42.Tag: Von Izlaz nach Zimnicea
Vila Giulia ist besonders. Besonders Victor, der sicher einmal Vittorio geheissen hat. Die Pension ist ein einziges Museum. Ich habe in einem Teil der Ostasienabteilung geschlafen.
Am Morgen wartet Vittorio schon im Bademantel auf mich, um mit mir zu Frühstücken. Er mit einer Zigarette und einem Kaffee. Ich mit allem was in Rumänien dazu gehört. Einschließlich der italienischen Wildschweinsalami.
Vittorio erzählt mir, dass sein 12jähriger Sohn (die Rechenmaschine geht runter: Er Anfang Mitte 60, seine Frau deutlich jünger...) gerade den Mathematikwettbewerb für Schüler in Rumänien gewonnen hat.
Nach dem Frühstück zeigt er mir in "Museum" - unglaublich, dass er dies Alles aus Italien rausschaffen konnte, von Etruskisch, über Römisch, religöse Malerei aus dem 17.Jahrhundert. Skulpturen... ein wahnsinniges Sammelsurium. In Familienbesitz in der 3.Generation. In seinem Arbeitzszimmer viele Dutzend Pokale von Oldtimerrennen. Er habe in Rom 16 Oldtimer gehabt.
Man könnte ihn für einen Aufschneider halten. Aber so wirkt er nicht.
So oder so, es ist sehr amüsant, sich mit ihm zu unterhalten. Wieder erzählt er von seiner Alten-WG. Sieht er mich als potentiellen WG-Genossen? 1300 Euro im Monat, Vollpension, das ist doch nicht teuer.
Es dauert etwas bis ich mich heute auf den Weg machen kann.
Ciao, Vittorio!
Die ersten Kilometer, meine Walachei! Alle grüßen, alle lachen, Kinder klatschen ab.
"De done eres?"-"Alemania"- Muuy bien". Das gibt neuen Antrieb.
Die Fuhrwerke werden hier mehr von kleinen Eselchen gezogen, - weil sie sich Pferde nicht leisten können?
Hier sehe ich auch, wie man (es sind hauptsächlich die Frauen) "traditionell" die Kerne aus der Sonnenblume bekommt. Man nimmt einen Stock und schlägt so lange auf die Rückseite, bis alle Kerne auf dem ausgebreiteten Tuch liegen.
In Traian und den nächsten beiden Ortschaften ändert sich das Bild mit einem Schlag.
Zum einen hat sich der traditionelle Haustyp verändert. Fast alle Häuser haben eine verglaste Veranda.
Oft sind sie frisch gestrichen und sehen sehr ansprechend aus.
Diese Art Wintergarten hat sich sicher in den kalten Wintern hier bewährt. Vittorio erzählte, es könne hier bis zu -30° kalt werden.
Viele dieser Häuser sind mit Lehmziegeln gebaut.
ABER DANN:
UND DIES
UND DIES
Ich bin sprachlos.
Ganz Traian ist eine einige Baustelle. 2stöckige Häuser, 3stöckige Häuser, Rohbauten, halbfertige Häuser, fertige Häuser.Die meisten leer. Unbewohnt.
Alle haben Säulen, Balkone, Veranden, Aluminumtüren, Metallzäune.
Als hätte ein Raumschiff vom Planeten "Dallas" Häuser abgeworfen!
Was ist hier passiert? Man muss sich zum Kontrast dagegen, die kleinen Häuschen des restlichen Dorfes vorstellen.
Ich schaue genauer hin. Dort wo jemand wohnt, stehen Autos mit spanischen Kennzeichen in der Auffahrt.
Ein goldener BMW, ein goldener Jeep, ein goldener Landrover. Alle haben Tribal Motive.
Welche seltsame Säulenkrankheit hat hier die Menschen befallen? Welch seltsamer Schaut-her-ich-habe-es zu-etwas-gebracht-Wettbewerb ist hier ausgebrochen?
Das "Onkel-aus-Amerika"-Syndrom, klar. Aber womit haben Leute aus 3 Dörfern so viel Geld gemacht? Als Pizzabäcker und Bauarbeiter in Spanien?
Was mich mindestens genau so sehr beschäftigt sind folgende Fragen:
Wer soll in diesen Riesenhäusern wohnen? Sie haben Platz für 15 und mehr Menschen.
Wie werden sie diese Häuser im Winter heizen? Haben sie riesige Holzstapel hinterm Haus? Zentralheizung?
Haben Sie Bäder und Toiletten im 3.Stock? Und wie kommt das Wasser da hinauf? Keines dieser Dörfer hat Wassertürme. Hochtanks habe ich auch nicht gesehen!
Werden die Erbauer dieser Häuser wirklich jemals in ihre Heimatdörfer zurückkehren, um wieder hier zu leben?
An einer ganze Reihe dieser Monumente der "Verlorenheit-zwischen-den-Welten" wird offensichtlich schon seit mehreren Jahren gearbeitet. Oft sind die Fenster mit Brettern vernagelt. An manchen sieht man schon erste Anzeichen des Verfalls.
Manche haben es klüger angefangen und "nur" das Elternhaus hergerichtet.Sie sehen schön aus, die Häuschen, frisch gestrichen, frische Zäune, Warmwasseraufbereitung auf dem Dach. Sie werden funktionieren. Als "Elternhaus" und Sommerfrische - solange die Kinder mitkommen wollen.
Dörfer geprägt durch europäische Arbeitsmigration.
In der"Casa Verde" habe ich vorgestern in Bechet eine erfolgreiche Geschäftsfrau kennengelernt, die mit ihrer Pension in ihrer Heimat wieder leben kann.
Vittorio der der Liebe wegen in Izlaz gelandet ist und sich einen Freundeskreis kaufen möchte.
Und die vielen, denen es hauptsächlich darum geht, den Daheimgebliebenen zu zeigen, dass sie es geschafft haben.
3 Dörfer, dann ist Schluss. Ab Lisa ändert sich die Landschaft wieder. Es wird Viehzucht betrieben. Weiden, Flüsse, fruchtbare Äcker. Die Dörfer sind in Schuss, die Häuser zeigen jedoch wieder andere Baumerkmale.
Jetzt sieht man "osmanische" Einflüsse.
Die Tor- und Fensterbögen laufen in einer Spitze zusammen.
Diese Dörfer entwickeln sich langsamer
Noch haben die Kinder Ferien. Der Sommer ist lang,- Langeweile? So ein Blödsinn!
Es fasziniert mich, wie unterschiedlich die Dörfer sind, wie viel es zu sehen gibt und wie wenig ich wirklich begreife. Widersprüchlicher kann ein Reise nicht sein.
Oben eine neue hergerichtete Kirche, dann wieder eine selbstgebaute "Kapelle".
Goldene Landrover und rot gepunktete Brunnen
Die 75 km vergehen wie im Fluge, trotz des leichten Gegenwindes, der mir den ganzen Tag schräg von vorn entgegenblies.
In der Walachei muss es ein Wurmloch geben. Mein Raum-Zeit-Gefüge ist durcheinander geraten. Schon gestern bei Vittorio habe ich mich gewundert. Er meinte, er habe mich erst Morgen erwartet. Auch heute in Zimnicea bin ein Tag zu früh. Da habe ich beim Buchen wohl die Tage etwas durcheinander gebracht, oder...?
Zimnicea ist ein typisches ländliches Zentrum. Man kommt in die Stadt um einzukaufen und einen drauf zu machen. Das Hotel Inter am Park im Stadtzentrum hätte ich hier nicht erwartet. Ich genieße den Luxus eine 4 Sterne Hotels.
Seit Belgrad habe ich keinen Ruhetag mehr eingelegt. Es wird Zeit, dass ich wieder etwas Tempo rausnehme.
Morgen in Giurgiu werde ich einen Tag Pause machen und mir auch die Schwesterstadt Ruse auf dem anderen Donauufer in Bulgarien anschauen.
Was ich mir merken muss:
Was ich heute endlich gelernt habe. Wenn mir Fuhrwerke entgegen kommen und ein Sprinter oder Lastwagen zu sehen ist. Bremsen. Warten. Es geht immer so aus, dass der Sprinter das Fuhrwerk genau dann überholt, wenn du auf gleicher Höhe bist. Also halte lieber an!! Heute hätte mich einer fast in den Graben katapultiert. Es reicht schließlich, wenn einige Hundert Libellen im Kühlergrill hängen!!!
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Jetzt habe ich dich wieder. Lese deinen Blog von Vancouver aus.
AntwortenLöschenHubert