33.Tag: Von Belgrad nach Kovin
Die Nacht war ziemlich laut. Die idyllischen Boote unten am Ufer, sind nicht alle nur gepflegte Restaurants, sondern auch Discos und Musikbars. Ich war in der Schnittmenge von dreien. Die eine uzz uzz uzzte, dann eine Latinobar und eine in der eine serbische (?) Sängerin ziemlich heftig vor sich hin schnulzte. Eine nicht uninteressante Mischung. Mir blieb viel Zeit über die nächsten Streckenabschnitte nachzudenken. Ich bin wirklich gespannt, wie es von hier ab weiter geht. Immerhin, keine großen Städte mehr. Dafür aber z.T. sehr lange Abschnitte ohne Übernachtungsmöglichkeiten. Zumindest nach Führer und Internet.
Heute nicht mein Problem: Die "Ausfahrt" aus Belgrad erweist sich als relativ harmlos.Die ersten Kilometer bis zur Brücke, komme ich an vielen jungen Leuten vorbei, die ins Wochenende hinein gefeiert haben und die jetzt langsam nach Hause gehen oder noch ein letztes Bier trinken. Auch in Belgrad gehört es zur Party-"Kultur" die leeren Flaschen auf den Weg zu knallen.
Die ersten 10 km durch die Stadt, sind gut ausgeschildert, führt durch die Innenstadt und sind mir von meinem Sightseeing Programm schon ganz geläufig.
Hinter der Innenstadt türmt sich eine riesige Rauchwolke auf. Irgendetwas brennt da gewaltig. Ich befürchte, die Säule liegt genau auf meinem Weg. Je näher ich komme, desto mehr rieche ich den Rauch. Zum Glück führt mich der Weg zur Brücke, rechtzeitig hinunter zum Fluss. Gerade habe ich in den Nachrichten gesehen, dass es tatsächlich einen Großbrand in Belgrad gegeben hat. Eine ganze Reihe von kleinen Geschäften sind wohl ausgebrannt.
Der Knackpunkt des heutigen Tages ist die "Brücke". 4spurig, autobahnähnlich, und mit Zubringer fast 3 km lang. Der Weg auf die Brücke ist unschön.Ich muss mit den Autos auf die Auffahrt. Dann gibt es wenigstens einen Fußweg, recht schmal, aber es geht. Leider kann ich den Ausblick nicht genießen. Ich muss mich auf den Weg konzentrieren. Viel Glas und in regelmäßigen Abständen stehen Reste der Armiereisen aus dem Weg, Hinter der Brücke führen mich die Wegweiser auf ein kleines Sträßchen entlang der Donau. Das ist schön. Aber immer wenn man sich freut, endet die Freude ziemlich schnell. Hier endet das Sträßchen bei einem Haus, im Garten und im Schilf.
Durch das Schilf hat jemand 2 Bretter gelegt und über die Wiese ist ein Trampelpfad. Da ich nur äußerst ungern umdrehe, folge ich dem Pfad. Er führt hinauf auf den Damm und dort ist einer der üblichen Erd-Wiesen-Wege. Doch einer der harmlosen. Die Breite der Fahrspur ist fast immer gute 2 Hand breit und aus festgebackenem glattem Schlamm, gut zu fahren. Eigentlich ganz entspanntes Fahren durch ein ausgedehntes Sumpf-Wasser-Schilf Gebiet. Es gibt viele Vögel, Frösche und recht große Eidechsen.
4 Kilometer vor Pancevo komme ich wieder auf eine geteerte Straße. Kaum Verkehr - klar, denke ich, Samstag!
Nach weiteren 4 Kilometern wird klar, das ist nicht allein "Samstagsverkehr". Auf der Straße liegt ein großer Erdhaufen.
Ich bin erstaunt. Das kann kein Erdrutsch sein! Die Straße ist praktisch ein Damm durch den Sumpf. Überschwemmungsfolgen - auch nicht wirklich wahrscheinlich. Die wenigen Autos, die bis hierher gekommen sind müssen umdrehen. Ein flotter "Geroldsteiner"-Rennradler, fährt ganz links am Haufen vorbei und winkt mir, ihm zu folgen. Na denn! Es kommen noch 3 weitere der Erdhaufen. Ich bin perplex.
Dann kommt des Rätsels Lösung. Die große Brücke über die/den(?) Tamis bekommt eine Generalüberholung.
Offensichtlich lassen sich die Autofahrer nicht anders davon abhalten über die Baustelle zu fahren, als die Straße mit riesigen Erdhaufen zu blockieren - das besagt eines.
Fußgänger lassen sie über die Baustelle - nicht ganz ungefährlich, tun sich doch immer wieder Löcher in der Fahrbahn auf, durch die man auf den Fluss hinunterschauen kann.
Pancevo ist fahrradfreundlich. Radwege durch die ganze Stadt. Nur kurz verschwindet er. Ich frage mich durch und bekomme ein interessantes Wort für meine Sammlung geschenkt. Ein netter "Wegweiser" erklärt mir den Weg zur Straße nach Olmoljica und zeigt 2 mit den Fingern und dann sagt er "Semafor" - jetzt bin ich wirklich überrascht. Das Wort kenne ich - aus dem Spanischen und Italienischen. Semaforo. Ist mit der Ampel das Wort eingewandert? Wäre möglich.
Haben die Italiener die Ampel erfunden?. Ich dachte eigentlich, die erste, gasbetriebene, hätte man in London aufgestellt,- die mehr als einmal in die Luft flog
Mir kommt noch eine Idee! Ich bin ja in der Vojivodina, dem Vielvölkergebiet schlechthin. Vielleicht habe ich ja einen rumänischen Vojvoden getroffen, dann erklärt sich der Bezug zum Italienischen!
Pancevo hat mir noch ein Wort geschenkt. Hier kam ich an einer butik vorbei, auch schön.
Ein toller Radweg führt aus der Stadt heraus. Kompliment - Pancevo!!
Die Stadt hat mit Sicherheit Geld. Ich komme an einem gewaltigen Raffineriekomplex vorbei.
Dann wieder Felder, Landwirtschaft. Bei meiner Mittagspause, leistet mir ein netter junger Mann aus Österreich Gesellschaft. Christian, ist in Wien auf dem Donauweg eingestiegen und radelt sehr entspannt dem Schwarzen Meer entgegen. Wir "fachsimpeln" und tauschen Erfahrungen aus. Wow, ich gehöre "dazu"!! Wenn sich Fernreisende treffen, dann duzt man sich. Christian wird Morgen mit der Fähre auf die rechte Donauseite übersetzen. Um durch das "Eiserne Tor" im Nationalpark Djerdap zu fahren. Ich habe mich, nach einigen intensiven Kartenstudien, für den anderen Weg entschieden. Ich werde übermorgen nach Rumänien rüber fahren und auf der linken Seite versuchen durch den Naturpark "Portile de Fier"- durch eben dieses "Eisernes Tor" zu kommen.
Aber ich greife vor. Mein Blog-Prinzip Nr.1! Schreibe nicht über "ungelegte Eier" -( Prinzip 2: Schiefe Sprachbilder sind nur in Ausnahmefällen zugelassen)- Vergesst das Ganze!
Wir fahren ein paar Kilometer zusammen, dann biegt Christian auf den unbefestigten Dammweg ab. Ich bleibe auf dem Sträßchen. - Viel Glück, Christian, war nett mit dir zu plaudern!
Kovin ist das landwirtschaftliches Zentrum der Region. Riesige Silos, Düngemittelhandel, Traktoren-Werkstätten. Ein Straßenort. Hat ein bisschen Wildwest-Atmosphäre. Sightseeing wird heute nicht erforderlich sein. Ich könnte mir vorstellen, dass ich heute Abend mit meinem "Pilot auf der Donau" von Jules Vernes weiterkomme. Davon ein andermal.
Ich checke in der "Villa Milano" schon um 15:00 ein. Auf meinem Tacho stehen genau!! 2000 km!!
Auf der Karte hat die Donau noch 1110 km vor sich.
Heute nur Fotos von Straßenschäden? Das geht gar nicht:
Das hat mich heute gewundert, dass eine Tagesreise vor Belgrad der Tabak schon geerntet wurde und hier blüht er erst.
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