Samstag, 6. September 2014

47. Und letzter Reisetag: Von Fetesti nach Constanta.

Vielen Dank, Christoph!


Heute Nacht habe ich noch ein kostenloses Konzert miterleben dürfen. Rumänischer Sinti-Pop. Bass, Schlagzeug und verstärkte Geige. Treibende Beats, schnelle Bassläufe und trotzdem sehr swingend. Hat mir sehr gefallen. Ich war sogar versucht, noch mal aufzustehen. Aber das hatte nach geschlossener Gesellschaft ausgesehen, nicht nach Konzert.
Am Morgen erfahre ich von der jungen Damen, die mir einen Kaffee macht - um halb 6!, dass es eine Goldene- oder Silberne Hochzeit gewesen ist.
Es ist noch dunkel als ich losfahre. Mein Licht funktioniert noch einwandfrei, trotz der vielen Ruckelpisten der letzen Wochen.
Der Wind pfeift ungebrochen. Die Kilometer zum Bahnhof juckt er mich nicht.
Es ist noch dunkel, als ich am "Bahnhof" ankomme.

Die Mautstation nebenan ist hell erleuchtet. 
Im Fahrplan sind 2 Züge mit dem Fahrradmitnahmezeichen. Einer um 6.33, den will ich nehmen. Einer um 22.30.
Es dämmert.


Es wird hell. Ich bin allein auf dem Bahnsteig. Der Wind bläst immer heftiger. Mir wird langsam kalt. Ob ich am letzten Tag meiner Reise - wie am ersten, die Softshelljacke rauskramen muss? Ist vielleicht besser!
Dann um 7:40 kommt der Zug! - Und rattert vorbei. Ohne anzuhalten! 
Wozu bin ich mitten in der Nacht aufgestanden!! Das kommt davon, wenn man zu viel im Internet recherchiert!
Ich hatte den leisen Verdacht, dass an diesem "Bahnhof" nicht alle Züge halten werden. Der "Hauptbahnhof ist wohl  "Fetesti Gare" - aber der ist nach der Karte gut 7-8 km weiter von der Pension weg. 
Ich bin etwas geknickt. Da kommt ein Mann über die Gleise. Schichtwechsel an der Mautstation. Auch er versichert mir "Da!Da!!" Hier Zug! "Da!! Da!! Bicileta!" "Bilete Station". Das Häuschen da hinten ist also der Bahnhof.
Ich gehe hin. Tatsächlich es gibt einen Bahnhofsvorsteher. Der mir ebenfalls versichert, dass bald ein Zug kommt und dass ich den Fahrschein im Zug bekomme!
Na dann! Der Wind bläst mich fast vom Bahnsteig. Die Softshelljacke habe ich zu spät rausgeholt. Jetzt wird mir nicht mehr warm!
Jetzt trudeln immer mehr Leute ein. Hauptsächlich Roma. Jetzt glaube ich, das hier ein Zug halten wird, nachdem bereits 2 weitere "Schnellzüge" vorbeigerauscht sind.
Und er kommt. Sogar ein Niederflurzug. Schnell hilft mir jemand,  das Hinterrad in den Zug zu hieven. 
Alles easy! Der Schaffner ist total nett. Als ich frage, was das Fahrrad kostet, stupst er mich mit dem Ellenbogen in die Seite und zwinkert mir zu. "Bicicleta free!" Und lacht. Er will aber ganz offensichtlich kein Trinkgeld. Das macht er, weil ihm gefällt, dass ich aus Germania den ganzen Weg gekommen bin, um in "Fetesti Bratul" einzusteigen.-Ganz bestimmt, das liegt nicht an meinem fehlenden Sensorium für Bakschisch  Situationen.
Auf dem Bahnsteig, bei dem immer böiger werdenden Wind,  ist mir der '"ketzerische Gedanke" gekommen - warum bleibst zu nicht einfach  im Zug bis Constanta sitzen? Muss ich mich wirklich noch einen 4. oder 5. Tag in den Wind stellen, nur um der lieben "Prinzipien" willen. Bin ich denn ein Prinzipienreiter?!!! 
Als mich der Schaffner nach meinem Reiseziel frag, t sage ich kleinlaut: "Constanta"
Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich diese 55 Kilometer im Zug genossen habe und ganz besonders beim Blick aus dem Fenster! Das Schilf am Ufer der Donau liegt flach, dem Zug entgegen, also Wind vom Meer, wie gehabt. Die Pappeln stehen schräg in der Landschaft! Herrlich! Und ich im warmen vollbesetzten Zug. Ganze Roma Clans steigen in den nächsten Dörfern zu. Ein älterer Herr mit Hut und Stock, 2 bis 3 jüngere Männer, 4-5 Frauen, von denen 3 ein Baby auf dem Arm haben und eine unübersehbare Schar von Kindern aller Altersgruppen.
Mein Fahrradhelm amüsiert sie köstlich. Der Clanchef macht einen Scherz über meinen Helm, alle lachen! Dann ziehen alle ein Abteil weiter. Akkordeonspieler gehen durch die Abteile und spielen Musette Walzer. Im Nu, bin ich in Constanta.

Am Ziel meiner Reise: Am Schwarzen Meer!

Einer Reise, die abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Einer Reise, die mir aber auch erheblich Anstrengungen abverlangte!
Einer Reise, die mich nicht nur mit Erbaulichem und Schönen konfrontierte.
Einer Reise, bei der ich - ganz anders als letztes Jahr, als ich mich zu meinem "Sehnsuchtsort", einer 2. Heimat aufmachte,-wirklich in eine mir unbekannte und "fremde" Welt eintauchte.
Manches wurde mir auf sehr sympathische Weise vertrauter, vieles lernte ich lieben und schätzen, manches blieb mir weiterhin "fremd",
Unterm Strich eine gigantische Reise, auf der ich viel gesehen und viel gelernt habe. Und von der ich noch gar nicht so richtig begreife, dass ich es geschafft habe!

Aber bitte schön:

Das Schwarze Meer!


Und hier Euer Blogger!

Da ich gestern nicht im Internet nach einem Hotel suchen konnte, mache ich mich auf den Weg nach Mamaia. 
Jetzt gönne ich mir noch ein paar Tage "Luxus"!
Gleich am Anfang der Halbinsel fahre ich am Büro des Busunternehmens "Atlassib"vorbei. Warum nicht mal reinschauen!
Atlassib,das habe ich schon in Deutschland herausbekommen,  fährt viele Städte in Deutschland an. U.a. auch Freiburg.
A B E R-  im Internet schreiben sie ausdrücklich, dass sie keine Fahrräder mitnehmen!!!
Ich gehe trotzdem rein.
Florin, der junge Reisekaufmann:"Bike kein Problem Wohin möchten Sie fahren!"
Freiburg. Nächste Woche! Dienstag? Ankunft: Donnerstag Nachmittag in Freiburg!
Ok ??? !!!
Ich bin immer noch misstrauisch. Aber er versichert mir, das Fahrrad koste nichts extra, das sei mein Gepäck!
Ok ?? !!
Ich buche also gleich für kommenden Dienstag. 4 Tage Mamaia sollten mir reichen. Der Bus fährt um 23.00 ab.

Einen kleinen Fehler bemerke ich allerdings jetzt erst im Hotel. Es wäre auch möglich, mit Umsteigen in Böblingen,  bis Singen zu kommen. Ich werde versuchen,  das Morgen noch zu ändern. Wenn nicht, dann halt Freiburg. Da wird mich auch jemand abholen!

Was habe ich auf dieser Reise vielleicht wirklich gelernt?
Ich mache mir immer noch  zu viele Gedanken über die nächsten und übernächsten Schritte! Meistens regelt sich alles zum richtigen Zeitpunkt vor Ort viel einfacher. 
Wozu  in die Zukunft grübeln, - lass sie doch erst Mal Gegenwart werden! 

Ich finde ein schönes Hotel. Direkt am Strand, die Stadt noch in angenehmer Nähe für Sightseeing -Touren mit dem Rad!
Es stürmt und pfeift! Der Sturm rennt mit unverminderter Kraft gegen das Festland an. Aber die Badegäste gehen trotzdem an den Strand.


So ein aufgewühltes, sturmgepeitschtes Meer hat auch etwas! Zumal es mit 23° Lufttemperatur immer noch warm ist. Wie warm das Meer ist, werde ich Morgen herausfinden!


Die Pier  ist heute ein "Vergnügungspark" der besonderen Art, man weiß nie, welche Welle, wo von unten gegen die Bretter knallt. Dann spritzt es gewaltig. Ich werde 2 x durch und durch nass.
Constanta scheint auf den ersten Blick noch nicht vom internationalen Gleichmachertourismus überrollt worden zu sein. Es gibt in den Hotels wie zu Zeiten des Sozialismus noch die guten alten Selbstbedieungsrestaurants, in denen es all die leckeren, deftige und sehr gehaltvollen Speisen gibt, die der Rumäne auch gerne im Urlaub isst, - und zu sehr vernünftigen Preisen. 
Die Souverniergeschäfte sind  nicht sehr üppig ausgestattet. Postkarten scheinen ausgestorben zu sein. Ich hätte gerne 1-2 geschrieben. Fehlanzeige!



Nun wieder ohne Helm! Ungewohnt!
Bis Dienstag werde ich Euch weiter berichten.
Dann hat der Blog ausgebloggt!
Schade eigentlich!





  

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