10. Tag Von Obermühl nach Linz
10 Tage und heute in Linz sind es genau 700 km seit Engen. Das läuft bisher besser, als ich zu hoffen gewagt hatte. Die Donau hat bis hierher 660 km hinter sich gebracht.
Nachtrag zu gestern:
Es war ein superschöner warmer Abend im Biergarten, direkt an der Donau. Und der Fischergasthof Aumüller wurde seinem Namen voll gerecht. So einen tollen Fisch habe ich - so weit ich mich erinnern kann noch nie gegessen. Welsfilet, super zubereitet, mit leckeren Beilagen. Ich komme, jetzt noch ins Schwärmen (wohl auch, weil ich eben ein seehr mäßiges und sehr fettes Wokgericht gegessen habe).
Wär hätte gedacht, dass ich so ins Schwärmen komme bei einem Gericht, das aus meinem 3.liebsten Fleisch (=Fisch), meinem 3.liebesten Gemüse (= Karotten) und meiner 3.liebsten Beilage (=Kartoffeln) bestand.
Obermühl - Söhne! wenn ihr das lest, das ist Euer Paradies. Gestern haben fuhr ein Opa mit seinen Enkeln raus. Heute Morgen erzählte er mir strahlend beim Frühstück - "über 100 Fische!" hätten sie am Abend rausgeholt und zwar Welse, Braxen, Nasen, Döbel und Seiblinge.
Die Donau macht ihrem Ruf als artenreichster Strom alle Ehre.
Der heutige Morgen war sicher auch wieder gut für Fischer, es nieselte so vor sich hin
Kalt ist es nicht, und bis Linz sind es heute auch nur knapp 50 km, das sollte zu schaffen sein. Zum "Schwadeln" hat es nicht ganz gereicht. Es war so eher die "Rund-um-Wohlfühl-Feuchtigkeitsbehandlung-für die-Haut-ab-60". Aber den Poncho, meine mobile Sauna, habe ich doch rausgeholt.
Die Landschaft ist weiterhin spektakulär, auch bei diesem trüben Wetter.
Manchmal meine ich, auf Zeitreise zu sein.
Und nicht nur, weil ich plötzlich auf ein Wikingerschiff stoße
Und warum nicht, wenn die Piefkes auf der anderen Seite der Grenze "Cowboy und Indianer" spielen dürfen, dann können die Österreicher doch auch Wikingern. Anscheinend lassen sie die Touris wirklich rudern. Schade, dass ich das heute nicht zu sehen kriege.
In Untermühl werde ich in die herbe Gegenwart zurück geholt. An einem Felsen endet der Radweg. Es gibt
wieder eine Radfähre, die liegt auch am Ufer
Aber der Fährmann ist extrem schlecht gelaunt. Abgesehen davon, dass ich ihn kaum verstanden habe, war er der Meinung, für einen Fahrgast lohne es sich nicht überzusetzen, Da ich weiß, dass in der nächsten Zeit niemand auf dieser Seite des Flusses vorbeikommen wird - ich habe gestern keinen einzigen Radler getroffen, - wird meine Laune auch nicht besser. Ich gehe auf und ab- er putzt mit einer stoischen Ruhe, die Gänsescheiße von der Anlegestelle. Rauf aufs Boot vor ans Boot, Eimer ins Wasser mit dem vollen Eimer zurück, Putzen. Ich schaue mir das einige Male an. Dann frage ich ihn, wie viele Leute denn kommen müssen- die Antwort verstehe ich nicht. "Konst ja lafn ibern Fels wandst eilig hast!" Ja witzig. Dann versuche ich es noch einmal und frage, wie es wäre wenn ich statt der 2 Euro für eine Person für 5 Leute zahle, die wir dann stehen lassen. "Des geht garnet!" auch gut. Irgendwann wird mir auch klar, warum er so schlechte Laune hat. Er ist wütend auf dia in Wien, die vom Wasserwirtschaftsamt, die anweisen, wie viel Wasser durch das Kraftwerk geht. Anscheinend haben sie über Nacht dermaßen viel abgelassen, dass der Wasserspiegel drastisch gesunken ist, und dem Fährmann nur noch die uninteressante Flussüberquerung bleibt, und auch da kann er nur noch an einer Stelle anlegen; alle anderen Stellen sind zu flach. Vom Brass auf "dia in Wean" werde ich heute noch einiges zu hören bekommen.
Nach 40 Minuten lässt sich der Fährmann erweichen - und setzt mich über.
Es kann weitergehen. Es nieselt es weiter, und ich schwitze unter meinem Poncho vor mich hin. Dafür habe ich genügend Zeit darüber nachzudenken, warum die Österreicher für "nette Onkels" eigene Wege eingerichtet haben:
Liebe Österreicher! Das geht gar nicht! Wollt ihr nicht auch langsam anfangen, vor dem "guten Onkel" zu warnen! Seht Ihr denn nicht, dass das Mädchen gar nicht mit dem Onkel mit will, und dass es gar keine süssen Häschen sehen will!!
So über wichtige Fragen der Zeit nachdenkend, erreiche ich schon wieder das Ende des Radweges, dieses Mal auf der rechten Uferseite.
Eine ganze Reihe von Radlern in Zellophan warten schon auf die Fähre, die hier etwas ganz besonderes ist. Sie hat keinen eigenen Antrieb. Sie läßt sich von der Strömung hin und her schieben. Über den Fluss ist ein Seil gespannt und an dem Seil hängt die Fähre an einem weiteren Seil. Wenn die Fähre schräg gestellt wird, drückt sie die Strömung in Richtung des gegenüberliegenden Ufers
Und hier an der Ottensheimer Drahtseilfähre hat der 2. Fährmann gegen "Wean" gewütet. Was der Kollege oberhalb des Kraftwerks zu wenig an Wasser hatte, das war hier unten zu viel. Über Nacht sei der Wasserpegel um 3 Meter gestiegen. Erst vor ein paar Monaten hätten die da unten völlig vergessen, die Sperren zu zu machen, und ihnen seien die Keller wieder mal abgesoffen, und die Anlegestelle sei im Schlamm versunken, der betonhart abgetrocknet sei. Wir haben versprochen in Wien Bescheid zu sagen, wenn wir dort vorbei kommen.
Von Ottensheim ist es nur noch ein Klacks bis Linz - aber ein sehr hässlicher. Der Radweg führt an einer 4spurigen Stadtautobahn entlang. Die Donau war schon schöner.
Um 13:00 checke ich im "Wilden Mann" zu Linz ein. Genügend Zeit die Stadt kennen zu lernen. Es ist zwar immer noch wolkenverhangen, aber es regnet nicht mehr.
Linz ist sicher eine interessante Stadt. Es gibt viel zu sehen, aber so richtig packt sie mich nicht. Was ist es eigentlich was mich stört. Es gibt viele Städte deren Innenstädte auf Shopping und Touri-Verköstigung ausgerichtet sind.
Es dauert ein wenig bis ich merke, dass die Innenstadt und die Altstadt eine unangenehme "Aufhübschung" erfahren hat. Ich könnte mir denken, dass dies mit der "Kulturhauptstadt 2009" zusammenhängt. Da reichte es auf einmal nicht mehr aus, schöne Gebäude zu haben, man wollte auch "modern" sein. Und so wurde die Stadt einheitlich gestylt. Haltestellen in Grünglas und Stahl, Parkhausausfahren in Stahl und gestrahltem Grünglas. Und dann kommt noch eine unselige Vorliege für Lochbleche hinzu. Es reichte nicht mehr aus ein beeindruckendes Ensemble an Renaissance- und Barockbauten zu haben, nein, es muss irgendwo noch eine Edelstahl-Lochblech angenagelt werden.
Das was die Schweizer so hervorragend können, - alte Bausubstanz behutsam zu modernsieren, bzw. mit modernen Stilelementen zu kombinieren, das hat hier überhaupt nicht geklappt. Die Schweizer haben verstanden, dass die alte Bausubstanz, den Weg vorgeben muss, die Linzer Modernisierer, sind am Alten nicht wirklich interessiert. Was soll die verkehrt aufgesetzte Baseballmütze auf dem linken Gebäude, warum konnte man ihm nicht seine Mansardenfenster lassen, rechts ging' s doch auch.
Am schlimmsten haben sie am Schloss gewütet. Der an sich schöne Renaissance Bau war wohl nicht mehr ganz geblieben, da wurde eben ein Raumschiff drauf gesetzt. Von dieser Seite geht es ja noch, aber der Innenhof ist eine Katastrophe
Und links geht es mit einer ganzen Fassade mit Lochblechen weiter. Ich erspart Euch den Anblick. Ich erspar Euch auch, dass der 2. Innenhof pädagogisch umgestaltet wurde. Da hat man ein Feuchtbiotop, eine Blumenwiese und ein Trockenmauer Biotop angelegt.
Aber es geht noch besser. Derzeit gibt es im OÖ Zentrum für Kultur eine an sich tolles Angebot, das "Höhenrausch" heißt. Ein Künstler hat ein Labyrinth über den Dächern angelegt, in dem man Kunst in Hüpfburgen und mit Riesenbällen erleben kann; schöne Sache.Ob dieses Stege auch dazu gehören, das weiß ich nicht, immerhin ist die Ausstellung ein ganzes Stück weg davon.
Aber unabhängig davon, ist ganz gut zu sehen, welch unglaublich instinktloser Mordernisierungs-Mischmasch hier entstanden ist.
Gerechtigkeitshalber soll aber auch gesagt werden, dass es noch immer sehr schöne Ecken gibt.
Und die Nibelungen geben auch keine Ruhe, denen werde ich wohl noch mal extra nachgehen müssen:
Eigentlich hatte ich mir mal überlegt, hier länger als eine Nacht zu bleiben. Doch nach meinen Streifzügen heute, werde ich wohl Morgen weiterfahren. Sorry, Linzer, Eure Torten sind besser!!
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