Donnerstag, 31. Juli 2014

10. Tag Von Obermühl nach Linz

10 Tage und heute in Linz sind es genau 700 km seit Engen. Das läuft bisher besser,  als ich zu hoffen gewagt hatte. Die Donau hat bis hierher 660 km hinter sich gebracht. 

Nachtrag zu gestern:
Es war ein superschöner warmer Abend im Biergarten,  direkt an der Donau. Und der Fischergasthof Aumüller wurde seinem Namen voll gerecht. So einen tollen Fisch habe ich - so weit ich mich erinnern kann noch nie gegessen. Welsfilet, super zubereitet, mit leckeren Beilagen. Ich komme,  jetzt noch ins Schwärmen (wohl auch,  weil ich eben ein seehr mäßiges und sehr fettes Wokgericht gegessen habe).
Wär hätte gedacht, dass ich so ins Schwärmen komme bei einem Gericht, das aus meinem 3.liebsten Fleisch (=Fisch), meinem 3.liebesten Gemüse (= Karotten) und meiner 3.liebsten Beilage (=Kartoffeln) bestand.
Obermühl - Söhne! wenn ihr das lest, das ist Euer Paradies. Gestern haben fuhr ein Opa mit seinen Enkeln raus. Heute Morgen erzählte er mir strahlend beim Frühstück - "über 100 Fische!" hätten sie am Abend rausgeholt und zwar Welse, Braxen, Nasen, Döbel und Seiblinge.
 Die Donau macht ihrem Ruf als artenreichster Strom alle Ehre. 
Der heutige Morgen war sicher auch wieder gut für Fischer, es nieselte so vor sich hin

Kalt ist es nicht,  und bis Linz sind es heute auch nur knapp 50 km, das sollte zu schaffen sein. Zum "Schwadeln" hat es nicht ganz gereicht. Es war so eher die "Rund-um-Wohlfühl-Feuchtigkeitsbehandlung-für die-Haut-ab-60". Aber den Poncho, meine mobile Sauna, habe ich doch rausgeholt.
 Die Landschaft ist weiterhin spektakulär, auch bei diesem trüben Wetter.
Manchmal meine ich, auf Zeitreise zu sein.
Und nicht nur, weil ich plötzlich auf ein Wikingerschiff stoße

Und warum nicht, wenn die Piefkes auf der anderen Seite der Grenze "Cowboy und Indianer" spielen dürfen, dann können die Österreicher doch auch Wikingern. Anscheinend lassen sie die Touris wirklich rudern. Schade, dass ich das heute nicht zu sehen kriege.

In Untermühl werde ich in die herbe Gegenwart zurück geholt. An einem Felsen endet der Radweg. Es gibt 
wieder eine Radfähre, die liegt auch am Ufer

Aber der Fährmann ist extrem schlecht gelaunt. Abgesehen davon, dass ich ihn kaum verstanden habe, war er der Meinung, für einen Fahrgast lohne es sich nicht überzusetzen, Da ich weiß, dass in der nächsten Zeit niemand auf dieser Seite des Flusses vorbeikommen wird - ich habe gestern keinen einzigen Radler getroffen, - wird meine Laune auch nicht besser. Ich gehe auf und ab- er putzt mit einer stoischen Ruhe, die Gänsescheiße von der Anlegestelle. Rauf aufs Boot vor ans Boot, Eimer ins Wasser mit dem vollen Eimer zurück, Putzen. Ich schaue mir das einige Male an. Dann frage ich ihn, wie viele Leute denn kommen müssen- die Antwort verstehe ich nicht. "Konst ja lafn ibern Fels wandst eilig hast!" Ja witzig. Dann versuche ich es noch einmal und frage, wie es wäre wenn ich statt der 2 Euro für eine Person für 5 Leute zahle, die wir dann stehen lassen. "Des geht garnet!" auch gut. Irgendwann wird mir auch klar, warum er so schlechte Laune hat. Er ist wütend auf dia in Wien, die vom Wasserwirtschaftsamt, die anweisen, wie viel Wasser durch das Kraftwerk geht. Anscheinend haben sie über Nacht dermaßen viel abgelassen, dass  der Wasserspiegel drastisch gesunken ist,  und dem Fährmann nur noch die uninteressante Flussüberquerung bleibt, und auch da kann er nur noch an einer Stelle anlegen; alle anderen Stellen sind zu flach. Vom Brass auf "dia in Wean" werde ich heute noch einiges zu hören bekommen. 
Nach 40 Minuten lässt sich der Fährmann erweichen - und setzt mich über.

Es kann weitergehen. Es nieselt es weiter, und ich schwitze unter meinem Poncho vor mich hin. Dafür habe ich genügend Zeit darüber nachzudenken, warum die Österreicher für "nette Onkels" eigene Wege eingerichtet haben:

Liebe Österreicher! Das geht gar nicht! Wollt ihr nicht auch langsam anfangen, vor dem "guten Onkel" zu warnen! Seht Ihr denn nicht, dass das Mädchen gar nicht mit dem Onkel mit will, und dass es gar keine süssen Häschen  sehen will!! 
So über wichtige Fragen der Zeit nachdenkend,  erreiche ich schon wieder das Ende des Radweges, dieses Mal auf der rechten Uferseite.
Eine ganze Reihe von Radlern in Zellophan warten schon auf die Fähre, die hier etwas ganz besonderes ist. Sie hat keinen eigenen Antrieb. Sie läßt sich von der Strömung hin und her schieben. Über den Fluss ist ein Seil gespannt und an dem Seil hängt die Fähre  an einem weiteren Seil. Wenn die Fähre schräg gestellt wird, drückt sie die Strömung in Richtung des gegenüberliegenden Ufers


Und hier an der Ottensheimer Drahtseilfähre hat der 2. Fährmann gegen "Wean" gewütet. Was der Kollege oberhalb des Kraftwerks zu wenig an Wasser hatte, das war hier unten zu viel. Über Nacht sei der Wasserpegel um 3 Meter gestiegen. Erst vor ein paar Monaten hätten die da unten völlig vergessen, die Sperren zu zu machen, und ihnen seien die Keller wieder mal abgesoffen, und die Anlegestelle sei im Schlamm versunken, der betonhart abgetrocknet sei. Wir haben versprochen in Wien Bescheid zu sagen, wenn wir dort vorbei kommen.
Von Ottensheim ist es nur noch ein Klacks bis Linz - aber ein sehr hässlicher. Der Radweg führt an einer 4spurigen Stadtautobahn entlang. Die Donau war schon schöner.
Um 13:00 checke ich im "Wilden Mann" zu Linz ein. Genügend Zeit die Stadt kennen zu lernen. Es ist zwar immer noch wolkenverhangen, aber es regnet nicht mehr. 
Linz ist sicher eine interessante Stadt. Es gibt viel zu sehen, aber so richtig packt sie mich nicht. Was ist es eigentlich was mich stört. Es gibt viele Städte deren Innenstädte auf Shopping und Touri-Verköstigung ausgerichtet sind. 
Es dauert ein wenig bis ich merke, dass die Innenstadt und die Altstadt eine unangenehme "Aufhübschung" erfahren hat. Ich könnte mir denken, dass dies mit der "Kulturhauptstadt 2009" zusammenhängt. Da reichte es auf einmal nicht mehr aus, schöne Gebäude zu haben, man wollte auch "modern" sein. Und so wurde die Stadt einheitlich gestylt. Haltestellen in Grünglas und Stahl, Parkhausausfahren in Stahl und gestrahltem Grünglas. Und dann kommt noch eine unselige Vorliege für Lochbleche hinzu. Es reichte nicht mehr aus ein beeindruckendes Ensemble an Renaissance- und Barockbauten zu haben, nein, es muss irgendwo noch eine Edelstahl-Lochblech angenagelt werden.
Das was die Schweizer so hervorragend können, - alte Bausubstanz behutsam zu modernsieren, bzw. mit modernen Stilelementen zu kombinieren, das hat hier überhaupt nicht geklappt. Die Schweizer haben verstanden, dass die alte Bausubstanz, den Weg vorgeben muss, die Linzer Modernisierer, sind am Alten nicht wirklich interessiert. Was soll die verkehrt aufgesetzte Baseballmütze auf dem linken Gebäude, warum konnte man ihm nicht seine Mansardenfenster lassen, rechts ging' s doch auch.


Am schlimmsten haben sie am Schloss gewütet. Der an sich schöne Renaissance Bau war wohl nicht mehr ganz geblieben, da wurde eben ein Raumschiff drauf gesetzt. Von dieser Seite geht es ja noch, aber der Innenhof ist eine Katastrophe




Und links geht es mit einer ganzen Fassade mit Lochblechen weiter. Ich erspart Euch den Anblick. Ich erspar Euch auch, dass der 2. Innenhof pädagogisch umgestaltet wurde. Da hat man ein Feuchtbiotop, eine Blumenwiese und ein Trockenmauer Biotop angelegt. 

Aber es geht noch besser. Derzeit gibt es im OÖ Zentrum für Kultur eine an sich tolles Angebot, das "Höhenrausch" heißt. Ein Künstler hat ein Labyrinth über den Dächern angelegt, in dem man Kunst in Hüpfburgen und mit Riesenbällen erleben kann; schöne Sache.Ob dieses Stege auch dazu gehören, das weiß ich nicht, immerhin ist die Ausstellung ein ganzes Stück weg davon.

Aber unabhängig davon,  ist ganz gut zu sehen, welch unglaublich instinktloser Mordernisierungs-Mischmasch hier entstanden ist.

Gerechtigkeitshalber soll aber auch gesagt werden, dass es noch immer sehr schöne Ecken gibt.


Und die Nibelungen geben auch keine Ruhe, denen werde ich wohl noch mal extra nachgehen müssen:

Eigentlich hatte ich mir mal überlegt, hier länger als eine Nacht zu bleiben. Doch nach meinen Streifzügen heute, werde ich wohl Morgen weiterfahren. Sorry, Linzer, Eure Torten sind besser!! 


Mittwoch, 30. Juli 2014

9.Tag von Passau nach Obermühl

Ich wache auf. Es plätschert irgendwo. Sollte mich der Regen nun doch eingeholt haben? Ich schaue aus dem Fenster, alles grau

(Das war wirklich mein Blick aus dem Fenster heute Morgen!) 
Wie gut, dass ich mir vorgenommen habe, erst gegen Mittag loszufahren und hier zu versuchen, mein Internet und mein Handy auf "Ausland' umzupolen!
Wie naiv- wieder mal - als hätte ich nicht alle 7 Mobilfunk/Internetanbieterhöllen schon in Frankreich und Spanien hinter mich gebracht. - So wie ich mir das dachte, funktioniert es natürlich nicht. Nach 3 Stunden vergeblichen Rumtelefonierens, "ja natürlich, gibt es diesen Tarif, aber nicht für sie, sie haben "Rechnungserstellung" gewählt. So habe ich, möchte gern wissen wann, ob man das ändern kann, kann man, aber das brauchen wir schriftlich, ob ich meine Brieftaube schicken kann, nein kann ich nicht....
Irgendwann gebe ich auf, inzwischen hat es auch aufgehört zu regnen und fahre einfach los. Hoffentlich klappt es in Österreich mit dem Wlan so gut wie in Deutschland. Und in Linz kann ich es ja noch einmal mit den Österreichern versuchen.
Der Vormittag hat gut getan.Die 10% Restmüdigkeit, die ich beim Aufstehen noch in den Knochen hatte sind weg. Meine Beine mögen mich wieder und auch das linke Knie läßt nichts mehr von sich hören. Die Straße auf der linken Seite der Donau ist super, topfeben und schnell. Ich habe mir vorgenommen, nur bis Obermühl, in der Donauschleife zu fahren. Bis Linz wäre es, laut Karte etwa 100km. Auf den Schildern steht nur 92. Ich bleibe bei meinem Entschluss, heute nur 50 km zu fahren.
UND DAS WAR GUT SO!!
Immer wieder türmen sich schwarze Wolken über dem Donautal auf, aber es kommt nicht zum Regnen. Unverschämtes Glück.
Ich wusste gar nicht, dass die Donau so lange Grenze zwischen Deutschland und Österreich ist. Fast 30 km fahre ich auf dem deutschen Ufer, bis die Grenze kommt

 Der erste "Grenzübertritt" auf meiner Reise!!
Und keine 500m hinter der Grenze klärt sich ein Rätsel, das mich schon die ganze Reise beschäftigt. Meine Vorgartenstudien haben nämlich ergeben, dass der Gartenzwerg in Deutschland ausgestorben ist. Und zwar total!! Zuerst vermutete ich ja, eine seltene Krankheit könnte dafür verantwortlich sein. Von der "Rotmützenfäule" habe ich ja schon munkeln gehört.
Doch das stimmt nicht:
Der Gartenzweg ist geflohen, vor der neuen Konkurrenz, den Edelrosthirschen, den Weiden-Vulvas, den Kugeltürmen und den Saurieren und habe in unserem Nachbarland Asyl gesucht und gefunden:

Zwar sind die Gartenzwergauffanggärten hoffnungslos überbelegt, aber wie es den Anschein hat geht es ihnen gut. Und die fehlenden

 Sichtvermerke scheinen kein Hindernis gewesen zu sein. Gartenzwerge waren ja schon immer gut im Schleichen (siehe Köln)
Der Tag wird  immer schöner, die Sonne kommt sogar raus
Leider waren Cowboy und Indianer heute nicht zuhause, aber es gab auch so viel zu sehen. Und die Landschaft wird immer spektakulärer. Unter der Donauschleife hatte ich mir nichts vorstellen können, es ist einfach nur schön hier. Und nun kommt der Höhepunkt des heutigen Tages, eine Geschichte, so unglaublich, dass ich befürchte, dass ihr mir nicht glauben werdet, und mich hinter meinem Rücken Manfred Freiherr von Mühlhausen  nennt.
Also: An den Donauschleifen geht es für Radfahrer nicht mehr weiter. Dafür gibt es spezielle Radfähren (ich schwör!!)
Aber jetzt kommts:
Ich stelle also mein Fahrrad auf die Fahrradfähre
Da sagt der Fährmann zu mir: "Komm bitte runter von der Fähre!" Ich denke, er will auf mehr Passagiere warten. Aber nein, er sagt, in der rechten oberen Ecke, hinter de Lampe unter dem Dach habe ein Rotschwänzchenpaar gebrütet, nun seien die Jungen geschlüpft und nun, da die Fähre wieder da sei, müssten die Eltern die Kleinen füttern. Ich denke, der veräppelt mich. Aber nein, nachdem ich weit genug von der Fähre weg bin, kommen die Eltern angestürzt und füttern die Kleinen wie wild. Sie schleppen Futter an, einer
wartet sogar auf dem Lenker meines Fahrrades, bis er dran ist. 
"Und die Alten haben kein Problem damit, dass die Jungen immer mal wieder für eine Stunde weg sind (halbe Stunde hin, halbe Stunde zurück)?" "Nein, die warten, und die Kloinen, sind still sobald der Motor angeht, und Fiepen um die Wette sobald der Motor gedrosselt wird.- Die Rotschwänzchen haben das Nest von den Bachstelzen übernommen, die haben das Nest gebaut und auch  schon hier gebrütet, danach sind die Rotschwänzchen eingezogen- und es funktioniert prima, wir müssen hier immer nur ein wenig warten, bis sie mit Füttern fertig sind!" Und ich bin auch völlig fertig. Die Geschichte allein ist schon die Reise wert gewesen.
Nachdem Alle satt sind, fahren wir los. Kaum ist der Motor gestartet, hört man keinen Mucks mehr und zu sehen sind sie auch nicht mehr
Wir fahren den Fluss hinunter


Sobald der Motor an der anderen Anlegestelle gedrosselt wird, geht das Geschrei hinter der Lampe wieder los. Der Fährmann lacht: " Na, jetzt gibts no nix!"
Inzwischen sitze ich beim Aumüller, dem Fischgasthof in Obermühl, auf dem Bett und kann direkt auf die Donau sehen!!
Morgen geht es nach Linz!

Dienstag, 29. Juli 2014

8. Tag von Lohan nach Passau.

Der Tag am Ruhepol der Republik begann mit meinem ersten Reiseblues. Am Frühstück war ein Paar am Nebentisch, die auch die Donau weit hinunter wollen. Sie bis Novi Sad, er bis ins Delta. Sie wird am 18. September zurückfliegen. Er am 24.9.
Dagegen ist ja nichts zu sagen. Wenn man arbeiten muss. Als sie mir aber dann erklärten wie sie ihre Reise durchstrukturiert haben, und dass es "gaanz schwierig" ist sein Fahrrad von Bulgarien wieder zurückzubekommen, und dass er schon mit einer Spedition alles geklärt hat und wann das Fahrrad zurückreist. Und dass es überhaupt nicht stimmt, was mein mir mein Freund Mirco aus Montenegro gestern gesagt hat, dassman mit dem Schiffe zurückfahren kann, das geht garnicht "aus rechtlichen Gründen dürfen die keine Fahrräder mitnehmen", habe er alles recherchiert, dass es aber ein Schweizer Unternehmen gibt, das darf...  Und dass sie täglich 2 Stunden für die Unterkunft für die nächsten Tage brauchen.  Und dass es ab Belgrad gaanz schwierig wird mit Unterkunft. Deshalb haben sie ein Zelt dabei, obwohl sie eigentlich garnicht zelten wollen. Aber ohne Zelt geht garnicht. "Du musst dir unbedingt noch ein Zelt kaufen! Kann ich dir nur dringend empfehlen". Wir fahren immer 4 Tage und machen einen Tag Besichtigungen.... Mir schwirrte langsam der Kopf und die in der Kaffeetasse bildeten sich rhythmische Kreise (wie in Jurrasic Park)
- Zu meiner Erleichterung meldet sich irgendwann seine Frau zu Wort:
"Du musst wissen wir sind mit Fünf-Jahres.Plänen aufgewachsen, das wird man nicht so einfach los."
Mein Frühstücks Appetit war  trotzdem dahin. 
Dann setzte ich mich aufs Fahrrad, vor mir bleischwere Wolken. 
Unter mir bleischwere Beine.
Bei der  Fahrt mit meinen 30 (bis 40) Jahre jüngeren Reisebegleitern, bin ich wieder über mein Wohlfühltempo gegangen. Man will ja nicht als lahme Schnecke gelten. Ehrenkäsig halt, wie man im Schwäbischen sagt. Das rächt sich.
Und dann die guten Ratschläge meiner Frühstücksgenossen! Warum fahre ich überhaupt weiter, wenn doch alles damit endet, dass ich mir ein Zelt kaufen muss!



Als ich dann an der Schafherde vorbeikomme, die gemütlich ihren Vormittagsverdauungsschlaf hält, werden die Beine noch schwerer, am liebsten hätte ich mich eine Runde dazu gelegt.
Aber so langsam wurde es besser, Meine "5-Jahres-Planer" tönten immer leiser im Ohr. Warum sich jetzt schon Sorgen machen, das hat doch noch in 1500 kmern Zeit!! Und wenn es so ist. Einen Zug zum Umkehren gibt es immer!
Langsam wird auch das Wetter wieder besser, die Beine drehen wieder klaglos ihre Runden. Selbst das linke Knie verzichtet darauf zu zwicken.
Der Tag ist gerettet, der erste Reiseblues ist vorbei. In Passau komme ich schon um 14:30 an. Ich kann das   Zimmer gleich beziehen und um 15:00 gehe  ich auf Entdeckungsreise.
Das letzte Mal waren wir vor 30 Jahren in Passau. Es war unser erster richtiger Urlaub zu zweit - na ja nicht ganz: Till sollte ja im September bei uns einziehen,.
Auch damals hatte es kurz vorher ein verheerendes Hochwasser gegeben. Im Goldenen Schiff, in dem ich untergekommen bin, ist das ganze Erdgeschoss eine Baustelle, in der ganzen Altstadt musste der Putz von den Wänden gehauen werden, manche Ecken sehen abenteuerlich aus.
Aber Passau an einem sonnigen Sommertag ist trotzdem ein Schmuckkästchen.

Und es gibt ganz viel, was ich erst heute entdeckt habe. Klar damals hatte ich nur Augen für Friederike.

Der Passauer Tölpel soll wohl mal vom Dom runtergefallen sein,  der Steinkopf,- von wo genau weiß man nicht mehr.
Der Dom ist überhaupt ein Ding für sich: So eine verhunzte Kirche habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Von außen kann man erkennen, dass die Bausubstanz ursprünglich gotisch war:

Alles weiß übertüncht, und das Innere

So was von überladen, das würde nicht einmal als Hochzeitstorte durchgehen. Da fällt mir doch ein, ich wollte Euch doch noch ein Foto zeigen, das passt jetzt gut hierher:

In der Weltenburg, im Museum haben sie Herstellungstechniken, die bei barocken Kirchen angewendet worden sind, super gut erklärt. U.a. auch die Stuckverzierungen: "STROHKÖPFE" halt.
Daran werde ich künftig immer denken, wenn ich bei Kirchen dieser Art (und ich fürchte auf meiner Reise kommen noch einige dieser Art auf mich zu) leichte Formen von Sodbrennen bekomme.

So jetzt ist es Zeit für ein Bier!!

Was ich mir merken muss:

1. Radfahren und Quasseln passen nicht unbedingt zusammen. Entweder kriegt man schwere Beine davon         oder einen dummen Kopf. Freundlich Grüßen, immer ein flottes "Hallo!" auf den Lippen, aber nicht mehr 
    mit Radprofis fachsimpeln - da steckt "Simpel" in dem Wort!!!

Ach, wegen dem Herrn in Regensburg. Zuerst dachte ich er wäre der Leiter des dortigen Stadttheaters, - Idealbesetzung für den Impresario, kennt ihr auch.Aber es war der Chef der VHS (der aber sicher viel lieber Impresario geworden wäre.
Auf allgemeine Protest hin, werde ich künftig einfachere Rätsel stellen, versprochen!!

Montag, 28. Juli 2014

7.Tag: Von Regensburg bis Loham

Loham ist der Ruhepol der Republik!! So was von entspannt. Genau auf der Hälfte zwischen Regensburg und Passau. Wunderschöner Biergarten. Ruhig ist es nicht unbedingt. So ein Taubenschlag kann ganz schön laut sein. Und  Erntefahrzeuge heizen reihenweise  durch den Ort. Aber sonst alles tiefenentspannt! Mehr davon am Ende.
Zuerst der Tag. Nein, der Abend davor. 
Das Klangfarbenkonzert im Arkadenhof.
 Der Arkadenhof ist sehr schön.
Die "5/8erl in Ehr`n" vielfach ausgezeichnet und bekannt aus  Funk und Fernsehen, singen wunderschön mehrstimmig. Und manches war auch wirklich witzig.
Aber für eine Wiener Gruppe hätte ich mir ein bisschen mehr Biss gewünscht. Das war nicht unkorrekt genug und  ohne Biss. Ich hatte mir deutlich mehr Schmäh erwartet. Manches war eher Richtung Wise Guys schön gesungen, aber nicht wirklich witzig!!
Witzig hingegen war es, die Regensburger Alternativszene zu beobachten, die natürlich kein Stück anders ist als die Singener, Konstanzer oder Tübinger. 
Ich sass hinten und konnte gut den "Jahrmarkt der Eitelkeiten" beobachten.  In seinem eigenen Biotop ist einem oft nicht klar, wie eindeutig, die Dress Codes  sind. Wer sich wie kleidet und welche Signale gesendet werden. Ein kleines Beispiel, als Rätsel des Tages (Nr.2 übrigens):
Wer ist das, etwa 1,90 groß, leicht vorgebeugte Haltung, weißes Haar,als  langen lockigen Haarkranz, sonst Glatze gut gebräunt Schwarzes Boss Jacket, Edeljeans, rote Lederschuhe - ohne Socken!! Geht gern und oft herum und findet immer wieder jemand, dem er jovial die Hand schütteln kann. (Ihr habt Zeit bis Morgen) 

Heute war ein absoluter Quasseltag, das ist mir auf der ganzen Fahrt nach Spanien nicht passiert. Es fing schon an. Als ich das Fahrrad packte. Da schaute mir Mirco aus Mazedonien zu. Er fegte den Hof des Hotels und wir kamen ins Gespräch.Als er hörte, woher ich kam und was ich vorhatte, war er total begeistert und gab mir viele gute Tipps. Der wichtigste: "Du keine Angst in Rumänien, das alles liebe Leut!!"
Auf den ersten Kilometern, hänge  die Wolken extrem tief. Es ist  kühl, aber es kommt nicht zum Regnen.
Ich habe wieder Zeit die Vorgartenmöblierung Mittelbayerns zu studieren. Und in der Tat es gibt erhebliche Unterschiede zu den Tagen zuvor. Zum einen nehmen die geflochtenen Objekte deutlich zu. Kleine und größere Weiden Pyramiden, Weiden Kugeln, Weiden Fahnen, Weiden Wellen. Weiden Sonnen. - und Weiden Blumen - oder sind das Stehlampen?
 
Auch die Stahlobjekte. Hirsche, Dackel, Hähne in Edelrost,  gab es vorher nicht in der Häufigkeit

Der schönste Fund des Tages aber war 


Dieser Saurier.
Es wäre jetzt interessant zu wissen, welche Frühjahrs-Kunsthandwerks-Märkte es in der Region gibt.
Auffallend auch, dass die Trampoline sehr stark nachgelassen haben. Hat es hier weniger ADHS Kinder? 
Vielleicht hängt es ja doch mit dem Trinkwasser zusammen!
Man stelle sich vor, es gibt hier sogar wieder die gute alte Schaukel.

Die Walhalla habe ich mir geschenkt. Vor Jahren (um genau zu sein vor 30) waren wir schon mal oben.
Am interessantesten noch die Aussicht. Aber davon war heute Morgen keine Rede.

Dafür um so interessanter, der erster Donaufischer.

Vielleicht kann mir ja jemand erklären, um welchen Fisch es sich bei diesen schlanken Goldfischen handelt:

Dann der erste Donau-Touristen-Transporter. Habe ich so noch nicht gesehen. Woran erinnern mich diese Boxen nur?

Vielleicht fällt es ja Euch ein!

Falls dem einen oder der andern schon die Frage durch den Kopf ging, und was ist mit der 11:00 Banane?
Die gibt es natürlich immer noch:

 Dann gab es eine weitere Premiere.
 Auf den letzten 2000 km, die ich unterwegs war,  bin ich immer alleine vor mich hin geradelt.
Heute geschah es gleich zweimal, dass ich mit netten Leuten ins Gespräch kam und wir eine ganze Reihe von Kilometern zusammen radelten. Kurz nach der 11:00 Uhr Banane kam ich mit Philipp aus Regensburg ins Gespräch und wir radelten gemeinsam bis Straubing. Philipp macht gerade seinen Master und ist auf dem Weg nach Passau zu seiner Freundin. Es war ein kurzweiliges Gespräch und im Handumdrehen waren wir da.
Ich fahre in die Stadt. Philipp fährt weiter.Viel Glück für deine Master-Arbeit!!


Ich habe üppig Zeit zum Stadtbummel. Anscheinend fährt man zu zweit erheblich schneller.
Auf der Fahrt aus Straubing, an der Brücke ein Schild:

Irgendwie makaber, dass man eine moderne Brücke nach einer Frau benennt,  die von einer  Brücke geworfen und ertränkt wurde, nur weil sie den falschen Mann geliebt hat!

Dann, nur wenige Kilometer außerhalb von Straubing treffe ich Kevin aus Südengland, ein erfahrener Viel-und Weitradler, der halb Europa durchstrampelt hat. Ich fühle mich endgültig in den erlauchten Kreis der Fernradelreisenden aufgenommen. Und wieder fahren wir ein Stück des Weges gemeinsam. Man unterhält sich über dies und das,  hauptsächlich über Schilder, Strecken und Gepäck. "Hast du auch die Holländer getroffen, die 2 Gartenstühle im Gepäck dabei hatten...?" Ja, habe ich.
Dann bei Maria Posching, biege ich nach Loham ab. 
Ich habe mein Tagesziel erreicht. Kevin möchte noch nach Passau. In der Ferne grummelt  es gewaltig. Viel Glück Kevin!
Loham ist der Ruhepol der Republik. Die Wirtin, wahrscheinlich in meinem Alter, ist komplett tiefenentspannt.
Wir sitzen unter den Lindenbäumen im Biergarten (an verschiedenen Tischen). Ich trinke mein erstes Helles (von ausnehmend guter Qualität), da wendet meine Wirtin den Kopf: "Ja, hallo Jenny, bist au wieder au wieder aus Afrika zruck?"
Und die Jenny, eindeutig aus Afrika, lange Rastalocken, auch etwa in meinem Alter, setzt sich an ihren Tisch. Die Wirtin steht auf und kommt mit einem Glas Rotwein wieder. Und d`Jenny erzählt, dass sie seit gestern wieder aus Kenia zurück ist, und der Gerhard auch. Aber der muss schon wieder arbeiten. Und die Wirtin frägt die Jenny so aus,  wie es "druntn in Afrika" war und wia' s der Familie so geht, und ob die  Tochter ihr Kind jetzt hat. Und die Jenny erzählt wie es drunten in Afrika war.  
Loham ist der Ruhepol der Republik. Ich wünschte mir nur, die Republik würde das auch so sehen!!



Sonntag, 27. Juli 2014

6.Tag: Von Kelheim nach Regensburg

Auch wenn die Aussicht vom Brauereigasthof Festeisen nicht sehr verlockend war

Es wurde ein superschöner Sonntag. Festtagswetter in Weiß und Blau.Um 8:00 war es noch nicht heiß, und es sollte ja heute ein halber Ruhetag werden. 45 km bis Regensburg. Das sollte bis Mittag machbar sein. Mit dem Hotel habe ich vereinbart, dass ich mein Gepäck schon mal abladen darf, - ich bin gespannt auf Regensburg.
Doch zunächst einmal den Fluss entlang. Heute fast die ganze Strecke auf Asphalt. Ein Bilderbuchsonntag. Die Dörfer im Sonntagsmodus, entweder auf dem Weg zur Kirche oder auf dem Weg zur Kirche in den nächsten Biergarten abgebogen, in denen der eine oder andere den "Frühschoppen" etwas weit auslegt. Und jedes Dorf hat noch seine eigene Brauerei, unglaublich. 
Wenn ich nicht als Flüchtlingskind geboren worden wäre, wäre ich gern Bayer geworden. Genauer: Mitellbayer. Denn da befinde ich mich derzeit. Ein Mittelbayer lebt in Mittelbayern, - was heißt? Ist er nur ein mittlerer, ein halber Bayer, oder ein Durchschnittsbayer? Ein mitttlerer Bayer halt. Oder ist ein Mittelbayer einer der nicht Oberbayer oder Unterbayer (ne der heißt ja Niederbayer) ist.... ist gut ich höre ja schon auf.
Aber die Biergärten sind hier wirklich besonders schön. Mit Sicherheit werde ich heute noch einen aufsuchen.
Aber der Bayer in Mittelbayern, geht nicht nur in die Kirche oder den Biergarten, nein einige gehen auch zum Eisstockschießen.
Eisstockschießen im Juli, jetzt hat es ihm völlig das Hirn ausgetrocknet, aber  hier ist der Beweis

Da haben sie sich etwas mit dem Belag und der Beschichtung der Eisstöcke einfallen lassen, um ganzjährig Eisstockschießen zu können - finde ich extrem cool!!
Ab 10:30, je näher ich Regensburg komme, desto deutlicher wird es, es gibt noch eine Alternative zu Kirche oder Biergarten. Heute ist der Regensburger auf der Piste, joggend, walkend, paddelnd und radelnd.
Stellenweise habe ich das Gefühl, ich werde überrollt.
Aber alle super gut drauf, alle freundlich, alle grüßen, Sommersonntag halt!!
Ach ja, inzwischen gibt es auch Schiffe auf der Donau, heute habe schon drei Frachtkähne gesehen. Das  muss mit Kelheim zusammenhängen. Da hat es wirklich einen ernsthaften Hafen.

Und dann kommt langsam Regensburg in Sicht.
Eine Augenweide, nach all dem Altrosa/lindgrün/Schnörkelbarock. Endlich mal wieder Spitzen und Kanten.


Mit dem Hotel klappt es wunderbar. Sie haben bis 12:00 auf, ich kann mein Gepäck dort lassen und mich auf Stadterkundung machen. Es gibt wirklich viel zu sehen. Weltkulturerbe wird man nicht für lau. Aber es ist heiß, sehr heiß, und habe gestern schon einiges abbekommen. Ich will nicht wirklich Sonnenbrand bekommen.
Der Regensburger Dom ist sehr beeindruckend.
Natürlich Touristenströme ohne Ende. 
Auf dem Haidplatz ist ein Jahrmarkt der Kulturen. Ich habe mal wieder super geplant. Dieses Wochenende ist in Regensburg das "Klangfarben" Festival. Nachdem ich ein bisschen einer  brasilianischen Trommelgruppe zugehört habe. Kaufe ich mir Karten für heute Abend: Es spielt, "5/8erl in Ehr`n,  Soul mit Wiener Schmä, ich bin sehr gespannt. Gerade der schwarze, böse bayrisch/österreichiche Humor hat mir schon immer gelegen!! Und Regensburg hat ja auch eine lange Tradition extrem "böser Kabarettisten".
Ich werde berichten.
Und zum Schluss noch eine gute Nachricht: mein Seifenstücken, mein Handy ist wieder da!! 
Meine ganze Aufregung umsonst. Wie kam`s?
Ich habe wohl doch das Handy aus der Tasche unter dem Sattel rausgenommen - und in den Helm gelegt. Nach dem Schiff habe ich ihn am Lenker hängen lassen, und am Hotel räume ich die Taschen aus- und das Handy ist weg. Ich suche überall, inzwischen habe ich den Helm auf den Schrank gelegt, da kann ich lange suchen.
Erst heute Morgen, als ich den Helm aufsetzen will, fällt es raus. Da es mit der schwarzen Seite in der schwarzen Innenverkleidung lag habe ich es einfach nicht gesehen.

Egal, Hauptsache ich muss Morgen nicht auf Einkaufstour gehen, 
So und jetzt geht es in den Arkadenhof, zur Vorbereitung auf den nächsten Streckenabschnitt. Mittwoch, könnte ich, wenn alles klappt in Österreich sein 


Samstag, 26. Juli 2014

5. Tag bis Kelheim

Neuburg war wirklich schön. Auch der Morgen beginnt traumhaft. 
Noch ist hier das Wetter schön. Sonnig aber noch nicht heiß. Ich radle Richtung Ingolstadt. Ohne Schilder immer auf der Dammkrone oder in den Wäldern. Ich sehe Rehe, Hasen und... . Es ist unglaublich ruhig. Kaum Radler. Nach 2 Stunden Fahrt fahre ich in Ingolstadt ein.
Ich bin wie vor den Kopf geschlagen. Samstag Mittag. Einkaufsmeile. Alles rappelvoll, alles rappelt, aber eigentlich ziemlich relaxed, aber so viele Menschen!! Ich entwickle Fluchtreflexe

Und ich finde ziemlich schnell den Ausgang. Ingoldstadt war zwar an diesem Samstag 2014 kein Fegefeuer, aber noch immer eine sehr martialische Festung, auch wenn die Kanonen von Ingolstadt nicht mehr wirklich erschrecken  Beim Rausfahren stolpere ich auch noch über die "Pioniere von Ingolstadt" .

Entschuldige Marieluise, ich wäre gerne ein wenig mehr auf deinen Spuren gewandelt, aber du hättest wirklich Verständnis gehabt. Nich an einem Samstag Morgen.
Witzigerweise traf kurz darauf jemand, der sich seit vielen Jahren einen Kleinkrieg mit den Soldaten hier liefert. Fährt man aus Ingolstadt raus, Richtung Osten, ist alles nach wie vor Manövergelände, und man darf, so steht es auf den Schildern auf gar keinen Fall vom rechten Weg abweichen.
Was mir beinahe passiert wäre, hätte mich nicht eine Stimme kräftig davor gewarnt. Ein ortskundiger Radler erzählt mir dann seinen jahrelangen Kleinkrieg mit dem Standortkommandanten, über die rechte Art der Be- schilderung, damit Leute nicht ins "Sperrgebiet" geraten. Er, der widerborstige  Ingolstädter Radler,  hängt Schilder auf, die davor warnen sollen, in die Sackgasse zu fahren. Er, der Standortkommandant, "läßt" sie "eigenhändig" wieder abhängen. Eine Lokalposse.

Beim Weiterfahren geht mir noch etwas anderes durch den Kopf. Hatten wir nicht in der Schule gelernt, dass die Donau ab Ulm schiffbar sei?
Seit 3 Tagen radle ich ich nun der Donau entlang und habe noch nicht ein einziges Schiff gesehen, noch nicht einmal ein Boot. ABER: Wie es sich für einen schiffbaren Fluss gehört, nerven mich alle 200m diese Schilder

Ich will nicht alle 200m darauf hingewiesen werden, dass ich noch über 2.400km vor mir habe! Aber was mir an den Schildern dann doch gefallen hat, ist, dass sie stur einfach durchgehend  aufgestellt werden, egal ob Schiffe vorbeikommen können oder nicht. An diesem Donauabschnitt war weit und breit kein Fluss zu sehen, die andere Seite des Dammes sah so aus:

Aber Vorschrift ist Vorschrift. Und schließlich, man kann ja nie wissen, vielleicht kommt beim nächsten Jahrhunderthochwasser doch mal ein Schiff vorbei.

Zwischenbemerkung: 

Wenn gestern der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich mich leicht über die Bewohner der bayrischen Donauregionen lustig gemacht hätte, dem möchte ich ganz entschieden widersprechen.Ich liebe unsere südlichen Nachbarn. Und wie könnte man jemand nicht lieben, der solche wunderschönen Vogelkästen in seinen Wäldern verteilt:
  
Man beachte den "Balkon". Wirklich mitten im Wald!!"
Aber auch sonst ist der Samstagsbayer super relaxed. Überall Party, alle sind freundlich, kein Wunder bei dem Wetter.
Und dann kommen doch die ersten Boote.  Boote mit Dixiebands, Boote mit Bläsergruppen und alle mit jeder Menge Bölkstoff.

Und so begleitete mich Musik, die letzten 10km bis zur Weltenburg.
Und natürlich wurde die Vorfreude auf das lecker Weltenburgbier auch dadurch verstärkt, dass ich nun eindeutig in der Hallertau angekommen war. Überall Hopfengärten

Doch die Weltenburg war wieder der Schock. Es war gerammelt voll. Und ich mit meinem ganzen Gepäck. Wie schaut man sich an solch einem Ort eine Kirche an, geht fast nicht. Ein Bier trinken? Fast unmöglich.Doch es geht alles gut.


Doch dann mache ich einen Fehler. Von hier weg zu kommen hätte wieder mal bedeutet. Steil bergauf!! Also beschließe ich zu schummeln und mit dem Boot durch den Donaudurchbruch nach Kelheim zu fahren. 5 km bei  2.800 was mach das schon. Außerdem muss man dieses Weltkulturerbe gesehen haben, oder etwa nicht?
Also steige ich ein. Stelle das Fahrrad unten ab. Irgendwie ist mir nicht wohl. 
Die Fahrt ist wirklich spektakulär. 
Nach 8 Stunden in der prallen Sonne komme ich in Kelheim an und habe nur noch einen Wunsch. Raus aus der Sonne, Duschen, ein kühles Bier. Ich hab ein Zimmer in einem kleinen Brauereigasthof gemietet. Finde ich auch schnell. Ich packe aus. - 
Und stelle auf dem Zimmer fest - mein Handy ist weg. Mein uraltes, treues, Seifenstücken, weg. Der treue Begleiter vieler Reisen,
Ich,  beklaut an einem Touri-Hotspot!! Ich war die ganze Zeit aufmerksam, nur auf dem Schiff bin ich kurz hoch und habe ein paar Fotos gemacht. Das Handy in dem Täschchen unter dem Sattel hatte ich komplett vergessen.
Na ja,  es gibt schlimmeres!! Aber so schöne Handschmeichler machen sie nie wieder! Werde ich mir demnächst halt auch eine kleine Tafel ans Ohr halten !!
Da kann nur das lecker Bier der Privatbrauerei "Frischeisen" helfen!!