Montag, 25. August 2014

35.Tag von Bela Crkva nach Berzasca

WOW!! Was ein Tag!!
Dass es so ein tolles Erlebnis werden würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt.
Ich bin um 1/4 vor Acht auf dem Rad. Ich bin früh aufgewacht. Es ist kühl, sehr kühl, aber sonnig. Bis zur rumänischen Grenze sind es starke 10 km, aber ein kräftige Rampe hoch. 12 % auf gut 3 km. Da bin ich ganz froh, dass es nicht mehr so heiß ist. Oben angekommen, sehe ich das Panorama der Berge vor mir. Welchen der Berge hätte ich denn gern?

Sind es die, die ich hinter diesen Wolken vermute?
Oder die:

Ich bin sehr gespannt:
Doch zuerst geht es rasant nach unten, zur Grenze.

Tschüss, vorerst mal, liebe Serben. Ciao-Romania!!

 Und das ist der Höhenzug. Da muss ich drüber. Die Variante um den Berg rum wäre etwa 30 km länger. Also auffimussi!
Die Straße ist super! Dafür, dass es bergauf geht, haben sie wunderbare Schleifen gelegt, es wird nie steiler als schätzungsweise 10% und dazwischen immer wieder mal Flachstrecken zum Ausruhen. So kommt man hoch! Nach etwa 9 km habe ich die Passhöhe erreicht. 


Der Naturpark zum "Eisernen Tor" beginnt Zu dem Zeitpunkt kann ich noch nicht glauben, dass ich wirklich schon oben gewesen bin. Jetzt geht es wirklich heftig bergab. Und zwar gut 11 km am Stück und zwar richtig.
Langsam wird mir kalt. Und die Handgelenke werden taub, vom vielen Bremsen. Aber was für eine Wonne!
Liebe Hersteller von bikeline:

Was habt ihr euch mit dem <><><><> gedacht? So ein Blödsinn! Auf eurer Karte vermutet man,  es gehe dauernd auf und ab! Mit solchen Leistungen werdet ihr die 3.Klasse der Kartographengrundschule nicht schaffen!
Aber diese Abfahrt war nur genial. Und da ist sie wieder, "meine Donau"- schöner und größer denn je!!

Und ob ihr mir`s glaubt oder nicht. Genau hier habe ich 2 Adler gesehen! Zuerst saßen sie auf einem Baum. Bis ich angehalten hatte und die Kamera rausgeholt hatte, waren sie natürlich wieder in der Luft und dann hatte ich keine Chance mehr sie zu "erwischen"!
Rumänien hat mich freundlich empfangen. OK, das mit den Hunden stimmt wirklich,  2 Rudeln konnte ich mit meinem gefürchteten Tarzanschrei beeindrucken. Einen animierte das, mich gut einen halben Kilometer zu verfolgen. Aber sonst ist mir Rumänien sehr sympathisch. 
Die Leute grüßen wieder, die Dörfer sind sicher nicht wohlhabender als in Serbien, sehen aber einladender aus. Farbe ist das Schlüsselwort.

 Gleich im 2.Dorf hat mich, diese Kirche sehr berührt. Sie wirkte auf mich in all ihrer Bescheidenheit sehr authentisch. Anders als viele Blattgoldprotzerein, die die Donau schon zu bieten hatte.
Dann war es Zeit für eine Kaffeepause in Moldova Veche. 
Auch wenn ich "türkisch Kaffee" inzwischen "kann", als die nette junge Dame einen doppelten Espresso in der Lavazza Tasse brachte, wäre ich ihr am liebsten um den Hals gefallen.
Die ersten Orte nach den Bergen haben einen sehr südlichen Eindruck auf mich gemacht. Sehr relaxed, sehr freundlich.
Allerdings schon auch Balkan:

  
Das Eiserne Tor kommt näher.


Die Festung Golubac sieht von "meiner Seite" der Donau richtig klasse aus. - Erstes Zwischenergebnis. Ich weiß, nicht wie es Christian oder Gundolf auf ihrer Seite heute ergangen ist. Ich bin mit meiner Entscheidung bislang richtig zufrieden.
Die Ausblicke auf die näher rückenden Berge sind, wie heißt das in Baedecker-Deutsch, "atemberaubend".
In Belgrad habe ich mich mit dem netten Rezeptionisten über meine weiteren Pläne unterhalten. Er meinte, sehr fachmännisch, am Eisernen Tor gäbe es 2 Varianten, entweder heftigen Gegenwind oder gut Rückenwind. Er war der Meinung dass der gefürchtete Wind "von unten" durch das Eiserne Tor erst im Oktober beginnt. Er hatte recht. Heute war genialer Rückenwind.  
Entgegen all meiner Befürchtungen habe ich die knapp 80 Kilometer schon um 15:00 geschafft und mache mich auf die Suche nach der Clisura Dunari - Danubian Border in Bezarsca. Der erste Eindruck des Ortes, na ja!! Dann stellt es sich heraus, dass die Pension, nicht wie der Name das vermuten lässt,  irgendwo in Donau Nähe ist, sondern mitten im Dorfkern. Ein junger Mann macht mir die Moped Eskorte und verlässt mich an einem hölzernen Tor zu einem Bauernhof. Doch: Das Tor hat ein elektronisches Nummernschloss. Ich werde erwartet. Die freundliche Dame, nachdem sie mich begrüßt hat, ignoriert mich dann und wendet sich ihrem Handy zu. Ich finde das etwas unhöflich. Doch dann die Aufklärung. Sie gibt mir das Handy und ein junger Mann begrüßt mich in perfektem Deutsch. Er ist der Sohn. Er erklärt mir, wie Alles funktioniert, wie die Türen funktionieren, wo ich etwas zu essen bekomme, usw. Ich frage ihn, wie es kommt, dass er so akzentfrei Deutsch spricht. Er antwortet, dass er in Deutschland arbeitet. Ach so, und jetzt sind Sie gerade auf  "Heimaturlaub"? Nein, eigentlich nicht. Ich bin in Deutschland und manage die Pension für meine Mutter, die kein Englisch spricht. Klasse!! 
Klappt auch wirklich alles super, dank der Ferneinweisung vom Sohnemann.  Ich kann sogar ein par Lei bei ihr wechseln, und der Restaurant-Tipp (wahrscheinlich ist es die einzige Möglichkeit im Ort etwas zu essen zu bekommen) ist erste Sahne. Eine andere Pension über der Donau gelegen, mit Pool und einer sehr ansprechenden Speisekarte. Ich bin begeistert, - erst recht als mir ein sehr guter Pflaumenschnaps "on the house" angeboten wird.
Was will man mehr um einen perfekten Tag abzuschließen.

Einige notwendige Nachträge und Ergänzungen:

Der geneigte Leser dieses Blogs erinnert sich vielleicht, dass ich meinen Söhnen die Frage gestellt habe, ob sie mir die Namen der Fische, die auf dem Markt in Backa Palanka verkauft wurden, herausfinden könnten.
Hier die Antwort, danke Vale, Respekt, Respekt:
"Die Fische sind übrigens (von links nach rechts und oben nach unten):
Quappe (2), Karpfen (3), Aal (5), Wels (Catfish?) (6), Waller (8), Barbe(11), Zander (12), Stör (16), Hecht (18), Äsche (25) , Rapfen (22), Forelle (26)" 
Nun bin ich ja inzwischen in Rumänien, aber ich werde auch noch einmal rüber nach Serbien kommen, dann 
könnte das hilfreich sein.
Hier in Rumänien ist  die Speisekarte auf einmal keine "Wundertüte" mehr. Vom Spanischen und Italienischen her lässt sich sehr viel erschließen:
Supa, ist klar, fruete de mare auch,  friptura (fritura), peste (pez, pesce) , salata sowieso, tarta auch... und so geht es ganz problemlos weiter, und wenn Spanisch und Italienisch nicht weiter hilft, dann eben Englisch oder Deutsch: mustar (=mustard) und snitel (jetzt seid ihr dran!!)
Und zum Abschluss des heutigen Berichtes noch eine Eilmeldung: 
Carsten, ein treuer Leser dieses Blogs, berichtete mir von einem grausamen Ereignis in einer kleinen Hegaugemeinde, 


bei dem ein Gartenzwerg im jugendlichen Alter von 162 Jahren auf`s brutalste gemeuchelt wurde. Unvorsichtigerweise erwähnte ich diese Untat meinem Freund Victor aus Kovin. Höchst aufgebracht beschloss er sofort seine mobile Zwergeneingreiftruppe in Alarmbereitschaft zu versetzen. 
Es wäre in eurem eigenen Interesse, liebe Hegauer, wenn ihr diese frevelhafte Tat schnell aufklären würdet. Was passiert, wenn Victors "Riesenzwerge" als "Friedenstruppen" über dem Hegau abspringen,  um den gnomophoben Umtrieben  Einhalt zu gebieten, wage ich mir nicht auszumalen:

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