Montag, 8. September 2014

49. Tag: 3. Tag in Constanta - und letzter "Post" von "Richtungswechsel".

Der Sturm ist vorbei. Der Sommer auch. Es ist zwar noch warm, aber ab heute wird "eingepackt".

Eigentümliche Stimmung heute am Strand. Abschiedsstimmung, "Abschied vom Sommer". Das Hotel hat sich nach dem Wochenende geleert. 
Die Sonnenschirme werden ausgegraben, die Liegen auf Traktoren geladen. 
Passt zu meinem vorletzten Tag in Constanta.
Nach dem Frühstück ein ausgedehnter Strandspaziergang. Es ist unglaublich, wie viele Muscheln es am "Schwarzen Meer" gibt, der Strand ist nach dem Sturm mit Muscheln bedeckt - aber auch mit Quallen.

Und zwar richtig großen. Ob ich meinen Plan, wenigstens einmal im Schwarzen Meer zu schwimmen wirklich umsetzten soll???
Aber erst einmal Stadtbesichtigung 2.Teil:
Ich fahre noch einmal an meinem Busbüro vorbei, um zu klären, ob ich für Singen umbuchen kann. Kein Problem, ich soll einfach mit dem Busfahrer reden, vorher aussteigen immer!
D.h. - Am Donnerstag sollte ich zurück sein!!
Dann noch einmal die Innenstadt. Ich radle den Schildern Centru nach, und dann wieder Centru, sollte ich schon durch sein, wieder Centru, große Boulevards, aber ohne markantes Zentrum.
Ich fahre die "Ex-Stalin-Allee" entlang

Und dann den "Ex-Ceausescu-Boulevard" 

Irgendwann stoße ich auf die Fußgängerzone.

Das "Ex-Kaufhaus-Völkerfreundschaft" heißt jetzt "Tomis-Mall". 
Auffallend die unglaublich vielen stämmigen Herren in schwarzen oder dunkelblauen Uniformen und Springerstiefeln. Auf dem Rücken: "Security" - Sollte ein amerikanischer "Sicherheits-Konzern" die Herren von der "Securitate"geschlossen übernommen haben? Ein Schelm wer böses dabei denkt!
Ob sich in den letzten Jahren für die Mehrheit der Menschen hier wirklich viel geändert hat? - Außer den neuen Namensschildern?

Ich drehe noch ein paar Runden. Der Stadtpark, der Hafen, das Stadttheater.... ok, 
Mamaia  ist da wirklich die bessere Option.
Gemütlicher Mittag am Strand - ich habe in einer "Mall" sogar eine Buchhandlung mit englischen Büchern gefunden- der Tag ist gerettet.
UND ICH BIN ("habe" für meine Norddeutschen Freunde) IM MEER GESCHWOMMEN!! Es war sogar noch recht warm!

Fazit: 2.Teil

Dann ist es aber auch wirklich gut:

Auf meiner Reise durch 7 Länder hat sich mal wieder bestätigt, dass Walter Mehring wirklich recht hatte mit seiner "Müller, die Chronik einer Sippe". Seit unser Ahnherr, in Rom um das Jahr 32 v.u.Z.  in einem römischen Bordell gezeugt wurde, haben wir uns mit großer Beharrlichkeit über ganz Europa verbreitet. Daran konnten die millionenfachen Ariernachweise für Müllers nichts ändern.
In Budapest hat mich ein älterer Herr freundlich mit "Gabor" begrüßt und konnte es einfach nicht verstehen, dass ich kein Ungarisch kann.
In Belgrad war ein  anderer Herr felsenfest davon überzeugt, dass ich "Slatko"sei und fand es gar nicht lustig, dass ich mich nicht mit ihm unterhalten wollte. In Rumänien wurde ich  verschiedentlich wie ein alter Bekannter begrüßt (natürlich nur, wenn ich gerade nicht meine seltsame Kleidung und den Helm auf hatte!). Und heute auf einem Straßenmarkt, als ich mir ein leckeres Baklava genehmigte, wurde ich gefragt, ob ich "Turkishmann sei!"
Der "ideelle Gesamt-Müller" fällt einfach nirgendwo auf!

Und nun:

FNAQ oder QNEA!

(Frequently not asked questions - Questions nobody ever asked)

1. 2981 km
2. keine
3. nichts
4. null
5. 2x
6. nein, Marillen, Pfirsiche, Pflaumen
7. Wind und Sprinter
8.  Fischessen und türkisch Kaffee
9. der Wasserturm von Vucovar
10. einen Regenponcho, eine Unterhose, das Kamerasäckchen
11 Christel und Carlheinz und Dina und Karoly
12. Karolys Walnussschnaps
13. Victor
14. 1.500.000 kleine Kreise
15. Friederike

Schlusswort:

Es hat fast 3.000 km und viele neue Erfahrungen gebraucht um den wirklichen Titel für meinen Blog zu finden: Er sei hiermit umbenannt in

"Besh o droM"

Lässt sich nicht einfach übersetzen. Am besten gefällt mir die englische:

"Ride the Road"

Besh o droM ist in Lovari Roma ein sehr komplexer Begriff. Wer ihn erahnen will muss sich die Gruppe mit gleichem Namen anhören!


Bis bald in Engen!

Sonntag, 7. September 2014

48.Tag: Erster Ruhetag in Constanta

Es stürmt immer noch. Aber hier am Strand, stört es nicht. 
Heute Morgen etwas Sightseeing, mit dem Rad ist das sehr entspannt. Ganz in der Nähe ein Kloster. Holzkirche. Sonntagsgottesdienst. Die Messe wird nach außen übertragen! Die Mönche singen die Messe. Klingt sehr schön. Mehrstimmiger Gesang, schöne Stimmen.




Sonntag ist auch Markttag. Ein ganzes Viertel Marktstände, Markthallen - fast wie in einem Bazar.



Gegen Mittag hat der Wind die dunklen Wolken vertrieben. Zeit, um an den Strand zu gehen. 
Für heute Abend habe ich mich für eine Massage eintragen lassen. Nach so viel harter Arbeit, haben meine Beine auch etwas Aufmerksamkeit verdient - oder? 

Auch eine Art von Fazit:


Auf den endlos langen Fahrten durch die Puszta und die kleine und große Walachei muss man sich mit irgend etwas beschäftigen.  Ich schreibe oft in Gedanken am Blog. Doch das ist ein sehr heikles Unterfangen. Denn kaum habe ich in meinem "Mentalen-Blog" geschrieben. 
"Herrlicher Morgen, Rückenwind, Wolken schießen an mir vorbei.."- macht die Straße eine 90° Kurve und der Seitenwind treibt mich fast in den Graben! Also lieber nicht bloggen, ehe  das Tagesziel erreicht ist.
Singen ist auch eine schöne Sache. Ich krame in meinem Gedächtnis so ziemlich alle Lieder hervor und schmettere alle Strophen, die mir so einfallen in den Tag. 
Nachteil dieser Beschäftigungsart: Ist die Tagesetappe sehr hügelig reicht die Luft meist nur für Fahren oder Singen. Am Straßenrand zu stehen und "I´m leaving on a jetplane.." zu singen, wäre mir dann doch sehr egozentrisch vorgekommen und hätte mich nicht wirklich vorwärts gebracht.

Kopfrechnen, das geht auch im "bergauf". Also rechne ich:

Ich zähle zuerst, wie viele Pedalbewegungen ich auf 100m mache. "Kleine Kreise, linkes Bein - kleine Kreise, rechtes Bein". 
Je nach eingelegtem Gang bewegt sich jedes Bein zwischen 18 und 24 mal im Kreis. 
Nehmen wir 20, damit es sich leichter rechnet, wahrscheinlich sind es mehr, denn ich bin vom Typ her eher der "Schnelltreter" und nicht der "Krafttreter", das heißt ich mache lieber viele Kreise, als dass ich einen größeren Gang einlege und mehr Kraft aufwende (das kann man übrigens auch bei Radprofis beobachten, dass es tendenziell diese "Typen" gibt).
Also:
Linkes Bein 20x und rechtes Bein 20x = 40
100m  -                  40
1000m -               400
10 km  -             4000
100km-           40.000
1.000km-        400.000
3.000km -     1.200.000 kleine Kreise.

Doch die Felder der Walachei sind enorm gewesen, da konnte ich endlos weiter rechnen.
Die "Kurbeln" an denen die Pedale meines Fahrrades sitzen, haben eine Länge von 17 cm.
Meine kleinen Kreise haben also einen Radius von 17.
Ohweia - wir berechnet man noch gleich den Umfang eines Kreises?
Habe ich am Abend nachgeschlagen - ist mir nicht mehr eingefallen.
Aber am nächsten Tag kamen ja wieder genügend Felder:

Umfang des Kreises: u = 2 π r
Jetzt geht es weiter:
34 x π 
Jetzt wird es mit dem Kopfrechnen und dem Konzentrieren auf die Schlaglöcher etwas problematisch.
Aber es sollten so um die 107 cm sein, leicht aufgerundet.
Also weiter:
Auf 100 m macht ein Fuß 20 Kreisbewegungen - das sind 20x107cm = 2140 cm = 21,4 m, 
beide Beine = sind also 42,8 m.
 Wenn ich richtig in der Walachei gegrübelt habe, dann
sind das:
auf 100m -       42,8m
auf     1km      428 m
auf    10km        4,28 km
auf   100 km     42,8  km
auf   1000 km   428  km
auf    3000 km   1.284 km

Meine Beine haben keine 3.000 km zurückgelegt sondern nur  1.284 km, d.h. 642 km das linke Bein und 642 km das rechte Bein- und dabei sicher weniger Energie verbraucht als dies bei  Schritten der Fall gewesen wäre!  
Deshalb ist das Fahrrad eine der genialsten Erfindungen der Menschheit!
Wer würde mir da nicht Recht geben!
Ja ich habe mir viel zusammen gerechnet und zusammen gesponnen auf dieser Reise, keine Frage.

Es folgt Morgen, das letzte abschließende Fazit, die Antwort auf all die Fragen, die mir niemand stellte: 

FDMNS oder QNEA (Questions nobody ever asked)

  



Samstag, 6. September 2014

47. Und letzter Reisetag: Von Fetesti nach Constanta.

Vielen Dank, Christoph!


Heute Nacht habe ich noch ein kostenloses Konzert miterleben dürfen. Rumänischer Sinti-Pop. Bass, Schlagzeug und verstärkte Geige. Treibende Beats, schnelle Bassläufe und trotzdem sehr swingend. Hat mir sehr gefallen. Ich war sogar versucht, noch mal aufzustehen. Aber das hatte nach geschlossener Gesellschaft ausgesehen, nicht nach Konzert.
Am Morgen erfahre ich von der jungen Damen, die mir einen Kaffee macht - um halb 6!, dass es eine Goldene- oder Silberne Hochzeit gewesen ist.
Es ist noch dunkel als ich losfahre. Mein Licht funktioniert noch einwandfrei, trotz der vielen Ruckelpisten der letzen Wochen.
Der Wind pfeift ungebrochen. Die Kilometer zum Bahnhof juckt er mich nicht.
Es ist noch dunkel, als ich am "Bahnhof" ankomme.

Die Mautstation nebenan ist hell erleuchtet. 
Im Fahrplan sind 2 Züge mit dem Fahrradmitnahmezeichen. Einer um 6.33, den will ich nehmen. Einer um 22.30.
Es dämmert.


Es wird hell. Ich bin allein auf dem Bahnsteig. Der Wind bläst immer heftiger. Mir wird langsam kalt. Ob ich am letzten Tag meiner Reise - wie am ersten, die Softshelljacke rauskramen muss? Ist vielleicht besser!
Dann um 7:40 kommt der Zug! - Und rattert vorbei. Ohne anzuhalten! 
Wozu bin ich mitten in der Nacht aufgestanden!! Das kommt davon, wenn man zu viel im Internet recherchiert!
Ich hatte den leisen Verdacht, dass an diesem "Bahnhof" nicht alle Züge halten werden. Der "Hauptbahnhof ist wohl  "Fetesti Gare" - aber der ist nach der Karte gut 7-8 km weiter von der Pension weg. 
Ich bin etwas geknickt. Da kommt ein Mann über die Gleise. Schichtwechsel an der Mautstation. Auch er versichert mir "Da!Da!!" Hier Zug! "Da!! Da!! Bicileta!" "Bilete Station". Das Häuschen da hinten ist also der Bahnhof.
Ich gehe hin. Tatsächlich es gibt einen Bahnhofsvorsteher. Der mir ebenfalls versichert, dass bald ein Zug kommt und dass ich den Fahrschein im Zug bekomme!
Na dann! Der Wind bläst mich fast vom Bahnsteig. Die Softshelljacke habe ich zu spät rausgeholt. Jetzt wird mir nicht mehr warm!
Jetzt trudeln immer mehr Leute ein. Hauptsächlich Roma. Jetzt glaube ich, das hier ein Zug halten wird, nachdem bereits 2 weitere "Schnellzüge" vorbeigerauscht sind.
Und er kommt. Sogar ein Niederflurzug. Schnell hilft mir jemand,  das Hinterrad in den Zug zu hieven. 
Alles easy! Der Schaffner ist total nett. Als ich frage, was das Fahrrad kostet, stupst er mich mit dem Ellenbogen in die Seite und zwinkert mir zu. "Bicicleta free!" Und lacht. Er will aber ganz offensichtlich kein Trinkgeld. Das macht er, weil ihm gefällt, dass ich aus Germania den ganzen Weg gekommen bin, um in "Fetesti Bratul" einzusteigen.-Ganz bestimmt, das liegt nicht an meinem fehlenden Sensorium für Bakschisch  Situationen.
Auf dem Bahnsteig, bei dem immer böiger werdenden Wind,  ist mir der '"ketzerische Gedanke" gekommen - warum bleibst zu nicht einfach  im Zug bis Constanta sitzen? Muss ich mich wirklich noch einen 4. oder 5. Tag in den Wind stellen, nur um der lieben "Prinzipien" willen. Bin ich denn ein Prinzipienreiter?!!! 
Als mich der Schaffner nach meinem Reiseziel frag, t sage ich kleinlaut: "Constanta"
Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich diese 55 Kilometer im Zug genossen habe und ganz besonders beim Blick aus dem Fenster! Das Schilf am Ufer der Donau liegt flach, dem Zug entgegen, also Wind vom Meer, wie gehabt. Die Pappeln stehen schräg in der Landschaft! Herrlich! Und ich im warmen vollbesetzten Zug. Ganze Roma Clans steigen in den nächsten Dörfern zu. Ein älterer Herr mit Hut und Stock, 2 bis 3 jüngere Männer, 4-5 Frauen, von denen 3 ein Baby auf dem Arm haben und eine unübersehbare Schar von Kindern aller Altersgruppen.
Mein Fahrradhelm amüsiert sie köstlich. Der Clanchef macht einen Scherz über meinen Helm, alle lachen! Dann ziehen alle ein Abteil weiter. Akkordeonspieler gehen durch die Abteile und spielen Musette Walzer. Im Nu, bin ich in Constanta.

Am Ziel meiner Reise: Am Schwarzen Meer!

Einer Reise, die abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Einer Reise, die mir aber auch erheblich Anstrengungen abverlangte!
Einer Reise, die mich nicht nur mit Erbaulichem und Schönen konfrontierte.
Einer Reise, bei der ich - ganz anders als letztes Jahr, als ich mich zu meinem "Sehnsuchtsort", einer 2. Heimat aufmachte,-wirklich in eine mir unbekannte und "fremde" Welt eintauchte.
Manches wurde mir auf sehr sympathische Weise vertrauter, vieles lernte ich lieben und schätzen, manches blieb mir weiterhin "fremd",
Unterm Strich eine gigantische Reise, auf der ich viel gesehen und viel gelernt habe. Und von der ich noch gar nicht so richtig begreife, dass ich es geschafft habe!

Aber bitte schön:

Das Schwarze Meer!


Und hier Euer Blogger!

Da ich gestern nicht im Internet nach einem Hotel suchen konnte, mache ich mich auf den Weg nach Mamaia. 
Jetzt gönne ich mir noch ein paar Tage "Luxus"!
Gleich am Anfang der Halbinsel fahre ich am Büro des Busunternehmens "Atlassib"vorbei. Warum nicht mal reinschauen!
Atlassib,das habe ich schon in Deutschland herausbekommen,  fährt viele Städte in Deutschland an. U.a. auch Freiburg.
A B E R-  im Internet schreiben sie ausdrücklich, dass sie keine Fahrräder mitnehmen!!!
Ich gehe trotzdem rein.
Florin, der junge Reisekaufmann:"Bike kein Problem Wohin möchten Sie fahren!"
Freiburg. Nächste Woche! Dienstag? Ankunft: Donnerstag Nachmittag in Freiburg!
Ok ??? !!!
Ich bin immer noch misstrauisch. Aber er versichert mir, das Fahrrad koste nichts extra, das sei mein Gepäck!
Ok ?? !!
Ich buche also gleich für kommenden Dienstag. 4 Tage Mamaia sollten mir reichen. Der Bus fährt um 23.00 ab.

Einen kleinen Fehler bemerke ich allerdings jetzt erst im Hotel. Es wäre auch möglich, mit Umsteigen in Böblingen,  bis Singen zu kommen. Ich werde versuchen,  das Morgen noch zu ändern. Wenn nicht, dann halt Freiburg. Da wird mich auch jemand abholen!

Was habe ich auf dieser Reise vielleicht wirklich gelernt?
Ich mache mir immer noch  zu viele Gedanken über die nächsten und übernächsten Schritte! Meistens regelt sich alles zum richtigen Zeitpunkt vor Ort viel einfacher. 
Wozu  in die Zukunft grübeln, - lass sie doch erst Mal Gegenwart werden! 

Ich finde ein schönes Hotel. Direkt am Strand, die Stadt noch in angenehmer Nähe für Sightseeing -Touren mit dem Rad!
Es stürmt und pfeift! Der Sturm rennt mit unverminderter Kraft gegen das Festland an. Aber die Badegäste gehen trotzdem an den Strand.


So ein aufgewühltes, sturmgepeitschtes Meer hat auch etwas! Zumal es mit 23° Lufttemperatur immer noch warm ist. Wie warm das Meer ist, werde ich Morgen herausfinden!


Die Pier  ist heute ein "Vergnügungspark" der besonderen Art, man weiß nie, welche Welle, wo von unten gegen die Bretter knallt. Dann spritzt es gewaltig. Ich werde 2 x durch und durch nass.
Constanta scheint auf den ersten Blick noch nicht vom internationalen Gleichmachertourismus überrollt worden zu sein. Es gibt in den Hotels wie zu Zeiten des Sozialismus noch die guten alten Selbstbedieungsrestaurants, in denen es all die leckeren, deftige und sehr gehaltvollen Speisen gibt, die der Rumäne auch gerne im Urlaub isst, - und zu sehr vernünftigen Preisen. 
Die Souverniergeschäfte sind  nicht sehr üppig ausgestattet. Postkarten scheinen ausgestorben zu sein. Ich hätte gerne 1-2 geschrieben. Fehlanzeige!



Nun wieder ohne Helm! Ungewohnt!
Bis Dienstag werde ich Euch weiter berichten.
Dann hat der Blog ausgebloggt!
Schade eigentlich!





  

Freitag, 5. September 2014

45.und 46.Tag: Von Oltenita nach Calarasi und von da nach Fetesti

Sorry, ich hoffe ihr habt Euch keine Sorgen gemacht. Es war das WiFi in einem **** Hotel in Calarasi,das hat mich nicht rein gelassen hat und heute hier, in der absoluten Abgeschiedenheit ist auch noch nicht sicher, ob ich das gesendet bekomme. Ich denke,  ich mache mal halblang mit Bildern, denn die Leistung vom WiFi ist unterirdisch.
Die letzten  Tage waren heftig.
Sturm, Sturm, Sturm, Gegenwind von 10.00,11:00 und voll auf die Glocke. Es zermürbt, wenn man über lange Zeit hinweg mit 7- 8 km/h durch die Felder schleicht und dabei aufpassen muss, dass einen die Sturmböen nicht von der Straße fegen - das ist wörtlich gemeint!! Kommen dann noch Lastwagen hinzu - die noch zusätzlich "Alles" verwirbeln, dann wird man zum Spielball.
Vorgestern in der Pension Azaro habe ich Dan Wood getroffen. Der hat doch tatsächlich diesen Sommer die ganze Donau rauf- und wieder runter geschafft, 8.000km. Auch er war nicht wirklich froh über diese Wetterlage.
Auf der Strecke gestern und heute entdecke ich am Rand der Feder Hanf. Schöne Blüten.

 Wird wohl zum Seile machen gebraucht! Oder sollte ich mir ein paar Blätter in die Backe stecken?

Calarasi erreiche ich um 14:30.
Die Ruine eines Atomkraftwerkes begrüßt den Gast beim Ortseingang

 und finde heraus, dass mein Hotel „Baden“, das ich mir natürlich des Namens wegen rausgesucht hatte, leider noch einmal gut 10 Kilometer Richtung bulgarische Grenze liegt. Und Morgen wieder zurück? Den Berg wieder hoch? Nö!
 Ich will auf gar keinen Fall die Gebirgsstrecke nach Constanta fahren. Die geht  über die 150 km und dazwischen kaum Übernachtsmöglichkeiten. Ich bleibe auf dieser Seite und fahre über Fetesti! Wie ich schon erwähnte, kommt man von dort aber nur über die mautpflichte Autobahn oder mit der Eisenbahn hinüber nach Cernadova. Von dort aus geht es dann, so behauptet jedenfalls die Karte gemütlich am Donau-Schwarzmeer-Kanal entlang.
 Ich entdecke jenes  **** Hotel, am Ortsausgang, biege ab und lasse in "Baden" absagen. Die nette Dame von der Rezeption hilft mir auch noch bei der Suche nach einer Zugverbindung. Denn von Fetesti komme ich in meine Richtung nur mit dem Zug oder über die Autobahn weg. Sie druckt mir den Zugfahrplan aus. Es gibt tatsächlich einige Züge, die Radmitnahme haben. Allerdings nur sehr früh oder sehr spät am Tag.

 5.9.2014:
Heute Morgen, ich schaue aus dem Fenster, die Pappel beugen sich heftig - in die falsche Richtung.

Der Wind hat noch an Stärke zugenommen. Und natürlich immer noch Gegenwind. D.h. lange Zeit 10:00 oder 11:00  - also linke Schulter vor und schauen das man nicht in den Graben fährt. Das Gute an der heutigen Strecke ist, dass wirklich ein Straßendorf nach dem anderen kommt. Die freien Flächen sind nicht so lang.
In den Ortschaften bin ich etwas windgeschützer.
Außerdem ist heute wieder mehr Abwechslung geboten. Ein sehr schönes Kloster. Ganz aus Holz, mit tollen Bildern und Verzierungen.




 Die Mönche sind viel lockerer als in anderen orthodoxen Kirchen, in die ich mit Radlerhose nie reingekommen wäre.



Meine Reiseberaterin im Hestesi Hotel hat den Routenplaner befragt - nach Fetesti sollen es 68 km sein. Welche Freude, als ich lese, dass es nur insgesamt knapp über 50 km sind. Aber bei diesem Sturm reicht das völlig
Sie hat  auch bei der einzigen Pension in Fetesti angerufeb. Sie haben Platz.
Schon um 12:30 laufe ich in dort ein. Erkundige mich nach dem Bahnhof. Nette Leute zeigen hinunter auf die Gleise.Wo? Wo ist der Bahnhof?  Na,  da! Ich sehe nichts. Neben der Autobahn ein Bahnsteig. Und wie komme ich da hin? Sie zeigen auf einen Feldweg. So ganz wohl ist mir nicht. Ein junger Mann, den ich frage, weiß sogar, wann der nächste Zug fährt. Um 15:20 - stimmt mit meinem Fahrplan überein. Sollte ich doch mit dem Zug hier weg kommen? Ein anderer zeigt auf eine steile Treppe hinunter zur Autobahn, - soll heißen, du kannst auch auf dem Standstreifen der Autobahn fahren! Nein, danke! Oder nur, wenn es gar nicht anders geht. 
Die Pension Popescu ist ein würdigerOrt des Abschieds von meiner Donau.

Direkt am Ufer eines Donauarmes, dem Bratul Borcea, der sich hinter Harsova wieder mit dem Hauptfluss verein, habe ich heute Nachmittag Zeit,  mich von meiner Reisebegleiterin der letzten beiden Monate zu verabschieden. Ich esse ich noch einmal Donaufisch. Sheatfish - weiß mein Fischberater, was ich da gegessen habe?  Stecke eine Fuß in den schnellfließenden Fluss und schwimme dann lieber eine Runde im Pool.

Liebe Donau, du hast von hier aus noch ziemlich genau 300 km vor dir. Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass du die alleine hinter dich kriegen musst.
Ja, heute sind es bei fast die 2.900km geworden.Wenn alles klappt fahre ich Morgen entlang des Donau-Schwarzmeerkanales nach Constanta. 
Da kommt trotz der harten letzten Tage so etwas wie Wehmut auf!


Mittwoch, 3. September 2014

44.Tag: Giurgiu nach Oltenita

He ho, spann den Wagen an. 
Sieh der Wind treibt Regen übers Land!

Ich wache früh auf. Bin angespannt, wegen der 10 km Autobahn,  die ich zuerst lang muss. Die ganze Nacht ratterten Lastwagen durch meine Träume. Reale und die von gestern. 
Um 6:30 ist es noch stockdunkel. Komisch. Trotzdem möchte ich heute früh los. Vielleicht ist der Verkehr dann noch erträglich.
Auf dem Weg zum Frühstück, wird mir klar. Heute hängen die Wolken tief, tief und tief schwarz! Au weia. Zu der Stimmung passen die gelangweilten und unlustigen Damen des Motels. 
Nichts wie weg!
Die Autobahn erweist sich als weniger dramatisch, als ich befürchtet hatte.Die Standspur hat fast durchgängig ausreichende Breite. Der Verkehr ist heute Morgen erträglich. Auf der anderen Seite radeln Dutzende von Arbeitern in die Stadt..Geradeaus wären es noch 54 km nach Bukarest. 
Nach 11 km gehe ich rechts ab
 Und hinauf. Das wird ein Berg-und Talbahntag. Und der Wind pfeift.
Ein seltsamer Wind. Ganz anders als die Tage zuvor. Ein warmer, klebriger, feuchter Wind! Meerwind!!
"Sieh, der Wind treibt Regen übers Land.." Man riecht ihn, man spürt ihn, den Regen. Es hat sicher über 20° aber die Wolken rauschen nur so von rechts vorne, nach links hinten.
Eine unheimliche Stimmung auf der Hochfläche. Der Wind macht mir sehr zu schaffen. aber er ist mein "Freund" er bläst die Regenwolken in die kleine Walachei. Wo sie ihn sicher sehnlich erwarten. 

Zwischendurch wird es auch mal heller, doch die nächste Regenwand schiebt sich schnell ins Bild.


Aber wie durch ein Wunder. Ich bleibe trocken.
Es ist ein ständiges Auf und Ab. Rauf und Runter. Die Dörfen liegen oben, zwischen ihnen  ist ein kleiner Flusslauf. Im 2. oder 3. Dorf, ich quäle mich nach oben, kommen mir zwei alte Herren entgegen. Der eine macht mit den Händen Pedalbewegungen und ruf mehrmals. "La mare, la mare...!"
Ein wahres Naturtalent! Hätte es sie zu seiner Zeit schon gegeben, er hätte als Motivationstrainer ein Vermögen machen können.
Im Nationalpark Puieni Deal ein großes Waldgebiet, spürt man den Wind kaum. Ich komme endlich etwas flotter voran
Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein so großes Waldgebiet gesehen zu haben, das zu gut 90% aus Eichen besteht. 


Doch jeder Wald hat sein Ende, und wumm, die warme Keule von vorn.
Es ist nicht sehr abwechslungsreich. Die "Große Walachei" ist von Großer Agrarindustrie geprägt. Da tut sich nicht viel. 

Interessant ist jedoch, dass sich der Baustil der Häuser so häufig auf meiner Reise ändert.
In den Dörfern dieses Tages sind die,... taj, wie heißt das korrekt. Also das  Gebälk auf dem das Dach auf den  Wänden  ruht, vielleicht wissen Markus oder Hannes, wie das fachmännisch richtig heißt,
also der Übergang zwischen Wänden und Dach, .. mit Schnitzereien verziert.
Viele sind älter, aber auch an neueren Häusern sieht man schöne Schnitzereien.

Mir fällt auf, dass das Dach quasi frei aufsitzt. Soll heißen, man kann oft einen kleinen Schlitz zwischen Mauer und Dach sehen. Ich denke mal, da haben sich die Altvorderen was gedacht. Kostenlose Klimaanlage? 
Wie es sich bei heftigem Gegenwind fährt, habe ich ja ausgiebig an anderer Stelle ausgeführt. Wer will kann ja da noch mal nachlesen.
Ich schiebe mich durch den Tag.
Die Donau habe ich seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gesehen. "Donauradwanderweg"! Hört sich doch idyllisch an. Doch ehrlich gesagt, weder Donau, noch Radwege, noch Wandern! - Höchstens bergauf, wenn ich mal wieder bei langen Strecken um die 14% absteige und schiebe.
Doch ich komme gut in Oltenita an. Ein kleiner landwirtschaftlicher Marktflecken mehr. Die Pension Azaro hat zwar schon bessere Tage gesehen. Doch die Leute sind wieder nett und gesprächig. Nicht so muffig wie gestern.
Bei dem Wind ist mal wieder Wäschewaschen angesagt. - Unglaublich wie schnell alles trocken ist.
Leider läßt sich mein Zimmer nicht abschließen. Doch das wird geregelt, so lange ich Essen bin.
Die Auswahl heute ist überschaubar. Es gibt nur ein Restaurant. Das hat drei Gerichte zur Auswahl, Hühnereintopf, Eintopf mit Schweinefleisch und ein Ein Topf, den ich nicht verstanden haben. Schmeckt hervorragend. Doch für meinen heutigen Kalorienbedarf eindeutig zu wenig. Ich zeige auf den nächsten Programmpunkt auf der Kreidetafel. Ich bekomme noch einen Teller Kartoffeln und einen Hühnerschenkel. Auch sehr lecker. Jetzt bin ich satt.
Und kann mich an den Blog machen.
Heute werde ich zum ersten Mal im Fernsehen nach einem Wetterbericht schauen. Würde mich schon interessieren, ob ich morgen wieder gegen den Wind fahre. 
Die Strecke Morgen ist jedoch deutlich kürzer, keine 80km und vor allem keine <<>>>!


Dienstag, 2. September 2014

43.Tag: Von Zimnicea nach Giurgiu

Das Hotel Inter, in dem ich übernachtet habe, heißt mit vollem Namen Inter Agro und gehört zu einem ziemlich großen agrarindustriellen Betrieb, dem die halbe Gegend hier gehört. 
Als ich heute Morgen aus Zimnicea rausfahre merke ich gleich, das wird erst einmal wieder eine Fahrt durch endlose Riesenfelder und Milchwirtschaftsbetriebe, die noch von der sozialistischen Kolchosenwirtschaft stammen müssen. 
Was soll' s. Der Morgen ist schön, die Sonne scheint, leichter Gegenwind. Die Sonne steht zum ersten Mal seit langer Zeit schon am Morgen rechts von mir. Heißt das, die Donau hat schon ihren südlichsten Punkt erreicht und macht sich jetzt langsam in nordöstlicher Richtung dem Delta entgegen auf den Weg? Von der Karte her hatte ich das erst bei Giurgiu erwartet.
Nach den ersten 10 km kommen dann wieder kleinere Dörfer. Endlich gibt es wieder was zu sehen.Hier gibt es noch viele aus Lehmziegeln gebaute Häuser. Die Lehmziegel werden an Ort und Stelle in einer Art Einweg-Brennofen hergestellt. Die Lehmziegel werden geschichtet, unten 2-3 Brennkammern eingerichtet und dann das ganze mit feuchtem Lehm verschlossen. Ich habe nur gesehen, wie einer dieser "Öfen" gerade geöffnet wurde um die Ziegel herauszuholen. Es wird also noch in der traditionellen Bauweise neu gebaut.

Es gibt auch "Heimkehrerhäuser"- beeindruckend, aber nicht ganz so gigantisch wie gestern. Vor einem Haus stand ein spanischer Caddy. Die Besitzer haben ein kleines Bauunternehmen, Umbauten und Reparaturen aller Art. 

Und wie schon in den vergangenen Tagen Kreuze, Kirchen, Kapellen.
In den Sonnenblumenfelder des Agro Konzerns wird auch Afterlese der Dörfler betrieben. Einerseits übrig gebliebene Sonnenblumen. Andererseits "ernten" sie die stehen gebliebenen Stängel, die bis zu 50 cm lang sind. Was sie mit diesen wohl machen werden?

Was mir anfangs nicht aufgefallen ist. Bei Zimnicea ist eine andere "Hauptstraße" in die 5 c eingemündet. Jetzt ist sie eine "internationale Straße" Richtung der Brücke nach Bulgarien. 
Das heißt, der Lastwagenverkehr nimmt zu.
Ich habe meine Lektion von gestern gelernt. 
Kommt ein Fuhrwerk entgegen und ist ein Sprinter dahinter, dann bleibe ich stehen und warte bis dieser überholt hat. So weit so gut.
Doch der Tag hat einige weitere Lektionen für mich bereit:
Wie heißt das oberste Trucker Gebot? - Gebremst wird nicht.
Wie heißt das oberste Sprinter Gebot? - Im Zweifelsfall Gas geben.
Mitten in einer Ortschaft wird es wieder knapp. Ein LKW taucht hinter einer Kuppel mit einem Affenzahn auf. Natürlich vor ihm ein Eselkarren. Ich schaffe es gerade noch von der Straße runter und nicht in eine Holzhaufen zu fahren,. Ich fluche dem LKW hinterher. Einer der umstehenden Herren, der es wissen muss, ruft mir "C'est Rumania" oder so etwas ähnliches hinterher. Kann ich mir auch was für kaufen!
Der Gegenwind birgt noch ein anderes Problem. Ich höre die von hinten kommenden Autos kaum. 
Gegen dieses Problem kann ich, außer beten, keine Gegenstrategie entwickeln. Denn kommt ein Auto entgegen,- siehe Punkt 2. des Sprinter-.Codex, werde ich trotzdem überholt. Die Zentimeter Abstand zwischen meinem Kopf und dem Rückspiegel will ich mir nicht vorstellen. 
Diese Art der Reise stresst.
Irgendwann sehe ich auf der anderen Seite der Donau Ruse,

Na, endlich! Die Fahrt nach Giurgiu rein, wie gehabt, endlos Industrieruinen. Der Ort selbst - überschaubar.
Meine Unterkunft für heute, wo ich eigentlich 2 Nächte bleiben möchte - ein Roadside-Motel von amerikanischer Hässlichkeit. Die Leute, fühlen sich durch die Übernachtungsgäste eher belästigt. 
Obwohl ich gestern telefonisch durchgegeben habe, dass ich 2 Nächte bleiben möchte,  kann sich die junge Dame an der Rezeption nicht vorstellen, dass jemand freiwillig hier 2 Nächte bleibt und rechnet nur für eine Nacht ab. Ich wage nicht, ihr zu widersprechen.
Eigentlich auch ok. Denn heute war ich wieder um 14:00 im Hotel. - Es sind nicht die Entfernungen, 70 km kann man hier gut schaffen!
Jetzt muss ich nur schauen, dass ich "runter komme". Bier soll helfen.Da das WiFi auch noch sehr bescheiden ist, muss ich mich eh ins Restaurant setzten. Das trifft sich. 
Es ist gnadenlos heiß! Die Klimaanlage macht Krach, aber zu spüren ist sie nicht. Da bestelle ich doch noch ein Bier.
Drückt mir die Daumen, dass die nächsten 10 km Morgen glimpflich abgehen. Dann trennen sich die Wege der E Straßen wieder. Eine geht hinüber nach Bulgarien (da werde ich sicher nicht mit den LKWs zum Sightseeing übersetzen) eine geht nach Bukarest, und meine - dann wieder kleinere Straße,  geht in die Weinberge! Also wieder ein bisschen Berg-und Talfahrt.
  

Montag, 1. September 2014

42.Tag: Von Izlaz nach Zimnicea

Vila Giulia ist besonders. Besonders Victor, der sicher einmal Vittorio geheissen hat. Die Pension  ist ein einziges Museum. Ich habe in einem Teil der Ostasienabteilung geschlafen.


Am Morgen wartet Vittorio schon im Bademantel auf mich,  um mit mir zu Frühstücken. Er mit einer Zigarette und einem Kaffee. Ich mit allem was in Rumänien dazu gehört. Einschließlich der italienischen Wildschweinsalami.
Vittorio erzählt mir, dass sein 12jähriger Sohn (die Rechenmaschine geht runter: Er Anfang Mitte 60, seine Frau deutlich jünger...) gerade den Mathematikwettbewerb für Schüler in Rumänien gewonnen hat.
Nach dem Frühstück zeigt er mir in "Museum" - unglaublich, dass er dies Alles aus Italien rausschaffen konnte, von Etruskisch, über Römisch, religöse Malerei aus dem 17.Jahrhundert. Skulpturen... ein wahnsinniges Sammelsurium. In Familienbesitz in der 3.Generation. In seinem Arbeitzszimmer viele Dutzend Pokale von Oldtimerrennen. Er habe in Rom 16 Oldtimer gehabt.
Man könnte ihn für einen Aufschneider halten. Aber so wirkt er nicht. 
So oder so, es ist sehr amüsant,  sich mit ihm zu unterhalten. Wieder erzählt er von seiner Alten-WG. Sieht er mich als potentiellen WG-Genossen? 1300 Euro im Monat, Vollpension, das ist doch nicht teuer.
Es dauert etwas bis ich mich heute auf den Weg machen kann.
Ciao, Vittorio!
Die ersten Kilometer, meine Walachei! Alle grüßen, alle lachen, Kinder klatschen ab. 
"De done eres?"-"Alemania"- Muuy bien". Das gibt neuen Antrieb.
Die Fuhrwerke werden hier mehr von kleinen Eselchen gezogen, - weil sie sich Pferde nicht leisten können?
Hier sehe ich auch, wie man (es sind hauptsächlich die Frauen) "traditionell" die Kerne aus der Sonnenblume bekommt. Man nimmt einen Stock und schlägt so lange auf die Rückseite, bis alle Kerne auf dem ausgebreiteten Tuch liegen.
In Traian und den nächsten beiden Ortschaften ändert sich das Bild mit einem Schlag.
Zum einen hat sich der traditionelle Haustyp verändert. Fast alle Häuser haben eine verglaste Veranda.
Oft sind sie frisch gestrichen und sehen sehr ansprechend aus.

Diese Art Wintergarten hat sich sicher in den kalten Wintern hier bewährt. Vittorio erzählte, es könne hier bis zu -30° kalt werden.
Viele dieser Häuser sind  mit Lehmziegeln gebaut.
ABER DANN:

UND DIES


UND DIES


Ich bin sprachlos. 

Ganz Traian ist eine einige Baustelle. 2stöckige Häuser, 3stöckige Häuser, Rohbauten, halbfertige Häuser, fertige Häuser.Die meisten leer. Unbewohnt.
Alle haben Säulen, Balkone, Veranden, Aluminumtüren, Metallzäune.
 Als hätte ein Raumschiff vom Planeten "Dallas" Häuser abgeworfen!
Was ist hier passiert? Man muss sich zum Kontrast dagegen, die kleinen Häuschen des restlichen Dorfes vorstellen.
Ich schaue genauer hin. Dort wo jemand wohnt, stehen Autos mit spanischen Kennzeichen in der Auffahrt.
Ein goldener BMW, ein goldener Jeep, ein goldener Landrover. Alle haben Tribal Motive.
Welche seltsame Säulenkrankheit hat hier die Menschen befallen? Welch seltsamer Schaut-her-ich-habe-es zu-etwas-gebracht-Wettbewerb ist hier ausgebrochen?
Das "Onkel-aus-Amerika"-Syndrom, klar. Aber womit haben  Leute aus 3 Dörfern so viel Geld gemacht? Als Pizzabäcker und Bauarbeiter in Spanien? 
Was mich mindestens genau so sehr beschäftigt sind folgende Fragen:
Wer soll in diesen Riesenhäusern wohnen?  Sie haben Platz für 15 und mehr Menschen.
Wie werden sie diese Häuser im Winter heizen? Haben sie riesige Holzstapel hinterm Haus? Zentralheizung?
Haben Sie Bäder und Toiletten im 3.Stock? Und wie kommt das Wasser da hinauf? Keines dieser Dörfer hat Wassertürme. Hochtanks habe ich auch nicht gesehen!
Werden die Erbauer dieser Häuser wirklich jemals in ihre Heimatdörfer zurückkehren, um wieder hier zu leben?
 An einer ganze Reihe dieser Monumente der "Verlorenheit-zwischen-den-Welten" wird offensichtlich schon seit mehreren Jahren gearbeitet. Oft sind die Fenster mit Brettern vernagelt. An manchen sieht man schon erste Anzeichen des Verfalls.
Manche haben es klüger angefangen und "nur" das Elternhaus hergerichtet.Sie sehen schön aus, die Häuschen, frisch gestrichen, frische Zäune, Warmwasseraufbereitung auf dem Dach. Sie werden funktionieren. Als "Elternhaus" und Sommerfrische - solange die Kinder mitkommen wollen.
Dörfer geprägt durch europäische Arbeitsmigration.
In der"Casa Verde" habe ich vorgestern in Bechet eine erfolgreiche Geschäftsfrau kennengelernt, die mit ihrer Pension in ihrer Heimat wieder leben kann. 
Vittorio der der Liebe wegen in Izlaz gelandet ist und sich einen Freundeskreis kaufen möchte.
Und die vielen, denen es hauptsächlich darum geht, den Daheimgebliebenen zu zeigen, dass sie es geschafft haben.
3 Dörfer, dann ist Schluss. Ab Lisa ändert sich die Landschaft wieder. Es wird Viehzucht betrieben. Weiden, Flüsse, fruchtbare Äcker. Die Dörfer sind in Schuss, die Häuser zeigen jedoch wieder andere Baumerkmale.

 Jetzt sieht man "osmanische" Einflüsse.
 
Die Tor- und Fensterbögen laufen in einer Spitze zusammen.

Diese Dörfer entwickeln sich langsamer


Noch haben die Kinder Ferien. Der Sommer ist lang,- Langeweile? So ein Blödsinn!

Es fasziniert mich, wie unterschiedlich die Dörfer sind, wie viel es zu sehen gibt und wie wenig ich wirklich begreife. Widersprüchlicher kann ein Reise nicht sein.
Oben eine neue hergerichtete Kirche, dann wieder eine selbstgebaute "Kapelle".


Goldene Landrover und rot gepunktete Brunnen



Die 75 km vergehen wie im Fluge, trotz des leichten Gegenwindes, der mir den ganzen Tag schräg von vorn entgegenblies.

In der Walachei muss es ein Wurmloch geben. Mein Raum-Zeit-Gefüge ist durcheinander geraten. Schon gestern bei Vittorio habe ich mich gewundert. Er meinte, er habe mich erst Morgen erwartet. Auch heute in Zimnicea bin ein Tag zu früh. Da habe ich beim Buchen wohl die Tage etwas durcheinander gebracht, oder...?
Zimnicea ist ein typisches ländliches Zentrum. Man kommt in die Stadt um einzukaufen und  einen drauf zu machen. Das Hotel Inter am Park im Stadtzentrum hätte ich hier nicht erwartet. Ich genieße den Luxus eine 4 Sterne Hotels.
Seit Belgrad habe ich keinen Ruhetag mehr eingelegt. Es wird Zeit, dass ich wieder etwas Tempo rausnehme. 
Morgen in Giurgiu werde ich einen Tag Pause machen und mir auch die Schwesterstadt Ruse auf dem anderen Donauufer in Bulgarien anschauen.
  
 Was ich mir merken muss:

Was ich heute endlich gelernt habe. Wenn mir Fuhrwerke entgegen kommen und ein Sprinter oder Lastwagen zu sehen ist. Bremsen. Warten. Es geht immer so aus, dass der Sprinter das Fuhrwerk genau dann überholt, wenn du auf gleicher Höhe bist. Also halte lieber an!! Heute hätte mich einer fast in den Graben katapultiert. Es reicht schließlich,  wenn einige Hundert Libellen im Kühlergrill hängen!!!