerst muss ich in Wien einlaufen.
Nein, das ist kein Irrtum, wir befinden uns in Wien. Ist das nicht fantastisch, dieser Dschungel liegt unmittelbar am Rande von Wien in der Au.
Nach 14 Tagen und 938 km bin ich in Wien.
Ich halte mich an den Donaukanal, der direkt in das Stadtzentrum führt. Und bin sofort von dieser Stadt eingenommen. Entlang des Kanals genieße ich die größte Open-Air Galerie, die ich je gesehen habe. Es ist einfach fantastisch was hier 100te von Künstlern unter die Stadtautobahn (?) und an die Kanalufer gesprayt haben. Der Kontrast zur staatlichen Auftragskunst könnte nicht größer sein.
Ich komme kaum voran, und kann mich gar nicht entscheiden, was ich Euch zeige:
Schluss jetzt! Ich weiß nicht wie viele Fotos ich gemacht habe. Die paar Kilometer zum Hotel haben ganz schön lange gedauert.
Im Hotel angekommen, das nächste Kontrastprogramm. Das Hotel "Urania", das im 3.Bezirk in Gehdistanz zum Zentrum gelegen ist, erweist sich als ein Traum in "Belle Epoche" - rote Teppiche, Stofftapeten in Grün und Rot, Chaiselongue und Sessel mit goldenem Samt bezogen. Ich ertappe mich dabei, den Radetzky Marsch zu pfeifen (der Radetzky Platz ist übrigens gleich um die Ecke!)
Nach kurzer Pause geht's in die Stadt. Erst einmal zum Stephansdom. Ich wähle das ganze Programm, Domschatz, Katakomben und die Türme. Nach 2 Stunden bin ich reif für den Wäschetrockner, es ist immer noch schwül und bei diesem Kulturmarathon geht es an die Kondition.
Aber schön ist es trotzdem
Ich schaffe noch 3 andere Kirchen. Dann gebe ich auf. Zum Glück komme ich am berühmten "Cafe Hawelka" vorbei. Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Natürlich hole ich mir eine Zeitung (die sind noch immer mit dem Holzrücken versehen, damit man sie besser halten kann) und bestelle einen "großen Schwarzen". Alle sind sie hier gesessen, der Artmann, der Hundertwasser, der Fuchs, der Hausner, der Rühm.... und natürlich die anderen auch. Und wer sitzt neben mir. Natürlich auch ein wichtiger Mensch.
Es liegt ganz bestimmt an mir, dass ich ihn nicht kenne. Künstler ohne Zweifel, erkennt man an dem Strohhut und dem weißen Hemd, zum langen weißen Bart. Mit sonorem Bariton brüllt er in sein Handy (als hätte er das Prinzip vom "Fernsprechen" noch nicht verstanden): "Das muss man mal überschlagen, also damals habe ich das Blatt für 23.000 Schilling angeboten, dass sind heute 5.300 Euro... Ob es Stockflecken hat, - höchsten ein Paar. Na, die Größe habe ich jetzt nicht im Kopf, ich schau nach und ruf' dich nochmal an, und du sagst ihm 5.300 ja, ich schau nach, wie groß es ist..." Das Gespräch geht noch 5 min länger, aber er wiederholt eigentlich immer nur das gleiche... Ja, die verschiedenen Seiten der Kunst. Heute durfte ich einige davon erleben!!!
Was ich mir merken muss:
2. Kunst ist gefährlich. Insbesondere an Radwegen. Als ich heute die ersten Graffiti am Donaukanal sah, habe ich wohl ein wenig abrupt gebremst, was beinahe zu einem üblen Auffahrunfall geführt hätte. Ein Hochleistungsrennradler konnte nur mit Vollbremsung und powerslide eine Karambolage verhindern. Sorry!!
Ich sollte vielleicht einen Aufkleber an meinen Satteltaschen anbringen: "Ich bremse auch für Kunst!"
Eine notwendige Nachbemerkung:
Meine Ausführungen über das Aussterben des Gartenzwerges bzw. seine Emigration in ein befreundetes Nachbarland, hat einen (Mini)-Shitstorm ausgelöst. 2 meiner Leserinnen meinten, dass meine Ausführungen nicht unkommentiert stehenbleiben dürfen.
Susanne meinte, die Gartenzwerge seien nicht wirklich verschwunden, sie seien nur hinter die Häuser gezogen. - Mag sein, aber warum ist das so? Schämt sich der Zwerg und wenn ja, wofür?
Eine gewisse Friederike antwortet mir auch höchst empört und schickt mir zum Beweis, dass die Liebe zum Gartenzwerg in Deutschland noch immer weit verbreitet ist, folgendes Bild von sich und ihrem Lieblingsgartenzwerg:
Liebe Friederike, es freut mich, dass es doch noch einvernehmliche Verhältnisse zwischen Mensch und Gartenzwerg gibt!! Es berechtigt zu den schönsten Hoffnungen, dass der Gartenzwerg in Deutschland nicht zum Aussterben verurteilt ist!!
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