Sonntag, 31. August 2014

41.Tag: Von Bechet nach Izlas

Sonntag in der Walachei.
Das Muster von gestern bleibt mir bis Mittag erhalten. Lange Straßendörfer, lange Passagen durch Felder.
Sonntag in der Walachei.
Für eine schöne schwarze Ente wird es ihr letzter Tag sein. Eine Frau trägt sie am linken Flügel nach Hause. Die Ente fügt sich in ihr Schicksal. Die Frau hat ein Metzgerbeil in der rechten Hand.
Sonntag in der Walachei.
Die Messe aus der Kirche wird per Lautsprecher nach Außen übertragen. Die liturgischen Gesänge hört man im ganzen Dorf.
Sonntag in der Walachei.
Der Mais, der gestern mit dem Pferdefuhrwerk heim gebracht worden ist, liegt heute vor vielen Häusern. Jetzt sind die Großmütter und kleinen Mädchen dran, den Mais von den restlichen Blättern und "Haaren" zu säubern. Kolben für Kolben. In diesen Dörfern wird sehr pfleglich mit dem Mais umgegangen. Selbst auf den Fuhrwerken wurde er nicht einfach drauf geworfen, sonder geschichtet.

An dem Haufen hat die Oma noch nicht angefangen. 
Sonntag in der Walachei.
Heute scheinen es die Männer eilig zu haben. Sie lassen ihre Pferdchen flott traben, und schießen mit ihren Fuhrwerken die Dorfstraße hinunter. Vermutlich treibt sie der Durst zum Sonntagsfrühschoppen.
Die Rückfahrt wird vermutlich langsamer sein.
Sonntag in der Walachei.
Einkaufstag. Gestern bin ich ganz zum Schluss durch ein Dorf gekommen, in dem jede Menge Kühlschränke rumstanden. Ich dachte schon hier würden diese Uraltgeräte (manche mit deutschen Aufklebern), ganz nach EU-Vorschrift natürlich, auseinander genommen und verschrottet. Heute Morgen jedoch haben mich 3 Autos überholt, die Kühlschränke oder Tiefkühltruhen auf dem Dach hatten. Die Kühlschrankspezialisten aus Sapata sind anscheinend ganz gut im Reparieren.
Je näher ich Corabia komme, desto langweiliger werden die Dörfer. Dafür nehmen die "Baustoffhandlungen"  zu.
Corabia ist eine Hafenstadt und ein ehemaliger Industriestandort. Ich fahre einige Kilometer durch die Industrieruinen in die Stadt.


 In Corabia will ich eigentlich einen Kaffee trinken. Aber ich muss das Stadtzentrum verfehlt haben. Ich komme an keinem Cafe vorbei!
Vor der Stadt treffe ich meine Donau wieder.

Das Kreuz steht zum Gedenken, an den rumänischen Unabhängigkeitskrieg gegen das Osmanische Reich, der 1878 zur Entstehung Rumäniens führte.
In der Walachei
steht sonntags um 13:00 die Zeit still. Ich fahre und fahre. Der Gegenwind nimmt deutlich zu. Keine Menschen, keine Fahrzeuge, nichts. Nur Felder.
Langsam begreife ich, dass es hier überhaupt keine kleinen Dörfer mehr gibt. Nur gigantisch große Felder. Hier lebt niemand. Die Maisfelder sind zum großen Teil schon abgeerntet, z.T. schon abgefackelt.


Oder schon umgepflügt. Ein Feld raucht noch und die Erde ist noch heiß. Der Gegenwind bläst mir warme Luft und Asche entgegen.
Die Agrarindustrie hat hier gewaltige Ausmaße

Hier frisst sich der Harvester durch die Maisfelder, am Ende des Feldes wartet ein Lastwagen mit Anhänger und der Mais  wird auf den Lastwagen geblasen. Der Rest fliegt in hohem Bogen zurück aufs Feld.
Welche ein Kontrast! Vor einer Stunde bin ich durch Dörfer gekommen, in denen die Bauern bei der Ernte die Kolben in die Wägen legen, und später jeder einzelne Kolben von Hand gesäubert wird. und später die Strünke noch an die Ziegen verfüttert werden. 
Und hier? Hybridmais. Später stehen Schilder von "Syngen" am Feldrand." ...gen" für "genmanipuliert"?
Der Verdacht liegt nahe.
Mein heutiges Etappenziel Izlaz will nicht näher kommen. Der Gegenwind nimmt zu. Dann in Izlas ein Schild der Villa "Giulia", nach rechts-  noch 4 km. Auf dem Schild steht "Bed&Breakfast" - Auweia. Wenn die kein Essen anbieten. Das Dorf macht nicht den Eindruck, als hätte es ein Restaurant. Aber immerhin. Es hat kleine Läden und eine Bäckerei. Ich überlege, ob ich mich mit Wurstdosen und Brot eindecken soll.
Schauen wir uns erst mal die Pension Giulia an!
Sie liegt ganz am Ende des Dorfes, in unmittelbarer Nähe zur Donau. Ein grünes Tor, ein Klingel. Mir wird geöffnet - und ich traue meinen Augen nicht. Eine Szene wie aus einem Film der Taviani Brüder. Ein wunderschöner Garten. Eine große weiß gedeckte Tafel. Ich bin in Italien. Es wird gerade aufgetragen. 
Es ist der Besitzer der Pension mit Freunden. Er lädt mich ein, mich dazu zu setzen. Normalerweise werde ich lieber erst meine Radlerklamotten los. Aber hier habe ich keine Wahl. Er spricht ganz gut Englisch, die Gesellschaft nur Italienisch oder Rumänisch. Sie sind hier zum Jagen gewesen. Einer der Gäste hat eine Fasanenpaté gemacht, ein anderer hat einen Teller Wiltdschweinsalami dazu gestellt. Anschließend gibt es Forellenfilet. Dazu Wein aus dem eigenen Weinberg. Mit am Tisch sitzen auch die Hausangestellten und die Köchin. Das gefällt mir.- 
Danach Kaffee und Grappa. Und ich hatte schon Angst, dass ich heute hungrig ins Bett müsse.
Verrückt, oder!
Nachdem ich mich etwas eingehört habe, verstehe ich die Tischgespräche auf Italienisch ganz gut. Es geht ums Essen, die Jagd, das Angeln.
Später unterhalte ich mich ein wenig mit dem Gastgeber. Er ist auch frisch pensioniert. Seine Frau ist von hier und jetzt versucht er hier eine neue Aufgabe zu finden. Hat wie wild umgebaut. Wie es den Anschein hat, um seine ausufernde Antiquitätensammlung unterzubringen. 
Sein nächster Plan. In einem Nebenhaus will er eine Art Alten-WG einrichten. Der Hintergedanke, er sucht selbst Anschluss. So wohl er sich hier fühlt. Er ist Römer und hat gern Leute um sich. Da kann man sich in Izlaz auf Dauer schon etwas einsam fühlen.


 Links der Herr mit Hut, ist der Pensionsbesitzer.
So,  nach 2 Grappa brauche ich erst einmal eine Siesta! Und nachher muss ich noch seine Spaghetti versuchen. Wenn seine Frau ihm nicht zwischenzeitlich die Leviten ließ, ob seines wenig "professionellen" Umgangs mit seinen Gästen!





Samstag, 30. August 2014

40.Tag: Von Vidin nach Bechet

Vidin, so hat es Brüssel festgestellt, ist die ärmste Stadt der Europäischen Union. Das glaube ich sofort. Was den Vidiner und die Vindinerin nicht davon abhält,  Freitag Nacht Party zu machen. Das sei ihnen auch von Herzen gegönnt. Aber musste das ausgereichnet vor meinem Fenster sein? Das uzzn uzzn uzzn uzzn war noch heftiger als seinerzeit in Belgrad. Trotzdem wache ich früh auf. Die Mega-Tagestour beunruhigt mich doch. Schon 1/4 vor Acht bin ich auf der Piste. Inzwischen ist klar, ich muss über die neue "Europabrücke". Die liegt dummerweise aber flussaufwärts. Ich steuere die große Auffahrt an. Für Fahrradfahrer verboten. Doch dann sehe ich ein Schild "Fußgänger und Fahrradfahrer -Danub Bridge" das will ich sehen ob das klappt. Es geht erst einmal Richtung alten Fährhafen, dann keine Schilder mehr. In der Ferne sehe ich die Brücke. Also steuere ich dahin. Keine Schilder. Ich fahre unter der Auffahrt zur Brücke durch. Nehme all meinen Orientierungssinn zusammen und fahre jetzt wieder in Richtung Auffahrtsrampe. Irgendwann, jetzt bin ich schon über 10 km gefahren, sehe ich wieder ein Schild. Wäre ja noch schöner, wenn die EU schon an die 120 Mio in dieses Entwicklungsprojekt einer armen Region reinsteckt, dann hat sie mit Sicherheit auch auf einen Fußgänger/Fahrradweg bestanden:

Geschafft. Das Morgenlicht über der Donau ist märchenhaft. Ein Dom von Lichtstrahlen, durch den wolkenverhangenen Himmel. 

Die Europabrücke wurde von einem spanischen Konsortium gebaut. Heute, nach etwas mehr als 3 Jahren ist sie schon ziemlich renovierungsbedürftig.

Gestern habe ich gelesen, dass bei Vertragsabschluss vergessen worden ist, eine Klausel für Regressforderung bei Mängeln einzubauen. Jetzt bleiben vermutlich die beiden ärmsten Länder der EU auf den Reparaturarbeiten sitzen. Das Leben im Kapitalismus will gelernt sein!!!

Sehr schön und elegant, die Brücke, könnte von Calatrava sein. Kritiker meinten jedoch, die Brücke verbinde eigentlich nichts, bzw.die 120 Mio ""Regionalförderung" haben hauptsächlich das spanische Konsortium gefördert.
Ich dagegen bewundere die Eleganz der Auf- und Abfahrten und drehe in den verschiedenen Achten meine Runde. An Calafat, wohin ich eigentlich will, bin ich schon ein ganzes Stück vorbei geradelt, dann die Schleife. Bis ich schließlich zum eigentlichen Ausgangspunkt meiner heutigen Tour komme, habe ich schon gut 16 km in den Beinen. Das Schild in Calafat sagt: "95 km" bis Bechet. 
Na, dann man tou!
Schon nach den ersten Kilometern ist mir klar. Jetzt bin ich wirklich, ohne Witz, in der Walachei!
Und alle Klischees stürmen nur so auf mich ein.
Es gibt sie wirklich noch die,
Frauen-mit Kopftuch-Walachei, 
die Pferdefuhrwek- und Eselkarren-Walachei, 
die Schwarze-Witwen-auf  Bänken Walachei, 
die Opas-mit-Schiebermützen-Walachei, 
die Gänse-Schaf- und Ziegenhirten-Walachei, 
die Walachei des goldgelben Mais, 
die Walachei der von außen bemalten Kirchen, ...
Ich bin völlig geplättet.
Die nächsten 95 km wechseln sich lange Strecken durch Felder mit langen Strecken durch Dörfer ab. Die Straßendörfer sind kilometerlang.
Ich werde begrüßt, wie der Träger der "roten Laterne" bei der Tour de France. 
Jeder winkt, alle rufen "Chello", "Hallo", "Hola", "Ciao" oder heben wenigstens freundlich die Hand. Irgendjemand hat den Kindern beigebracht, dass man die seltsam gekleideten Radfahrer, mit den Gepäcktaschen, abklatschen muss. Kaum sehen sie mich kommen, stellen sie sich auf:

Strahlende gespannte Gesichter! Das Highlight des Tages. Die Alten lachen.
Es kommt auch vor, dass Jungs die Collage-Fahrräder haben,- aberwitzige Konstruktionen-,   mich zum Spontan-Sprint herausfordern, - muss ich leider ablehnen.
Andere begleiten mich und versuchen, meist auf Italienisch mit mir ins Gespräch zu kommen. Ich antworte auf Spanisch, das geht eigentlich ganz gut.
Dann wieder Felder. Komme ich aus den Ortschaften raus, merke ich, dass ein ordentlicher Wind bläst. Mal von 10:00 Uhr, mal von 1:00, ich beobachte die Windentwicklung mit einiger Besorgnis, längere  Gegenwindphasen könnten mich an meine Konditionsgrenzen bringen.
Dann kommt schon das nächste Dorf:
Samstag in der Walachei.
 Ein Samstag im August in der Walachei 
ist ein
Kaffee-am Markttag-trinken-Tag,
Ein Wasch-den-Teppich-auf der Straße-Tag,
Großwaschtag - an den Staketenzäunen flattert die Bettwäsche,
Heumahdtag,
Maiserntetag,
Sonnenblumenerntetag,
ein trinken-wir-uns-langsam-in-den-Sonntagtag,
ein noch-ein letzter Versuch-das-Moped-wieder-zum-Laufen-zu-bringen-Tag,
Hochzeitstag,

Die Hochzeit hat mich besonders beeindruckt. Gleich in Poiana Mare kommt mir ein Zug von Menschen entgegen.Sie gehen offensichtlich in Richtung Kirche. Die Männer schreiten feierlich, die Frauen schleppen große Schüsseln, gefüllt mit allerlei Gebäck. Nicht etwa unter Tüchern versteckt. Nein, es gehört ganz offensichtlich zum Brauch, zu zeigen, was man zum Fest betragen wird. Ich will mehr sehen. Halte an, und bestelle einen Kaffee (Espresso). Ich habe offensichtlich das Festlokal erwischt. Im Saal neben der Bar wird schon die Tafel gerichtet. Teller mit Hühnerteilen, Salaten usw. stehen schon bereit und immer wieder treffen Frauen ein, die eine Schüssel abstellen. 
Doch dann zieht sich das Ganze doch, was zu erwarten war. So ein Bund für das Leben, wird nicht in 5 Minuten geschlossen. Also weiter.
Wieder "Hello, Ola, Ciao..." jetzt kommen mir Dutzende von  heubelandenen Pferdefuhrwerken entgegen.



Dann komme ich an riesigen gemähten Flächen vorbei. Überall stehen Einspänner und werden beladen.


Ich bin auf Zeitreise.
Später kommen die Wagen mit Mais beladen. Einen so goldgelben Mais habe ich überhaupt noch nie gesehen.
Die Sonnenblumenfelder werden mit Erntemaschinen geerntet. Die Afterlese betreiben Abertausende von Vögeln, die  immer mal wieder aus den Stoppelfeldern aufsteigen, aberwitzige Flugmanöver vorführen, um sich dann wieder auf dem Feld nieder zu lassen. 
Mit der Zeit bekomme ich ein Gespür dafür, dass sich die Dörfer unterscheiden. Je nachdem wie hoch der Anteil der Roma in den Dörfern, ist die Grundstimmung anders. In überwiegend von Rom bewohnten Dörfern geht es lauter zu, aus den Häusern hämmern Balkanbeats. Die Begrüßungen fallen lauter und offensiver aus, ich werde häufiger begleitet und ausgefragt. 
Und auch hier werden alle Klischees bedient. Frauen mit Kopftuch, langen Röcken und Ketten mit Goldmünzen um den Hals- nach dem Motto: "Der sicherste Ort für meine Ersparnisse ist der der Hals meiner Frau!"
Diverse Donaureiseblogs lassen sich ja gerne über bettelnde Kinder aus. Ich habe heute nicht ein einziges erlebt. - Na ja, ein Junge macht mal eine Geste mit Daumen und Zeigefinger, die ich aber dahingehend interpretiere, dass er sehr zufrieden ist, mit dem, was er in seiner Nase gefunden hat. Ich lobe ihn, indem ich den Daumen nach oben zeige. Eine Rom auf einem Eselkarren frägt nach einer Zigarette- das war es aber auch schon!
Es ist ein unglaubliches Kaleidoskop von Eindrücken, die im Laufe des Tages auf mich einstürzten. Zur Mittagspause hätte ich mich am Liebsten ein Stündchen zu den Schafen un Ziegen gelegt.

Aber zu dem Zeitpunkt sind es noch über 40 km und- wie wird sich der Wind entscheiden!!??
Ich mümmle mein Vesperbrot und meditiere mit den Ziegen.
Und weiter geht es.
Bei Bistret fängt die "feuchte Walachei" an, Seen, Schilflandschaften. Störche, Reiher, Kraniche, Kibitze, Rallen, was weiß ich, was da noch alles rumflog.

Man kann Eindrücke und Landschaften nicht mit einander vergleichen. Das "Eiserne Tor" war gewaltig. Mein Tag heute, in der Walachei, hat mich aber genau so beeindruckt, obwohl er völlig anders war.
Ich hatte noch nie so sehr das Gefühl, durch die Leben von einigen Hundert Menschen geradelt zu sein, Leben, die sich von meinem so extrem unterscheiden, dass ich nicht ansatzweise in der Lage bin zu verstehen, wie ein Menschenleben in der Walachei verläuft, - und doch bin ich heute vielen Menschen begegnet, wir haben uns angelächelt und zugewunken. Das war schön!
Es ist kurz vor 16:00 als ich in Bechet eintreffe. Die netten Leute von der "Casa Verde" haben gute Ausschilderungsarbeit geleistet. 
Wie der Name vermuten ließ, spricht die Besitzerin sehr gut Spanisch, sie hat einige Jahre in einem Restaurant in Madrid gearbeitet. Wenn sie sich die "Casa Verde" von dem dort verdienten Geld gebaut 
haben, dann haben sie gewaltig geschuftet und sehr sparsam gelebt. Die Pension ist sehr nett - und hat sogar einen Swimmingpool.
Als krönenden Abschluss, bin ich dann nach 119 km tatsächlich, zuerst in die Badehose und dann in den Pool gehüpft. 

Freitag, 29. August 2014

39.Tag: Von Negotin nach Vidin

Gemütlicher Tag. Gemütliche Etappe. Und eine Premiere . Wir fuhren heute Morgen zu Dritt los.
Der Gundolf, der Christian und der Manfred.

Das heißt, eine gemeinsame Tagesetappe sollte es nicht werden, denn Christian und Gundolf waren die 47 km auf der direkten Strecke zu wenig, sie wählten nach dem "Grenzübertritt" nach Bulgarien, eine große Schleife, die näher an der Donau blieb. Da die morgige Etappe, die längste nach Sigmaringen-Ulm (106 km) werden wird, trennte ich mich nach knapp 20 km von den beiden.

Hier fahren wir allerdings erst auf die bulgarische Grenzstation zu. Wie gestern, bei der Einreise nach Serbien beeindruckt mich auch hier die "Grenz-Sicherheits-Architektur", immer auch ein bisschen so gebaut, um dem Reisenden die Wichtigkeit dieses "Aktes" vor Augen zu führen. Natürlich war eine Einreise in ein Land des "Ostblocks" immer etwas kompliziert und auch "furchteinflößend".
Heute rottet das ganze Schreckensszenario glücklicherweise vor sich hin. Am bulgarischen Grenzbaum hängt das EU-Schild, wir sind zurück in der Union, die Grenzbeamten locker und freundlich.
Das erste Dorf ist wieder richtig arm. Doch die Hauptstraße nach Vidin ist gut. Ganz wenig Verkehr und ein wunderschöner Morgen. Morgenstille überall... ich sehe und höre sogar Lerchen über den Feldern. Schön.
Bei Gamzovo geht es etwa 3 km nach oben. Oben ein schöner Rundblick über das Donautal. Die nächsten Kilometer geht es dann flott nach unten. Vidin erreiche ich schon etwa um 12:00. Nein, 13:00 Uhr. Bulgarien hat OEZ, also plus eine Stunde. Die hat Rumänien auch, nur habe ich das die Tage davor einfach nicht mitbekommen. Öffentliche Uhren gab es keine. Das Frühstück habe ich auch nie verpasst, wenn es denn eins gab,- "dem Glücklichen schlägt keine Stunde". 
Aber jetzt wisst ihr es auch, euer Blogger ist Euch bis zum Ende seiner Reise, um eine Stunde voraus.
Vidin ist eine Provinzhauptstadt mit ca 50.000 Einwohnern. Das Stadtzentrum ist in sozialistischer Zeit "modernisiert" worden. Die neu entstandenen Plätze wirken etwas überdimensioniert. Das Leben in den Cafes spielt sich in den Schattenbereichen und Nebenstraßen ab. Alte Bausubstanz wurde großflächig beseitigt. Lediglich ein paar historische Bauten, wie das Stadttor

und die Festung

 und die Bischofskirche haben mich interessiert.
Vidin war schon im römischen Reich eine wichtige Garnision der Provinz Moesien, -ehrlich!! 

In der Eingangskuppel der orthodoxen Kirchen scheinen die Seraphin zum Standardbildprogramm zu gehören.

Eigentlich schöner, als in den katholischen Kirchen - in denen den Gläubigen noch schnell die Höllenqualen mit auf den Weg gegeben wurden. 

Aber der Seraph-Job ist auch kein Zuckerschlecken. Schließlich müssen sie, von Urbeginn bis in Alle Ewigkeit permanent "Heilig, Heilig, Heilig" singen. 
Tja man kann sich`s nicht Raussuchen!

Donnerstag, 28. August 2014

38.Tag: Von Drobeta-Turnu-Severin nach Negotin

Das war ein ganz besonderer Tag. Ich merke schon beim Aufstehen, etwas ist heute anders. Beim Frühstück, im Innenhof, schaue ich hoch in das blaue Quadrat über mir und staune. Die Wolken schießen nur so durch das Quadrat.
Dann auf der Straße, beim Packen, ist er zu spüren. DER WIND. 
Beim Rausfahren aus Drobeta  packt er mich und bläst mich aus der Stadt. Wort wörtlich, ich muss höllisch aufpassen, nicht zu schnell zu werden. Die 5 km die ich noch einmal auf die E 70 muss - ein Klacks, auch als ich auf die kleinere Straße Richtung Hinova abbiege, läuft es wie geschmiert. Der Form halber, um die Windgötter nicht zu verärgern, lasse ich die Beine kreisen. 
So habe ich die Donau noch nicht gesehen. Wellen mit Schaumkronen, die quer zum Strom laufen.


Es ist wirklich ein besonderer Tag, besondere Stimmung, ein besonderes Licht. Fast etwas föhnig. Alles wirkt "aufgeräumt" und nahe. Auf dem offenen Land wird der Wind fast zum Sturm. 
Ganz langsam ahnt mir, dass ich so nicht nach Negotin fliegen werden. Oben auf dem Bild kann man es schon erahnen, die Donau macht einen Knick um 90°, d.h. nicht mehr Rückenwind, wenn es ganz gut geht vielleicht noch Seitenwind. Ohoh! 
War der Wind die letzten Kilometer von sagen wir 5:00 Uhr gekommen (12 wäre totaler Wind von vorn, 6 genau von hinten), so ändert sich die Situation ganz allmählich. 4,3, und schließlich beginne ich langsam aber sicher in den Wind hineinzufahren. Bei 2:00 Uhr kann man sich noch mit der rechten Schulter in den Wind lehnen und in Schlangenlinien ein wenig den Wind nutzen. Bei 1:00 wird es hässlich.
Bei Batoli, eine kleine Entspannung, es geht links ab. 
A B E R steil nach oben. Kein Wind, aber ein etwas groß geratener Schiener Berg. Hier im Wald merkt man, da der Wind fehlt, wie heiß es heute wirklich ist. Ich komme ins Schwitzen. Oben angekommen. Ist der Wind wieder da. Eine endlos weite Hochfläche, Brachland, auf dem nur gelegentlich Schafherden zu sehen sind. Keine Bäume, die den Wind bremsen könnten.
Habe ich entlang der Donau an einen ähnlichen Tag im Rhonetal denken müssen, so ist das  hier oben kein Vergleich mehr.
Selbst wenn es sanft bergab geht, komme ich nur knapp über 10 km/h. Geht es bergauf, rutsche ich in den einstelligen Bereich. 
Seltsamerweise stört mich das Ganze gar nicht so sehr. Ich habe heute nichts anderes vor,  als zu radeln, also eine Pedalumdrehung nach der anderen. 
Die Melonenverkäufer am Straßenrand, deren Stände natürlich die wenigen Schattenplätze nutzen, sind auf die andere Straßenseite gewechselt, sitzen in der Sonne, in Daunenwesten, Kapuzenpullis, und unter Decken. Und frieren. Auch mir ist trotz der Anstrengung nicht warm. 
Inzwischen hat sich die Straße voll in den Wind gestellt. 12:00 Uhr kurz vor Mittag! Ganz weit hinten, an einem Baum, oben auf dem Hügel,  scheint sich eine Linkskurve anzudeuten. Doch der Baum kommt nicht näher!
Die Kurve ist eine Enttäuschung. 2:00 Uhr ist immer noch Gegenwind. Zwar geht es wieder etwas abwärts doch mehr als 11 km/h ist nicht drin.

Ich zuckle so vor mich hin. Gegen den Wind anzukämpfen macht keinen Sinn. Ich komme ja vorwärts, wenn auch langsam. Nach 1 1/2 Stunden auf der Hochfläche, endlich ein echter Schwenk nach links. Es scheint tatsächlich wieder hinunter zur Donau zu gehen!! Ich kann es fast nicht glauben. Aber tatsächlich, da ist sie wieder, immer noch "wild" aber sehr willkommen.

Da scheint auch schon die Insel zu sein, auf der ich 7 km fahren muss bis das berühmte 2. Kraftwerk Portile de Fier II kommen wird, auf dessen Staumauer ich auf die andere Seite nach Serbien, nach Negotin wechseln kann. 
Jetzt macht das Radeln wieder Spaß! Halt! Nicht zu schnell, die Straße hat ihre Tücken!
Die Dörfer sind klein, arm aber sehr "malerisch".


Und alle freuen sich in der EU zu sein!

Bine Ati venit! - da muss ich immer wieder an Joan denken. Ob das Rumänische und das Katalan vielleicht sogar ein bisschen verwandt sind. Vielleicht erklärst du mir das mal!
Auch das Sträßchen wird richtig idyllisch

Dann kommt das Kraftwerk. Alles ultra geheim, man darf auf gar keinen Fall Fotos machen. Traue ich mich auch nicht. Denn in kleinen Häuschen sitzen tatsächlich Polizisten, die aufpassen.
Als Grenzstation hat der Damm ganz offensichtlich an Bedeutung verloren. Ein riesiges Abfertigungsterminal auf rumänischer Seite rottet dahin. Auf derAusfahrsseite ist niemand. Es dauert seine Zeit bis jemand von der Einreiseseite durch das große Gebäude zu mir rüber kommt. Die junge Dame legt meine ID auf den Scanner und wartet, und wartet, was sollte denn mit mir nicht stimmen? Sollten in Rumänien die polizeilichen Melderegister schon zentralisiert sein, und herausgefunden haben, dass ich eine Nacht keine Meldebögen ausgefüllt habe (in der seltsamen Pension im Eisernen Tor).
Aber dann ist alles klar. Das war auch schon bei der Einreise so. Der 1.Zöllner darf nicht sagen, "Danke schön! Gute Fahrt!" Dazu muss schon noch jemand Ranghöheres kommen! Das haben die Rumänen noch nicht ganz abgelegt. In Uniform sind sie immer noch ein bisschen - "anders"- Hackenklacken. Die Chefin kommt auch durch das Gebäude, sagt "Thank you, have a nice day!" aber die Schranke machen sie wegen eines Fahrradfahrers nicht hoch, da muss ich mich durch die Lücke quetschen.
Auf serbischer Seite 2 Container und ebenfalls viele Fahrspuren, aus denen inzwischen das Unkraut wächst.
Negotin erreiche ich ohne Problem und die "Villa de Lux" ist schon von der Grenze an ausgeschildert. Kein Problem.
Und wen treffe ich? Gundolf sitzt am Pool und erzählt, dass er auf der Fähre Christian getroffen hat und dass sie die letzten Tage zusammen geradelt sind.
Christian treffe ich später im Ort. Wir unterhalten uns und beschließen, den morgigen Tag, bis Vidin zu dritt zuradeln. Bei dem Wind vielleicht kleine schlechte Idee, dann können wir mal Tour de France spielen.
Vidin ist in Bulgarien. Ich habe vor übermorgen wieder nach Rumänien zu wechseln. Die bulgarische Seite ist sehr gebirgig. Christian hat vor auf der bulgarischen Seite zu bleiben. Gundolf weiß es noch nicht.
Natürlich haben wir uns auch über die vergangenen Tage ausgetauscht. Unterm Strich, haben beide Varianten ihr Highlights und heftige Berge.
Heute, um die Mittagszeit, zeigt der Tacho genau den Kilometerstand, mit dem ich letztes Jahr in Denia eingefahren bin. Da habe ich - wenn ich mich richtig erinnere, vollmundig erklärt, dass ich noch "ewig" so weiter radeln könne. Jetzt darf ich! Zumindest noch einige Hundert Kilometer. Mal sehen, ob ich den Mund nicht etwas voll genommen habe.

Eine Klarstellung:

Es ist mir sehr wichtig folgendes festzustellen: Ich bin in meiner radelfreien Zeit nicht permanent auf der Suche nach neuen Gartenzwerg Geschichten. Gestern war ich verzweifelt auf der Suche, ob nicht doch auf irgendeinem Sender das Leverkusenspiel im livestream zu sehen wäre. Aber der Blatter, Sepp hat das Internet anscheinend komplett unter Kontrolle. Bei dieser Suche kam ich auch auf die Homepage von ORF und dabei stieß ich wirklich zufällig auf diese neue absurde Zwergengeschichte.

Heute Abend in der Villa de Lux, bin ich noch etwas am Pool gesessen, und habe mir überlegt, ob ich vielleicht  noch ein Bad wagen sollte. Auf der anderen Seite des Pools, zwei andere Pensionsgäste, Erwin und Edgar, sind sich auch im Zweifel. Wir beschließen, dass der Wind doch etwas zu kühl ist und dass wir lieber auf der trockenen Seite bleiben wollen .

Letzte Meldung:

Soeben erreicht mich eine sehr erfreuliche Nachricht. Die Kommission für die Vergabe von "OM-Punkten" hat mir für den heutigen Tag  10 Punkte zugestanden. Das kommt sehr selten vor! Aber angesichts meiner grenzenlosen Gelassenheit  im Gegenwinds, finde ich das durchaus angemessen. Nun komme ich also wieder auf 19 Punkte. Fehlen also nur  noch 70 Punkte, bis ich mich "Buddha aus der Vorstadt" nennen darf. 

Mittwoch, 27. August 2014

37.Tag von Dubova nach Drobeta-Turnu-Severin

Es ist allerschwärzeste Nacht. Ich sehe nichts. Ein Geräusch hat mich geweckt. Irgendjemand fuhrwerkt unter meinem Fenster rum. Von 0 auf 140, da geht die Pumpe. Irgendwann schlafe ich wieder ein. Am Morgen, gegen 7:00 erkenne ich, wer es war. Jetzt ist der Fischer zurück. Der Plastiksack auf seinem Rücken ist prall gefüllt, mit richtig großen Fischen
Er lächelt zufrieden. 
In meiner Pension bin ich immer noch allein. Ich verzichte dankend auf den "Coffee free" und gehe in das Restaurant von gestern.
7:30 es gibt schon Frühstück. "Two minutes!"
Nachdem ich mich in meinem Langzeitprojekt "OM- oder der Buddha der Vorstadt" auf der Gelassenheitsskala langsam auf die 16.Stufe (von 99) vorgearbeitet hatte, bin ich heute leider wieder um 7 Stufen abgerutscht. Gestern schon dauerte mein Essen gut 70 Minuten. War aber ok, das habe ich locker weggesteckt. Aber aufs Frühstück zu warten, mit leerem Magen, das haut noch nicht hin. Nach 35 Minuten bekomme ich mein Frühstück, wieder superlecker, Speckpfannenkuchen - dabei hatte ich eigentlich ein sticknormales Continental bestellt - mit frisch gepresster Zitronenlimonade.
So gestärkt geht es in die 2. Etappe durchs Eiserne Tor.
Der Tag wird sich in 3 völlig unterschiedliche Etappen aufteilen: 5 Sterne-Deluxe-Etappe. Bergwertung der 4.Kategorie und Horrortrip.
Doch der Reihe nach.
Ich dachte  Dubova ist nicht zu toppen, doch es geht gerade so weiter. Der Blick zurück ins erste Tor - fantastisch.



Zu blöd, da scheint wirklich wieder etwas auf dem Chip zu sein. Nein Hubert, die Wasserschlange begleitet mich nicht wirklich auf der ganzen Reise.
Dann das "zweite Tor" 

Das ist wirklich einmalig. Mitten in dieser Engstelle kommt dann auch noch ein kulturelles Highlight. das Kloster Mraconia.
Das hat mich total begeistert.

Auch wenn das Kloster bis ins 16.Jahrhundert nachgewiesen ist,  es wurde mehrfach zerstört. Zum Schluss versank eine der letzten Fassung beim Staudammbau. Doch die heutige Version hat mir richtig gut gefallen.


Schaut der arme Türke nicht richtig traurig aus? Es scheint ihm richtig leid zu tun, dass er aus dem frommen Mann einen Heiligen machen muss. 
Die kleine Kirche ist komplett ausgemalt.

Ist der Seraph nicht große Klasse?
Und auch die Gewänder der Heiligen

Nach Mraconia und dem" kleinen Kessel", hat es die Donau geschafft. Das Tal weitet sich wieder. 
Kurz darauf ein Denkmal von "nationaler Bedeutung" - mehr aber auch nicht. Ein riesiger Kopf des "Decebalus Rex", einer legendären Figur aus der rumänischen Geschichte. Decebalus heißt wohl, "so stark wie 10 Männer. 

Und nein!!! Dies ist kein Beitrag zum Dauerthema dieser Reise. "Der Gartenzwerg in uns"
 Vor Orsova muss ich die Donau verlassen und im Hinterland  richtig rauf über die Halbinsel Eselnita hinweg. Das zieht sich gewaltig nach oben, immer im Bereich von 12%. Da sind die 3 Hunde auch nicht wirklich hilfreich, die meinen, sie müssen mich noch den Berg hinauf jagen.Da stellen sich die Haare zu Berge!
Hinunter nach Orsova war es dann noch steiler. Was auch nicht schön ist. 
In Orsova finde ich endlich einen Bankautomaten. Die ersten Tage in Rumänien war keiner aufzutreiben. Die Pensionen nehmen gerne Euro. Aber ich will eigentlich die Euro als Reserve nicht so gerne antasten. Jetzt schaut es wieder besser aus. 
Nach einer gemütlichen Kaffeepause am Wasser, beginnt der 3.Teil des heutigen Tages: Der Horrortrip. Ich hatte schon gelesen, dass es auf der rumänischen Seite zur E 70 keine Alternative gibt, aber dass es so schlimm kommen sollte, hätte ich nicht gedacht. Anfangs lief es bestens. Der Randstreifen war breit und gut asphaltiert, allerdings aus der Stadt heraus mit Scherben übersät. An zwei drei Stellen bin ich abgestiegen. Ich wollte einfach nicht riskieren hier auf der viel befahrenen Strecke mit einem Platten liegen zu bleiben. Die Straße klebt praktisch an der Felswand über der Donau. Eine Brücke nach der anderen. Auf jeder Brücke verschwindet der Randstreifen. Dafür gibt es eine Art Fußweg, oft aber keine Möglichkeit hoch zufahren. Das heißt, jedesmal absteigen und das Rad hochhieven.Auf dem Fußweg zu fahren ist eine Herausforderung. Links eine Betonwand bis auf Höhe der Radnabe. Rechts das Geländer und unten die Donau, weit unten.


Wie hier gibt es alle paar Kilometer eine Parkbucht zum "Entspannen"! Wenn es da Schatten hat, dann ist der Parkplatz komplett zugemüllt und stinkt. Also nicht so richtig geeignet zum "Durchatmen". Am Schlimmsten sind jedoch die beiden Tunnel. Auch hier wieder eine Art Fußpfad hinter Betonabsperrungen. Aber seehr schmal und im Tunnel ein Höllenlärm.
Irgendwann sind die 14 Kilometer geschafft. Hinter dem ersten Flukraftwerk "Pontile de Fier 1" geht ein Teil des Verkehrs über die Staumauer hinüber nach Serbien. Wiederum 2 Kilometer später beginnt die E 70 mit der weiträumigen Umfahrung von Drobeta-Turnu-Severin. Ich fahre in die Stadt hinein und erlebe eine angenehme Überraschung. Ein Freibad!
Bei der Hitze und dem Stress, keine Frage, da hole sogar ich die Badehose aus der Satteltasche.

 Höre ich da im Hintergrund, den einen oder anderen höhnischen Zwischenruf, "Wer`s glaubt wird selig!"
Hier bitte schön, der Beweis!

Was, das beweist nichts? Bitte, ich ziehe mich doch nicht aus, und stelle mich einfach so auf einen Kieshaufen!
Das hat richtig gut getan. Leider ist um das ganze Schwimmbad herum nicht ein einziger Schattenplatz! Na denn, suche ich eben mein Hotel.  Das Hotel Tropical ist vorbildlich. Kaum nähere ich mich dem Zentrum, leiten mich Schilder. Nach dem Aufwand zu schließen, denke ich, das muss ein riesen Schuppen sein. Aber nein, ein richtig nettes kleines Hotel, mit Restaurant in einem lauschigen Innenhof. Mehr brauche ich nicht!
Die Stadt ist schnell erkundet. Das interessantes Gebäude scheint mir der Wasserturm zu sein. Das sagt einiges. Drobeta ist eine Industrie- und Hafenstadt. War, wie der Name ahnen lässt eine wichtige römische Stadt, mit der längsten Brücke des ganzen römischen Reiches. Die Reste davon sind nicht wirklich beeindruckend. 
So jetzt setzt ich mich in das lauschige Restaurant des Hotels esse etwas und warte darauf das es etwas abkühlt

Noch ein Schmankerl zum Schluss:

Aus der Welt der Internationalen Presse: ORF berichtet:

Zuerst BBC, jetzt „Washington Post“SPÖ-Wahlkampfmaterial in Form von Gatenzwergen


„Vorarlberg, bist zwar als Land ein Zwerg“, heißt es in der inoffiziellen Landeshymne - und Zwerge sind es, die das „Ländle“ nun in die Schlagzeilen rund um die Welt bringen. Das plötzliche Verschwinden der SPÖ-Wahlkampfzwerge sehen etliche internationale Medien als skurril genug an, um darüber zu berichten. Die BBC machte den Anfang, die Nachrichtenagentur AP sorgte für weitere Verbreitung, und nun hat sich sogar die „Washington Post“ der Sache angenommen....."
Seit in der Nacht auf Sonntag 400 der insgesamt 20.000 „Coolmen“ genannten SPÖ-Werbefiguren verschwunden sind, reißt das Medieninteresse nicht ab. Nun hat sogar die „Washington Post“ das Thema aufgegriffen. „400 gnomes disappeared in Austria, and it’s causing a political scandal“, heißt es in der Onlineausgabe.

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Dienstag, 26. August 2014

36. Tag: Von Berzasca nach Dubova

Heute Morgen:
Meine Pension ist wirklich nett. Die Leute auch sehr bemüht. Aber touristische Standards sind noch nicht so ganz verinnerlicht.
Der umgebaute Bauernhof hat wirklich alles.

Gewundert hat mich jedoch gestern schon, als Sohnemann in Deutschland sagte, "gehen sie einfach in die Küche, im Kühlschrank ist alles, sie können sich dann ein Frühstück machen."
Gut gehe ich heute Morgen in die Küche. Kaffee ist in der Kanne der Kaffeemaschine, aber lauwarm. Ich mache die Kaffeemaschine wieder an. Ich schaue in den Kühlschrank. eine Schüssel mit ca 20 Eiern, das sollte reichen, und eine Schüssel mit jede Menge eines fetaähnlichen Käses. Brot steht auf dem Tisch. Honig auf dem Beisstelltisch und eine Schüssel mit Teebeuteln.
Der Kaffee ist inzwischen mehr als lauwarm, ich mache mir ein Honigbrot. Jetzt kommt die nette Wirtin, im Pyjama und frägt "Eggs?" Ich sage, ok. ein weichgekochtes wäre nicht schlecht. Sie macht den Gasherd an und stellt Wasser auf- und geht wieder. Ich nehme ein Ei aus dem Kühlschrank und lege es ins Wasser. Bei Rausgehen sagt sie "Cheese very good"" Na dann, muss ich ihn versuchen. Stimmt, der ist wirklich Klasse und gar nicht Feta- trocken- krümelig. 
Da ich ja nun lange genug auf dem Balkan unterwegs bin, weiß ich um die traditionellen Frühstücksgewohnheiten,- erinnerst du dich Friederike - zuerst bekommt man einen Kaffee, zum Aufwachen und damit man das Besteck findet. Dann trinkt man Tee. Mach ich jetzt auch so. Das Ei ist fertig. Mit dem Eierwasser mache mir einen Tee.
Ist eigentlich nicht schlecht. Bekommt mir gut. Leider kann ich mir heute kein "Pausenbrot" schmieren, es gibt  nichts, was ich zwischen die Scheiben klemmen könnte. Aber gute Pfirsiche hat es.
Ich war gestern im Dorfladen und kann gut verstehen, dass man hier in den Dörfern zum großen Teil Selbstversorger ist. Es gab auch keine Riesenauswahl im einzigen Geschäft des Ortes.
So sage ich Tschüss, und mache mich auf den Weg:

Ein Blick zurück. Dort wo das Auto steht, da ist das Hoftor.
Es ist ein wunderbarer Morgen. Frisch und windig.

Der nette junge Herr aus Belgrad hat aber gelogen. Der Wind bläst nicht erst ab Ende September aus dem Eisernen Tor heraus. Heute habe ich die ersten Stunden heftig Gegenwind. Aber stört mich nicht groß. Der Grund warum ich nicht so richtig voran komme, ist die spektakuläre Landschaft. Ich muss ständig anhalten, um Fotos zu machen, und eine Kurve weiter ist es noch beeindruckender.
Immer wieder meine ich, da vorne muss nun die wirkliche Engstelle, - d a s "Eiserne Tor" sein.

 Ist es aber nicht. es kommt noch verwegener.Wenn der Wind mal etwas nachlässt ist es mucksmäuschenstill. Ab und zu bleibe ich stehen und horche, weil ich es nicht glauben kann.
Immer mal wieder kommen mittelalterliche Burgen, oder was von ihnen übrig geblieben ist. 14.Jahrhundert!


Vermutlich haben sie nicht immer im Wasser gestanden. Wird wohl mit den Wasserkraftwerken, weiter unter zusammenhängen. Aber wer weiß!
Die Straße verschwindet in regelmäßigen Abständen und wird zur kaum passierbaren Ruckelpiste. Die Hänge sind unglaublich steil. Kein Wunder, dass hier Erdrutsch und Steinschlag an der Tagesordnung ist. Aber ich habe es nicht eilig. die heute Tagesetappe sollte gut zu meistern sein.

Die Heuhaufen in Rumänien begeistern mich. Nicht nur, weil ich Monets Bilder im Hinterkopf habe. Es ist auch ihre schiere Größe und die Technik, wie sie aufgerichtet werden. Das Holzgerüst darunter ist ein wahres Kunstwerk, von innen bekommen die Haufen auch Luft und faulen nicht von innen heraus.
Oft sieht man ein Gewicht, z.B. einen Autoreifen oben um den zentralen Ast. Von unten wird der Heuhaufen aufgebraucht und wird mit, der Zeit, nach unten gedrückt. Genial.
Natürlich schaue ich heute im Laufe des Tages auch immer neugierig auf die andere Seite, wie es wohl den Radlern auf der serbischen Seite ergehen mag. Da sind jede Menge Tunnel

Tunnel mit dem Fahrrad, das ist ganz schön heikel. Noch immer bin ich zufrieden mit "meiner Seite".
Spätestens ab Plasevita zeichnet es sich ab, wo  die eigentlichen Engstellen kommen. Hier ist das Kernstück des "Eisernen Tores", zwei ganz enge Passagen. Und jetzt sehe ich auch, warum die rechte Seite mehrheitlich gewählt wird.
Auf meiner Seite, komme ich durch das erste Tor nicht durch. Ich muss hinauf -obiwillodernet. Und es geht bös hinauf und weg von dem Engpass über den Felsen hinweg.


Links hinten kann man erkennen, dass die Straße auf meiner Seite über den Felsen geht.Auf der rechten Seite wäre die Straße durch die erste Engstelle gegangen.
Also uffi!
In Dubova habe ich ein Zimmer reserviert. Oben angekommen, bin ich ganz schön geknickt. Das ist ein ziemlich armseliges Nest in einem Hochtal. Viel Ruinen, und sonst nicht viel. Ich halte an einem Laden. Einige Herrschaften sitzen davor und genehmigen sich ein Bier. Ich frage nach der Pension Lucian. Allgemeines Schulterzucken, niemand kennt sie. Zum Glück habe ich die Telefonnummer und einer der Herren, ruft sofort  dort an. 
Es stellt sich heraus, dass Dubova aus 2 Ortsteilen besteht, dem Bergdorf und dem "mondänen" Ort zwischen den beiden "Eisernen Pforten".
Die netten Herren schlagen vor, ich trinke erst einmal einen Kaffee, sie trinken in Ruhe ihr Bier aus, und dann fahren sie mich zur Pension. So machen wir es. 
Es geht rasant nach unten. Wieder zur Donau. 
Was mich wundert, die Pension ist in unmittelbarer Nähe des Hauses, meiner netten Führer! Da ist doch was faul! Doch die Pension gibt es tatsächlich. Direkt am Wasser, direkt in Dubova -zwischen den beiden Toren, an einem der schönsten Orte, die ich je gesehen habe. 
Könnte es sein, das diese Pension nicht offiziell gemeldet ist? Soll mir wurscht sein sein.

Zwischen den beiden "Toren" wird die Donau zu einem See, von meinem Balkon aus sehe ich, die rechte Pforte (siehe oben) und die linke Pforte:

Noch einmal. Von meinem Bett aus:


Dieser Anblick allein hat mich mit der Entscheidung auf dieser Seite zu fahren wieder versöhnt. 
In einer anderen Pension bekomme ich ein sehr gutes Essen. Unterhalte mich nett mit dem Kellner, der 2 Jahre in Valencia gearbeitet hat und Denia kennt. 

Er hat mir angeboten, einen der Tretbootschwäne zu mieten. Danke!! Danke!! Genug getrappelt für heute.
Zurück in der Pension, wartet meine Landlady schon auf mich. Aufgebrezelt. Sie will in die "City". Wo immer das ist. Ich soll hinter ihr zuschließen. Sie zeigt mir, wie der Gasherd funktioniert und wo ich den Nescafé finde, für das Frühstück. - That is free! Ja schön, und was gibt es zum Essen? Sie lächelt und ist verschwunden und ich bin allein in der Pension. Immerhin hat die andere Pension auch eine Frühstückskarte gehabt. Ich werde nicht verhungern.
Andere Länder....

Übrigens: Heute im Laufe des Tages hat die Donau auch die 1000 Kilometer unterschritten. Dubova liegt auf Donaukilometer 970