Dienstag, 29. Juli 2014

8. Tag von Lohan nach Passau.

Der Tag am Ruhepol der Republik begann mit meinem ersten Reiseblues. Am Frühstück war ein Paar am Nebentisch, die auch die Donau weit hinunter wollen. Sie bis Novi Sad, er bis ins Delta. Sie wird am 18. September zurückfliegen. Er am 24.9.
Dagegen ist ja nichts zu sagen. Wenn man arbeiten muss. Als sie mir aber dann erklärten wie sie ihre Reise durchstrukturiert haben, und dass es "gaanz schwierig" ist sein Fahrrad von Bulgarien wieder zurückzubekommen, und dass er schon mit einer Spedition alles geklärt hat und wann das Fahrrad zurückreist. Und dass es überhaupt nicht stimmt, was mein mir mein Freund Mirco aus Montenegro gestern gesagt hat, dassman mit dem Schiffe zurückfahren kann, das geht garnicht "aus rechtlichen Gründen dürfen die keine Fahrräder mitnehmen", habe er alles recherchiert, dass es aber ein Schweizer Unternehmen gibt, das darf...  Und dass sie täglich 2 Stunden für die Unterkunft für die nächsten Tage brauchen.  Und dass es ab Belgrad gaanz schwierig wird mit Unterkunft. Deshalb haben sie ein Zelt dabei, obwohl sie eigentlich garnicht zelten wollen. Aber ohne Zelt geht garnicht. "Du musst dir unbedingt noch ein Zelt kaufen! Kann ich dir nur dringend empfehlen". Wir fahren immer 4 Tage und machen einen Tag Besichtigungen.... Mir schwirrte langsam der Kopf und die in der Kaffeetasse bildeten sich rhythmische Kreise (wie in Jurrasic Park)
- Zu meiner Erleichterung meldet sich irgendwann seine Frau zu Wort:
"Du musst wissen wir sind mit Fünf-Jahres.Plänen aufgewachsen, das wird man nicht so einfach los."
Mein Frühstücks Appetit war  trotzdem dahin. 
Dann setzte ich mich aufs Fahrrad, vor mir bleischwere Wolken. 
Unter mir bleischwere Beine.
Bei der  Fahrt mit meinen 30 (bis 40) Jahre jüngeren Reisebegleitern, bin ich wieder über mein Wohlfühltempo gegangen. Man will ja nicht als lahme Schnecke gelten. Ehrenkäsig halt, wie man im Schwäbischen sagt. Das rächt sich.
Und dann die guten Ratschläge meiner Frühstücksgenossen! Warum fahre ich überhaupt weiter, wenn doch alles damit endet, dass ich mir ein Zelt kaufen muss!



Als ich dann an der Schafherde vorbeikomme, die gemütlich ihren Vormittagsverdauungsschlaf hält, werden die Beine noch schwerer, am liebsten hätte ich mich eine Runde dazu gelegt.
Aber so langsam wurde es besser, Meine "5-Jahres-Planer" tönten immer leiser im Ohr. Warum sich jetzt schon Sorgen machen, das hat doch noch in 1500 kmern Zeit!! Und wenn es so ist. Einen Zug zum Umkehren gibt es immer!
Langsam wird auch das Wetter wieder besser, die Beine drehen wieder klaglos ihre Runden. Selbst das linke Knie verzichtet darauf zu zwicken.
Der Tag ist gerettet, der erste Reiseblues ist vorbei. In Passau komme ich schon um 14:30 an. Ich kann das   Zimmer gleich beziehen und um 15:00 gehe  ich auf Entdeckungsreise.
Das letzte Mal waren wir vor 30 Jahren in Passau. Es war unser erster richtiger Urlaub zu zweit - na ja nicht ganz: Till sollte ja im September bei uns einziehen,.
Auch damals hatte es kurz vorher ein verheerendes Hochwasser gegeben. Im Goldenen Schiff, in dem ich untergekommen bin, ist das ganze Erdgeschoss eine Baustelle, in der ganzen Altstadt musste der Putz von den Wänden gehauen werden, manche Ecken sehen abenteuerlich aus.
Aber Passau an einem sonnigen Sommertag ist trotzdem ein Schmuckkästchen.

Und es gibt ganz viel, was ich erst heute entdeckt habe. Klar damals hatte ich nur Augen für Friederike.

Der Passauer Tölpel soll wohl mal vom Dom runtergefallen sein,  der Steinkopf,- von wo genau weiß man nicht mehr.
Der Dom ist überhaupt ein Ding für sich: So eine verhunzte Kirche habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Von außen kann man erkennen, dass die Bausubstanz ursprünglich gotisch war:

Alles weiß übertüncht, und das Innere

So was von überladen, das würde nicht einmal als Hochzeitstorte durchgehen. Da fällt mir doch ein, ich wollte Euch doch noch ein Foto zeigen, das passt jetzt gut hierher:

In der Weltenburg, im Museum haben sie Herstellungstechniken, die bei barocken Kirchen angewendet worden sind, super gut erklärt. U.a. auch die Stuckverzierungen: "STROHKÖPFE" halt.
Daran werde ich künftig immer denken, wenn ich bei Kirchen dieser Art (und ich fürchte auf meiner Reise kommen noch einige dieser Art auf mich zu) leichte Formen von Sodbrennen bekomme.

So jetzt ist es Zeit für ein Bier!!

Was ich mir merken muss:

1. Radfahren und Quasseln passen nicht unbedingt zusammen. Entweder kriegt man schwere Beine davon         oder einen dummen Kopf. Freundlich Grüßen, immer ein flottes "Hallo!" auf den Lippen, aber nicht mehr 
    mit Radprofis fachsimpeln - da steckt "Simpel" in dem Wort!!!

Ach, wegen dem Herrn in Regensburg. Zuerst dachte ich er wäre der Leiter des dortigen Stadttheaters, - Idealbesetzung für den Impresario, kennt ihr auch.Aber es war der Chef der VHS (der aber sicher viel lieber Impresario geworden wäre.
Auf allgemeine Protest hin, werde ich künftig einfachere Rätsel stellen, versprochen!!

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