30.Tag: Von Нови Сад nach Нови Бановци
Vielen Dank, Christoph!
Es fing mit Mr Hyde an. Die Fahrt aus Novi Sad heraus war nicht besonders angenehm. Viel Verkehr, und keine Alternativen. Die Hauptausfahrtsstraße Richtung Belgrad wird bei zunehmend schmaler. Ich muss heute etwas lernen, was mir bisher schwer gefallen ist. Sobald Gegenverkehr zu sehen ist, darf ich nicht mehr wie sonst ganz an den äußersten Rand gehen. Das veranlasst die Autos hinter mir, mich zu überholen -. und dann wird es eng. Wenn ich mich etwas mehr zur Mitte orientiere, bleiben sie eher hinter mir, sind aber "not very amused", was auch nicht immer gut für mich ist. Aber sie können nicht überholen und mich abdrängen.
Nach einigen Kilometern habe ich die Nase ziemlich voll von dieser Art der Radelei. Und jetzt geht es auch noch in die Hügel. Der erste Anstieg 8% drei Kilometer lang.
Das gefällt mir gar nicht.
Auf der Karte gibt es nach Sremski Karlovci eine Alternative, neben der Bahnlinie, unten am Fluss, und durch einen kleinen Nationalpark. Nicht gut, die Alternativroute ist eine durchbrochene Linie! Aber im Moment schreckt mich das weniger, als die Vorstellung mit den Lastwagen nach oben zu kriechen!
Also ab nach links. Sicherheitshalber frage ich noch einen Autofahrer, der mit mir abbiegt.Ich zeige ihm die Karte.Er klingt ein bisschen grummelig, aber schließlich nickt er.
Die ersten 2 Kilometer sind super! Tolles Sträßchen,- kein Wunder es kommt eine große Ziegelei und dann noch ein Ölhafen an der Donau. Dann hinter der Ziegelei biegt die Straße nach links ab, zum Ölhafen. Der grummelige Autofahrer hat hier auf mich gewartet! Und zeigt auf einen "Weg" rechts neben der Bahnlinie. Er sagt etwas, und dann zieht er die Schultern hoch, die Handflächen nach oben! Das versteht jeder. "Du kannst es ja versuchen, aber ob du durch kommst...! Ich habe dich gewarnt!"
Nach den Erfahrungen der ersten Kilometer auf der Hauptstraße kann mich nichts schrecken. Das rächt sich gewaltig!
Der Weg ist super schlecht. Aber immerhin hat es mehrere Tage nicht geregnet, so dass ich an den Schlammlöchern noch gut vorbei komme. Dann ist versucht worden den Weg zu retten, indem grober Schotter, vermutlich beim Bahnbau übrig geblieben, in den Weg geschüttet worden ist. Das macht die Fahrerei nicht angenehmer. Im Gegenteil, bei steileren bergauf Strecken, dreht das Hinterrad durch. Ich muss absteigen. Ein paar hundert Meter nach unten, Anstieg, absteigen, so geht es 1-2 Kilometer. Ich bin dabei, mich an diese Art der Vorwärtsbewegung zu gewöhnen, da kommt die nächste Katastrophe! Die nächsten 2 Kilometer sind bewohnt. D.h. rechts vom Weg sind Hütten und die Bewohner haben Hunde. Die Grundstücke sind nicht wirklich eingezäunt. Jetzt habe ich alle paar Meter einen Hund am Bein. Ziemlich schwierig, in einer schlammigen Fahrspur zu balancieren und zu versuchen den Hund mit Tritten auf Abstand zu halten. An einem Häuschen sind es gleich 3 Hunde. Das jagt den Adrenalinspiegel hoch.
Irgendwann kommt ein großes Schild. Der Nationalpark beginnt. Keine Hütten mehr. Gerettet!!
Denkste!
Die nächste Katastrophe. Im Nacionalni park Fruska gora spricht es sich schnell herum. "Heute ist ein Festtag! Das Mahl ist gerichtet!" Ich werden von Moskitos überfallen. Im Wald ist es heiß und feucht wie im Dschungel und die Viecher stechen sogar durch das Trikot.
Und jetzt geht es richtig hoch. Klar, die Karte zeigt es an, ich muss auch auf die Anhöhe hoch, die die Hauptstraße auch überquert! Nur, hier ist es ein geschotterter Hohlweg. Also Schieben!! Ab und zu konnte man auch wieder ein Stück fahren,
Dann wird es wieder so steil, dass das Hinterrad durchdreht.
Schön ist es hier! Weiter oben, sehe ich sogar manchmal die Donau zwischen den Gipfeln.
Bis zu diesem Zeitpunkt kann ich mich wenigstens der Illusion hingeben, dass ich dank meines heldenmütigen Opfermuts, den Gefahren der Hauptstraße entronnen bin. Da höre ich auf einmal ein ziemliches Gerumpel im Hohlwege, und ein Jeep kommt um die Ecke gerauscht. Ein telefonierender Parkranger lenkt sein Geschoss souverän mit einer Hand um die Kurve. Mir bleibt nur ein entschlossener Sidestep - in die Brennnesseln. Freundlich grüßend, ist er schon um die nächste Kurve entschwunden. Immerhin spüre ich an den Beinen die Schnakenstiche nicht mehr.
Dann bin ich endlich aus dem Wald raus und oben in Cortanovci angelangt. Mit einem freundlichen Metzger - es ist herrlich kühl in seinem Laden, plane ich die weitere Strecke.
Auch auf der Hauptstrecke geht es noch einmal gepfeffert hoch. Aber dann bin ich oben!!!
Und sehe über eine endlose Weite! Ganz weit hinten, im Dunst sieht man Industrieanlagen!
Einen kurzen Augenblick genießen wir, das Rad und ich, unser geballte "Lageenergie", die wir uns so mühsam erkämpft haben. Dann geht es abwärts, - kilometerlang.
Der Dr. Jekill Teil des Tages beginnt.
Es ist inzwischen bewölkt. Trotzdem hat es über 30°. Ein angenehmer Wind macht die Fahrt erträglich.
Viel Abwechslung gibt es jetzt nicht mehr, aber die hatte ich ja schon zur Genüge. Die Straße ist mäßig befahren, es läuft! Ich komme gut voran. Kaffeepause, Mittagspause....
Dann gibt es doch etwas Neues. Statt der Sonnenblumen und des Mais, kommen jetzt Tabakfelder.
Das ist doch mal etwas Anderes!
Im letzten Abschnitt wird es dann doch noch mal etwas ungemütlicher. Eine Hälfte der Straße geht verloren. Ausgerechnet meine.
Trotz Alledem. Ich komme nach 67 km gut im Hotel in Novi Banovci an. Von hier aus sind es dann Morgen noch etwa 30 km nach Belgrad rein. Dann ist mal wieder ein Ruhe/Sightseeing Tag fällig. Meiner Sammlung der schönsten Lehnwörter konnte ich heute 2 neue Wörter hinzufügen. An einem Fußballplatz stand auf einem Plakat: FERPLEI (kommt Ihr drauf?)
Das andere Wort ist leicht:
Die To-do-Liste für den Ruhetag:
1. "Fahrradstreicheln"
2. Waschtag
3. Umschlag auf die Post, mit dem vorletzten Buch und 2 Karten!
4. Neue Wasserflasche. Dringend!
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